Familie"Ein schlechtes Gewissen hat man immer"

Elisabeth Ott, 66, ist Mutter von zwei Söhnen und hat ihr Leben lang als Ärztin gearbeitet. Ihr Familienleben war dadurch nicht immer einfach. Ein Gespräch

ZEIT online: Als das ZEITmagazin Sie vor genau 30 Jahren über ihre Rolle als berufstätige Mutter befragte, waren Sie Anästhesistin in der Chirurgie der Münchner Universitätsklinik und Mutter eines vier- und eines dreijährigen Sohns. Wie haben Sie damals Karriere und Kindererziehung unter einen Hut bekommen?

Elisabeth Ott: Mit viel Organisation. Morgens um 5.30 Uhr hab ich zwölf Milchflaschen fertig gemacht, um 7:30 Uhr stand ich dann im Operationssaal. Damals hatte ich zum Teil noch Nachtdienste und musste den nächsten Tag durcharbeiten. Das war grauenhaft. Mein Mann hat zwar von zuhause als Architekt gearbeitet, das meiste hat aber unser Kindermädchen gemacht.

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ZEIT online: Hatten Sie je ein schlechtes Gewissen gegenüber Ihren Kindern, weil Sie berufstätig waren?

Ott: Ein schlechtes Gewissen hat man immer, immer, immer. Ich werde nie vergessen, wie die zwei Kleinen oben an der Treppe standen und sagten: "Mami, geh nicht!" Da könnte ich heute noch weinen, das bricht einem wirklich das Herz. Ich glaube nicht, dass es eine Frau gibt, der es anders geht - und das ist das Ungerechte daran.

ZEIT online: Im Artikel damals sagten Sie, hätte man Sie vor die Wahl gestellt – Karriere oder Kinder - Sie hätten sich für Ihren Beruf entschieden. Wie stehen Sie heute dazu?

Ott: Ich bin selbst erschrocken, als ich das nochmal gelesen habe. So habe ich das damals aber nicht gemeint, denn ich wollte immer Kinder haben. Ich wollte damit sagen, dass ich nie meinen Beruf aufgeben würde und dass eher mein Mann zuhause bleiben sollte. Ich war und bin mit Leib und Seele Ärztin, es war für mich der schönste Beruf, den ich haben konnte und ein großes Glück.

ZEIT online: Ein Glück, dass sich offenbar nicht mit Ihrer Ehe vereinbaren ließ. Kurz nach Erscheinen des ZEITmagazin-Artikels ließen Sie sich scheiden.

Ott: Ich fühlte mich gefangen in meiner Ehe, mein Mann hat mich beruflich absolut gebremst. Er hat mir zum Beispiel verboten, auf Kongresse zu fahren, was aber für eine Ärztin an einer Universitätsklinik unabdingbar ist.
Durch die Scheidung kam es leider auch zur Trennung der Kinder. Mein Mann ist mit unserem älteren Sohn in die USA gezogen, der jüngere Sohn blieb bei mir. Mit Hilfe unseres Kindermädchens und meiner Familie konnte ich meinen Beruf weiter ausüben.

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