US-Vorwahlen Alles andere als einfach

Hillary Clinton gewinnt in Texas, Ohio und Rhode Island – dennoch wird es für sie sehr schwer bleiben, die Nominierung der Demokraten zu erlangen

Zum zweiten Mal nach „Super Tuesday” hat ein lang erwarteter Dienstag nicht die erhoffte endgültige Entscheidung im Demokraten-Vorwahlkampf gebracht. Und zum zweiten Mal nach der Vorwahl von New Hampshire war Clinton in der populären Wahrnehmung bereits abgeschrieben – und belehrte ihre Kritiker eines Besseren. Mit ihren Siegen in Texas, Ohio und Rhode Island bleibt die Kandidatin allen früheren Unkenrufen zum Trotz weiter im Rennen. Leicht wird es für sie jedoch nicht werden, Barack Obama nicht nur auf-, sondern auch noch zu überholen.

Die aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen: Klicken Sie auf die Grafik

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Terry McAuliffe, ein hochrangiger Clinton-Wahlkämpfer, hatte sich Dienstagabend bereits vor Verkündigung der Wahlergebnisse von Texas und Ohio optimistisch gezeigt. „Ich glaube, wir gewinnen sowohl in Texas und Ohio“, sagte er. „In beiden Staaten kommt ihre Botschaft gut an.” Er sollte recht behalten. Erst nach Mitternacht wurde das bis dahin enge Rennen in Texas, dem größten der vier Staaten aufgelöst. Und auch hier hatte Clinton die meisten Wähler für sich gewonnen.

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Die Lateinamerikaner etwa, die größte Minderheit in Texas, waren von Clinton über das Wochenende hinweg stark umworben worden. Die Strategie ging auf: Die Latinos haben sich in deutlich größeren Zahlen an den Vorwahlen beteiligt, als das in vergangenen Jahren üblich war – und doppelt so viele haben für Clinton gestimmt wie für Obama. Doch es war nicht nur ein Ausbalancieren der Minderheiten-Wähler, die Clinton in Texas mehr Wählerstimmen einbrachte als ihrem Kontrahenten. Sie gewann auch die Unterstützung der ländlichen und weniger gut gebildeten Bevölkerung, einem großen Teil der weißen Wähler in Texas.

Zwar führte Obama wie auch in früheren Staaten unter den unabhängigen Wählern und auch bei denjenigen Republikanern, die zu den für alle Wahlberechtigten offenen Demokraten-Vorwahlen abwanderten, da für ihre Partei die Präsidentschaftskandidatur John McCains bereits Mitte Februar unvermeidlich war. Clinton gewann aber die Mehrheit der erklärten Demokraten. Angesichts dieses Abschneidens wird es für Clinton-Kritiker schwieriger, ihren Rückzug aus dem Präsidentschaftswettbewerb der Partei zu fordern.

Clintons Sieg in Texas könnte noch eine unangenehme Überraschung mit sich bringen. Zunächst hat Hillary Clinton in diesem Bundesstaat nur die populäre Wahl im ersten Wahlgang für sich entschieden. Die Ergebnisse des zweite Wahlgangs, bei dem zwei Drittel der Delegierten in nachbarschaftlichen Wählerversammlungen, den sogenannten Caucussen, vergeben werden, stehen weiterhin aus. Bis zum Wochenende könnte es noch dauern, bis hier Klarheit herrscht – denn erst am Freitag müssen die Ergebnisse der einzelnen Caucus-Treffen an die Parteiführung berichtet worden sein.

Leser-Kommentare
  1. Obama hat immer noch fast hundert Delegierte mehr als Clinton.  Jedoch ist es nunmehr mathematisch unmöglich geworden, dass einer der beiden Kandidaten überhaupt noch die erforderliche Delegiertenzahl erreichen kann.  Alles hängt somit davon ab, welchem Kandidaten die "Superdelegierten" (sprich Parteibonzen) ihre Gunst und ihre 800 Delegiertenstimmen schenken werden: dem schwarzen Mann, der die meisten Delegierten hat, oder der weißen Frau, die ihrer Partei im November die große Masse liefern kann, ohne die kein Demokrat gewinnt.
    Wie auch immer sich die Superdelegierten entscheiden, werden sie also mit Sicherheit die Hälfte ihrer eigenen Parteianhänger verärgern: ein willkommenes Geschenk für McCain, der am gleichen Abend die offizielle Kandidatur der Republikaner gewann.

  2. Warum genau soll das rechnerisch nicht mehr gehen?Ich habe gelesen, es gibt 4050 Stimmen zu vergeben, die Hälfte (2025) werden zur Kandidatur benötigt.Aktuell hat Obama mit 1451 ganze 86 Stimmen mehr als Clinton (1365). Ihm fehlen 574 stimmen, ihr 660. Eng war es die ganze Zeit: Der Abstand zwischen beiden war kaum mal mehr als 150 Stimmen (damals für Clinton).An diesem Paul kann es ja nicht gelegen haben, wenn es jetzt "rechnerisch" gar keine klare Entscheidung mehr geben können soll.Woran denn dann?

  3.  # Silberschnur. http://www.nzz.ch/nachrichten/international/clinton_kann_erst_auf_den_letzten_metern_gewinnen_1.683655.html Wird Ihre Frage möglicherweise beantworten helfen. Einer der Keys liegt bei den "Super Delegates". Alles Übrige in dem Artikel; bitte bedienen Sie sich.MfG, Si

  4. @ Redfox:  Zum Teil hat silberschnur Ihre Frage bereits beantwortet.  Von den insgesamt 4000 Delegiertenstimmen hält die Demokratische Parteileitung 800 für die Parteibonzen zurück, so dass von vornherein überhaupt nur 3200 an die 50 Staaten verteilt wurden.  Diese 800 Superdelegierten haben je eine Stimme, die sie noch bis zum Parteitag in Denver beliebig wandeln können, um die "Stimme des Volkes" zu bestätigen oder abzuändern.
    Bei den Republikanern gibt es dieses undemokratische Verfahren nicht.
     

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