US-Vorwahlen Hillary buhlt um die Hispanics

Die Anliegen von Latinos waren bisher kein großes Thema im Wahlkampf der Demokraten. Jetzt bemüht sich Hillary Clinton in Texas um ihre Stimmen – eine Frage des politischen Überlebens

San Antonio

Die Abfahrt zur Kohlenberg Lane, der „Schlitterbahn Waterpark“. Auf dem Weg von der texanischen Hauptstadt Austin ins südliche San Antonio, entlang der Interstate 35, ist der Einfluss ausländischer Einwanderer in Texas kaum zu übersehen. Kurz nachdem Texas seine Unabhängigkeit von Mexiko erlangte und sich als Staat den USA anschloss, explodierte die Zahl der deutschen Einwanderer in der Region. 1860 kam ein Drittel der Bewohner San Antonios aus Süd- und Mittelamerika – und ein Drittel aus Deutschland.

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Heute sind „German Sausages“ zwar immer noch eine lokale Spezialität, die demografischen Verhältnisse aber haben sich verschoben. Wie eine Volkszählung ergab, waren 2006 zwei Drittel der Bewohner in San Antonio „Hispanics“ – viermal so viel wie im amerikaweiten Durchschnitt und doppelt so viel wie in ganz Texas. Hillary Clinton hätte sich am vergangenen Freitag also keinen besseren Ort aussuchen können, um die lateinamerikanische Community von Texas auf sich einzuschwören.

Ihre Bühne in San Antonio steht unter offenem Himmel auf dem ehemaligen Expo-Gelände der Stadt, viel sagend platziert zwischen der San Fernando Cathedral und dem Tower of the Americas. Hier haben die Straßen spanische Namen, eine Mariachi-Band unterhält die Schlangen vor den Sicherheitsschleusen, und auf den Schildern der Gäste steht „América con Hillary”. Gekommen sind vor allem gestandene Clinton-Fans – Barack Obama hält ebenfalls eine Rede in der Stadt, zeitgleich zu Clintons Auftritt in der Innenstadt hat er eine Halle außerhalb San Antonios gemietet.

Zwei Drittel des Publikums sind Lateinamerikaner, die meisten sind älter als die Zuschauer auf den oft sehr studentisch geprägten Obama-Veranstaltungen, und viele Familien sind gekommen. „Ich bin ein großer Hillary-Fan”, sagt Amy Saucedo, die ihre beiden kleinen Töchter vor sich her treibt. Um neun Uhr abends ist im Februar noch T-Shirt-Wetter in Südtexas, Saucedo ist im „Hillary for President”-Shirt gekommen. Ihren Töchtern hat sie Anstecker mit dem Gesicht der Kandidatin gekauft, ihr Ehemann kommt in Zivil – hat am Vormittag aber bereits für Clinton gestimmt, wie er sagt. „Hillary sagt ihre Meinung“, sagt Saucedo. „Sie ist eine Kämpferin. Und wir brauchen eine Kämpferin im Weißen Haus.”

Besonders kämpferische Töne haben die Demokraten bisher nicht angeschlagen, wenn es um das Schicksal der mehr als 44 Millionen Latinos in Amerika geht – das war eher Aufgabe der Republikaner, die in den vergangenen Wochen Einwanderung ganz oben auf ihre Wahlkampfagenda gesetzt haben. Illegale Einwanderung, um genau zu sein. Im vergangenen November warfen sich Rudy Giuliani und Mitt Romney gegenseitig vor, zu tolerant gegenüber ausländischen Schwarzarbeitern gewesen zu sein. Als vor zwei Wochen der Republikaner-Wahlkampf mit dem Rücktritt Romneys de facto endete, bekam der verbleibende John McCain Gegenwind aus seinem eigenen Lager zu spüren – unter anderem, weil er sich als Senator für Gastarbeiter-Visa und für Wege zur Legalisierung illegaler Einwohner starkgemacht hatte.

Leser-Kommentare
  1. wiedereinmal mehr muss eine Randgruppe als letzte politische Chance
    herhalten. Waren die Mexikaner vorher kein Thema im Wahlkampf, so sind
    sie nun Hillaries letzte Chance, im Kampf um die Nachfolge Bushs, einen
    so dringend nötigen Sieg zu erringen. 

  2. Frau Clinton, die überhaupt kein einziges Wort Spanish spricht, maßte sich an, für alle Hispanics zu sprechen.  Als Senatorin der Stadt New York kontrolliert sie allerdings die Stimmen der dort lebenden Portoricaner.  Die Kubaner in Florida hingegen stimmen grundsätzlich bei jeder Wahl gegen die Demokraten.  Die Hispanics von Texas wiederum stammen weder aus Portorico noch aus Kuba, sondern es sind Mexikaner, die ganz andere Belange haben.  Es war offenbar ein abermaliger großer Fehler der Clintons, alle Spanischsprecher einfach in einen Topf zu werfen.

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