Luftverkehr Vom Glück des Fliegens

Ob der stürmische Lufthansa-Anflug in Hamburg oder die Geisterflüge der CIA: Wenn Bilder und Videos von Flugzeugen im Netz kursieren, stecken oft Planespotter dahinter.

Mehr als 1,5 Millionen Nutzer haben mittlerweile das Video des stürmischen Lufthansa-Anflugs auf den Hamburger Flughafen bei YouTube gesehen, selbst der Nachrichtensender BBC sendete die Bilder. Millionenfach verbreitete sich das Video im Netz. Es zeigt, wie ein Airbus der Lufthansa von einer Windböe erfasst wird und fast bruchlandet. Der Film löste nicht nur eine Diskussion über mögliche Sicherheitsmängel aus - er warf auch die Frage auf, wieso dieser Film plötzlich aufgetaucht war.

Die Antwort lautet: Planespotter hatten ihn gedreht. Planespotter (zu Deutsch: Flugzeugbeobachter), harren stundenlang auf Flughäfen aus und haben nur ein Ziel. Sie wollen den besten Schnappschuss machen oder - wie am vergangenen Samstag – einen spektakulären Anflug zu filmen. Ihre Fotoausrüstung kostet oft tausende Euro. Schon von Weitem erkennen sie, welche Fluggesellschaft da startet, welcher Flugzeugtyp dort im Landeanflug ist. Manche hören mit Empfängern den Funkverkehr ab.

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Wie viele Menschen die Gemeinde mittlerweile umfasst, mag niemand zu schätzen. Sicher aber ist: Sie sind bestens vernetzt und über gewagte Piloten-Manöver, die wöchentlich in der Welt passieren, bestens informiert. Der "Fast-Unfall des Airbus" ist für die Flugenthusiasten nichts Besonderes. "Wir finden das Video gar nicht so außergewöhnlich", sagt der Hamburger Martin Schmid, der seit Jahren als Planespotter am Flughafen Fuhlsbüttel fotografiert. Seitenwindlandungen, so der Fachbegriff in der Szene, kämen häufig vor. Schon oft haben Spotter solche Landemanöver festgehalten. Den Amateurfilmer, der den Anflug auf Video bannte, kennt Schmidt persönlich: "Der hatte keine Ahnung, dass sich das Video so schnell verbreiten würde."

Zu den beliebtesten Flughäfen der Szene zählt der von Amsterdam, weil er nur an wenigen Stellen umzäunt ist, weshalb die Fotografen nahe an die Landebahn herankommen. Die meisten Flughäfen in Deutschland haben Terrassen, von denen die Spotter fotografieren. In München gibt es sogar einen kleinen Hügel. Allein in Hamburg kämen regelmäßig rund 150 Fotografen zum Flughafen Fuhlsbüttel, sagt Schmid. Viele von ihnen treibe das Sammelfieber. "Die wollen dann jedes Flugzeug einer bestimmten Fluggesellschaft fotografieren", sagt Schmid. Andere hielten nach besonderen Flugzeugen Ausschau, etwa nach dem Jumbo-Jet eines Öl-Scheichs. Für einige werde die Leidenschaft zur Obsession: "Ein paar Leute verbringen jede freie Minute auf dem Flugplatz", sagt Schmid. "Das sind dann Extremspotter."

Sind die Aufnahmen erst einmal gemacht, veröffentlichen viele Spotter die Bilder auf Internet-Portalen. Dort gibt es auch Ranglisten der besten Fotos. Ein Klassiker: d ie Landung einer Boeing 747 auf den Niederländischen Antillen, nur wenige Meter über den Strandurlaubern.

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