Beijing 2008 Mit Konfuzius aus der kalten Hose
In der vierten Folge seiner Olympia-Kolumne „Ab in die Mitte“ möchte Christof Siemes nur gute Nachrichten verbreiten. Das ist aber gar nicht so einfach
Eigentlich wollte ich diesmal nur Positives berichten. Zum Beispiel, dass es am Ursprung der Spiele wieder grünt und blüht. Wir erinnern uns: Die verheerenden Waldbrände in Griechenland im vergangenen August haben auch das antike Olympia angesengt. Aber wie hätte das ausgesehen, wenn nun die olympische Flamme, die traditionell immer am Geburtsort der Spiele mit Hilfe eines Lupenglases entzündet wird, inmitten von verkohlten Baumstümpfen emporgezüngelt wäre? Alles kein Problem, hat George Aidonis, Olympias Bürgermeister, nun in Beijing erzählt. 27.000 Setzlinge von 30 verschiedenen Baum- und Gesträucharten wurden seit Ende der Brände rund um die antiken Stätten gepflanzt. Am 24. März, wenn das Feuer entzündet wird, sollen die bereits ordentlich was hermachen für die versammelte Weltpresse.
An eine andere gute Nachricht klammern sich zurzeit circa eine Milliarde Chinesen: „Ich glaube, dass Yao Ming bei den Olympischen Spielen zu 100 Prozent wieder gesund sein wird.“ Das hat Zhang Mingji gesagt, und das ist der Manager von Chinas in jeder Hinsicht größtem Sportstar, dem Basketballer Yao Ming, einer der heißen Kandidaten, das olympische Feuer am 8. August in Beijing entzünden zu dürfen.
Jetzt hat sich der Center der Houston Rockets in der NBA aber einen Ermüdungsbruch im Fuß geholt. Er wurde Anfang der Woche in den USA operiert und muss vier Monate pausieren. Zu viel gespielt, unken manche; Herr Zhang dagegen schiebt alles auf die Struktur der Quadratlatschen seines Schützlings - das Fußgewölbe sei einfach sehr hoch und anfällig.
Yao Ming blieben nach der Zwangspause aber immer noch zwei Monate, um für die Spiele in Form zu kommen. Wir wünschen gute Genesung und erinnern bei der Gelegenheit nur an Yao Mings Landsmann Konfuzius: "Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“
Aber jetzt gehen uns die guten Nachrichten langsam aus, denn die Tatsache, dass Celine Dion beim Beijing-Gastspiel ihrer „Taking Chances World Tour“ den Spielen ein „geeignetes Lied“ widmen will, klingt eher wie ein Drohung. Der Song soll zum Motto der Spiele „One world, one dream“ passen, und auch das entspannt die Lage nicht gerade. Denn schon ohne kanadische Heulbojenunterstützung hat es der olympische Slogan nicht leicht, weiß er doch nicht mal, wer seine Mutter beziehungsweise sein Vater ist. Gerade hat ein Mann namens Fang Shouwei bei einem Gericht in Pekings Haidian Distrikt Klage eingereicht, um sich als Urheber des Spruchs von der Welt und ihrem Traum anerkennen zu lassen. Um diese Ansprüche abzuweisen, hat nun das Bocog, das Organisationskomitee der Spiele die vorgeblich wahre Geschichte von „One world one dream“ enthüllt, und dagegen war Kafkas Prozess ein leicht zu druchschauendes Verfahren.
- Datum 09.03.2008 - 04:03 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 05.03.2008
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