Internetsicherheit Verseuchte Websites

Internetkriminelle rüsten auf, Sicherheitsexperten auch. Die einen infizieren Websites. Die anderen schlagen mit Webcrawlern und "Honigtöpfen" zurück.

Rasant nimmt die Zahl der Online-Schädlinge zu. Experten des Testlabors AV-Test haben im Jahr 2007 rund 5,5 Millionen neue Malware-Dateien entdeckt – über fünfmal soviel wie im Vorjahr. Würmer und Viren verbreiten sich im Web über Email. Das weiß selbst der naive Gelegenheits-User inzwischen. Für die Gefahren verseuchter Email seien die Leute „eigentlich schon sensibilisiert. Da wird nicht mehr einfach so jedes Attachment geöffnet“, sagt Magnus Kalkuhl, der als Virenanalyst bei Kaspersky arbeitet. Dagegen hat sich noch nicht so recht herum gesprochen, dass auch Websites verseucht sein können. „Das Problem mit den Drive-by Downloads wird zunehmen, da viele noch gar nicht damit rechnen.“

Drive-by Download bedeutet: Sites werden so manipuliert, dass bereits ein kurzer Besuch ausreicht, dass Schadcode auf dem Rechner des Surfers landet. Davon sind nicht nur Schmuddeladressen betroffen, sondern auch solche, denen man blindlings vertraut. „Mitunter leitet ein Werbebanner auf eine infizierte Site“, erzählt Candid Wüest . Der Virenexperte und seine Kollegen bei Symantec beobachten aber auch, dass zunehmend „legitime Adressen im großen Stil geknackt werden und dann dieser Schadcode initiiert wird. Das kann eine österreichische Touristeninformationsseite sein, die Homepage der amerikanischen Botschaft in Russland oder irgendein Nachrichtenportal.“ Derartig verseuchte Websites haben eine beachtliche Lebenszeit. „Einige sind bereits nach Stunden abgeschaltet, andere aber erst nach einer Woche,“ sagt Wüest.

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Bei einem „Drive-by Download“ ruft der Anwender eine Website auf, während im Hintergrund ein Skript abläuft, das herausbekommt, welchen Rechner er hat, welches Betriebssystem genutzt wird, mit welchem Browser gesurft wird und welche Sicherheitsprogramme zum Einsatz kommen. „Dann wird dem Anwender die entsprechende Malware untergejubelt. Hat sich der Schädling installiert, lädt er meist weitere Komponenten nach. Da dies lediglich im Hintergrund geschieht, bekommt der Nutzer überhaupt nichts davon mit. Wenn man nicht intensiv nach derartigen Eindringlingen sucht, dann findet man sie auch nicht“, sagt Ralf Benzmüller, Computerlinguist und Leiter der G Data Security Labs . Candid Wüest berichtet darüber hinaus von Malware, die sich sogar nach getaner Arbeit selbstständig wieder löscht.

Eine zentrale Rolle nimmt dabei der Browser ein. Doch nicht nur er, auch die so genannten Plug-ins, also jene Komponenten, ohne die viele Darstellungsoptionen gar nicht funktionieren, stellen ein Einfallstor dar. Das betrifft meist gängige Software wie den Adobe Reader, QuickTime oder Shockwave Flash.

Das Mindeste, was der einzelne User tun kann, um sich Würmer und andere Schadsoftware vom Leibe zu halten, ist die umgehende Aktualisierung seiner Programme, sobald eine neue Sicherheitslücke bekannt geworden ist. Sicherheitsexperten wie Benzmüller raten darüber hinaus – nicht ganz uneigennützig –, den Datenaustausch mit dem Internet grundsätzlich per Sicherheitssoftware überwachen zu lassen. Der Gratis-Virenscanner reicht da nicht. „Der Virenscanner überprüft ja nur Dateien. Den JavaScript-Code, der in den Arbeitsspeicher des Browsers gelangt, kontrolliert das Programm jedoch nicht.“ Nach Benzmüller muss sichergestellt werden, dass der komplette Datenstrom überwacht wird, bevor er an den Browser weitergeleitet wird. Spürbar zusätzliche Zeit kostet das nicht. Ansonsten gelangt der Schädling nämlich auf den Rechner. „Wenn dann der Virenscanner Alarm schlägt, ist es bereits zu spät“, so der Experte. Lässt sich die Malware nicht effektiv beseitigen, bleibt einem am Ende nur die Neuinstallation des Betriebssystems.

Die Hersteller von Sicherheitssoftwares entwickeln ihrerseits immer neue Methoden, neue Malware aufzuspüren. Dazu setzen sie unter anderem sogenannte „Honeypots“ ein. Das sind zum Beispiel Rechner, die ein Netwerk simulieren. „Wir hoffen, dass unser Gerät dann infiziert wird“, sagt Magnus Kalkuhl. „Ein Honeypot kann aber auch eine E-Mail-Adresse sein, die mit Nachdruck publik gemacht wird, damit sie entsprechend schnell von Spam bombardiert wird.“ Zusätzlich gibt es Techniken wie Webcrawler, die zum Einsatz kommen. Webcrawler analysieren das Internet hinsichtlich verseuchter Dateien und Websites. Um Malware zu erkennen, kommen aktuell auch vermehrt „verhaltensbasierte Überwachungsprozesse“ hinzu. Hierbei wird analysiert, inwieweit die Aktivität eines Programms Abweichungen gegenüber der Norm aufzeigt. Daraus werden dann Werkzeuge wie die „ Behavioural Blocker “, wie das im Fachjargon heißt, entwickelt.

Leser-Kommentare
  1. Ach Leute, warum erwähnt Ihr nicht mal den einfachsten und kostengünstigsten Ansatz: Überlegen, wozu man dieses vermaledeite Windows und erst recht die seit ettlichen Jahren in Sicherheitskreisen zu Recht als Viren- und Wurmschleudern verschrieenen Programme Internet Explorer und Outlook (Express).Nicht, dass Linux, *BSD, Firefox, Thunderbird (etc. pp.)  garantierte Sicherheit böten, ABER: Die offenheit der Systeme beschleunigt die Beseitigung von sog. Angriffsvektoren dramatisch und macht eine Vielzahl der unter Windows mittlerweile unverzichtbaren Sicherheits-Add-Ons schlicht überflüssig. Und vor allem ist es "sauberer": Wo unter Windows die diversen Drittanbieter ein ums andere mal einen (teuren) Flicken auf ein (von Microsoft offen gelassenes Scheunentor) klebt, da wird bei den Freien Systemen viel eher eine tatsächliche Lösung des Problems entwickelt: In den freien Umgebungen muss man eben niemanden darum bitten, komplett nachsehen zu dürfen, was schief läuft.Bei Windows & Co. sind alle Hersteller drauf angewiesen, dass Microsoft die wesentlichen Sicherheitsinformationen ehrlich, fair und offen an Drittanbieter weiter gibt. Und wie gut das in den vergangenen 20 Jahren funktioniert hat lässt sich ja sehr gut an den Rekord-Strafen ablesen, die die EU-Wettbewerbskommissarin just gestern gegen Microsoft verhängt hat: 1,45 Milliarden US-Dollar und zudem das erste Mal, dass ein Unternehmen deswegen verurteilt wurde, weil es frühere Auflagen zur Wiederherstellung von Markt und Wettbewerb ignoriert hat.Also, liebe ZEIT: Anstatt Eure Leser ein ums andere Mal in die Arme von (im Grunde überflüssigen) Sicherheits-Drittanbietern zu treiben, regt sie doch einmal dazu an, sich Linux & Co. anzusehen. Die meisten Leser wären wohl sehr erstaunt daüber, wie komfortabel und produktiv die freie Arbeit in einer freien Umgebung ist - es muss ihnen nur einmal jemand sagen!F. Mayer

  2. Vor den buddhistischen Tempeln in Laos trifft man fast immer Menschen an, die kleine Vogelkäfige mit Insassen feilbieten. Gegen einen Obolus kann man sein Karma verbessern, indem man so einen Vogel freilässt. Dass die Tiere stante pede zu ihren Haltern zurückkehren, sich greifen und wieder kasernieren lassen, erfahren nur sehr aufmerksame Beobachter. Mit den WinzigWeich-Nutzern ist es wie mit den Vögeln in Laos: Freiheit macht ihnen Angst...Schönes Wochenende allerseits

  3. Ich habe schon viel Lob über Linux gehört, habe aber keine Ahnung, wie ich an Linux rankomme, bzw. wo ich es mir "ansehen" kann. Wie viel Wissen ist notwendig, um Linux anzuwenden? Wo bekomme ich die notwendigen Informationen?Es kommt immer wieder vor, dass ich den Eindruck habe, da arbeitet noch jemand auf meinem Computer. Was kann man dagegen tun?

  4. @WilhelmineDas ist keine echte Hürde. Ich schlage Dir vor zuerst ein sogenanntes Livesystem, wie z.B. Knoppix oder Sidux, anzusehen. Es läuft vollständig im Speicher des Wirtsrechners und hinterläßt keine Änderungen an der Festplatte/installiertem Windowssystem. Gehen Sie einfach auf die Seite www.sidux.com -> Download -> herunterladen -> auf CD brennen -> von CD booten - und schon sind Sie völlig legal im Linuxland. Für eine erste Orientierung schlage ich vor, die WIKIs oder MANUALS auf den entsprechenden Seiten durchzulesen. Alles ist nicht schwerer zu verstehen als ihr Start mit Windows- dessen Geburtswehen Sie aber sicherlich vergessen haben. Deshalb schlage ich ihnen weiterhin vor, jemanden der schon etwas Erfahrung mit Linux hat an ihre Seite zuholen. Sicherlich könnten Sie alles auch selbst mit der Zeit herausfinden, aber für einen motivierenden Anfangserfolg ist doch ein Mentor zuverlässiger. Versuchen Sie es ! Ich bin auch schon Opa und bin zusammen mit meinem Enkel in die neue Welt eingestiegen, und kann nur sagen, daß es sich gelohnt hat. Selbst wenn man etwas spendet ( was nicht gefordert wird, aber nach einer gewissen Zeit Ehrensache ist ) ist es viel günstiger als der ganze Windowskram. Und alles was man schon immer brauchen konnte, aber sich niemals legal erwerben wollte ( teuer ! ) gibt es gratis dazu. Videoschnitt, Büroanwendungen, CAD-Programmen usw. Versuchen Sie es.

  5. Ich weiß nicht, ob und wenn ja, wieviel die Händler und Hersteller daran verdienen, dass sie Windows vorinstallieren - aber sicherlich werden sie dies nicht "für umme" machen - und nur die wenigsten scheinen begriffen zu haben, dass sie ja durchaus eine Installationspauschale in Rechnung stellen können, die vielleicht in der gleichen Höhe liegen kann, wie das Windows - nur das der Ertrag natürlich an den Hersteller/Händler geht..Ansonsten ist das mit der Live-CD in der Tat die beste erste Idee: Lassen Sie sich nicht davon verwirren, dass es diverse unterschiedliche Distributionen gibt: Ob Sie nun ein Sidux, ein Knoppix, Ubuntu oder OpenSuse nehmen ist erstmal egal, die wichtigsten Anwendungen für EMail, Web-Browser, Office, Grafik und Multimedia und sollten eigentlich dabei sein und es geht ja um das "kennen lernen".Der nächste Schritt könnte sein, dass Sie sich Linux parallel zu Windows auf die Festplatte installieren (ggf. lassen). Das kann dadurch geschehen, dass man die bestehende Festplatte verkleinert, einfacher ist es aber sicherlich eine zweite Festplatte zu kaufen und diese komplett für Linux zu verwenden. Dann können Sie bei jedem Rechnerstart auswählen, ob Sie nun mal mit Windows oder mal mit Linux arbeiten wollen. Das hört sich aber praktischer an als es ist: I.d.R. will man 1. nicht dauernd wechseln und 2. am liebsten "das Beste beider Welten" gleichzeitig nutzen. Ein Neustart des Rechners ist hierfür i.d.R. inakzeptabel ..Daher kann man sich noch eine dritte Variante überlegen: Man installiert sich Linux in einen "virtuellen Computer" (z.B. VMWare, VirtualBox oder ggf. die VM-Lösung von Microsoft, wenn Linux darin läuft ..). Dort kann man sich sehr authentisch ansehen, was einem bei Linux alles (kostenlos) angeboten wird. Will man tatsächlich mirgrieren und hat noch essenzielle Windows-Anwendungen, auf die man (noch) nicht verzihten kann/will, dann dreht man die Situation um und installiert Linux als Hauptsystem und Windows in einer VM. Nach und nach kann man sich dann ggf. Ersatz für die Windows-Anwendungen suchen.Noch eine Randbemerkung: Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass die Live-CDs i.d.R. die 1440*900er- und die 1680*1050er-Auflösungen nicht erkennen. Dadurch sieht die Grafik meistens ziemlich pixelig und hässlich aus. Man kann (und sollte) das später korregieren, wenn man sich tatsächlich für Linux entscheidet und es richtig installiert, um auch die 2D- und 3D-Features der Grafikkarten auszunutzen.Gruß,F. Mayer

  6. 6. Linux

    Vielen Dank für die Information. Ich glaube ich werde den Sprung ins kalte Wasser wagen. Als ich mit Windows begann, war ich noch nicht so abhängig vom Computer, da war es eher ein Hobby. Was ich nicht kannte, dafür hatte ich keine Anwendung. Heute sieht es halt ein bisschen anders aus. Ich habe da noch eine Frage, vielleicht weiß jemand Bescheid. Ich brauche für meine Arbeiten eine Datenbank und verwende jetzt Microsoft Office Access. Bietet Linux etwas entsprechendes?

  7. Hallo,ja, unter Linux gibt es auch freie Datenbanken, als da natürlich wären: MySQL, PostgreSQL oder Firebird (und Max- bzw. SAP-DB), wobei das "voll ausgewachsene Datenbank-Management-Systeme" (DBMS) sind und tendenziell eher in der Liga von Oracle, DB2 oder MS SQL-Server spielen. Wenn man aber keine Berührungsängste hat, dann kann man sich z.B. unter Debian oder Ubuntu mit drei Klicks MySQL oder PostgreSQL installieren und dann von OpenOffice heraus Datenbanken anlegen, verwalten und natürlich auch Eingabemasken erstellen mit Daten befüllen und diese natürlich auch ausgeben und verwerten (Serienbriefe/und Emails, etc.). Wie bei Excel kann man beispielsweise auch Pivot-Tabellen ("Datenpilot") erstellen, die auf einer DB-Abfrage oder -Ansicht bestehen. OpenOffice bringt aber auch ein einfaches DBMS mit (HSQL), wobei das wohl deutlich schwächer sein soll als die oben genannten und auch Access.Es ist jetzt etwas schwer abzuschätzen, welche DB-Bedürfnisse Sie konkret haben und dann eine Empfehlung für die  eine oder die andere abzugeben.Sollte das Datenbank-Paket von OpenOffice (Base) nicht standardmäßig mit installiert sein (was z.B. bei Ubuntu der Fall ist), dann kann man es mit ein paar Mausklicks nachinstallieren.Hinweis-Seiten zum Thema:http://de.openoffice.org/product/base.htmlhttp://de.wikipedia.org/wiki/HSQLDB.orghttp://de.wikipedia.org/wiki/PostgreSQLhttp://de.wikipedia.org/wiki/MySQLhttp://de.wikipedia.org/wiki/Firebird_%28Datenbank%29F. Mayer

    • Anonym
    • 03.03.2008 um 19:36 Uhr

    ... und nun die OS Community als Gegner bekam. Wer auf Kosten achtet, sollte es sich gönnen, Linux in der einen oder anderen Form anzusehen, wie zuvor gut beschrieben.Die Handhabung des Betriebssystems gerade Ubuntu kommt jedem, der bisher einen PC bediente und denen die wenig davon verstehen, genügt bereits wie man weiß, eine CD zu bedienen und aufzuspielen. Alles andere ergibt sich von selbst.isaac ben laurence weismann

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