Ein weiteres Mal haben Forscher Daten manipuliert, um sie in wichtigen Wissenschaftsmagazinen platzieren zu können - und wieder stammen die Betrüger aus Südkorea. Die beiden gefälschten Arbeiten erschienen vor zwei und drei Jahren in den Journalen Science (J. Won et al., Science 309, 121 (2005)) und Nature Chemical Biology (J. Won et al., Nat. Chem. Biol. 2, 369 (2006)).

Man sei dabei, die Fälschungen gründlich zu untersuchen, sagte Lee Gyun Min, Dekan der Fakultät für Biowissenschaften an der Universität für Technik und Naturwissenschaften KAIST (Korea Advanced Institute of Science and Technology) im südkoreanischen Daejeon. Der Senior-Autor beider Studien, Kim Tae-kook, ist bereits von seinem Posten als Professor für Biowissenschaften am KAIST suspendiert. Die zwei betroffenen Journale wurden über die Manipulationen informiert.

Lee zog Parallelen zum Fälschungsskandal um den südkoreanischen Klonforscher Hwang Woo Suk , auch wenn die Auswirkungen nicht so gravierend seien. Beide KAIST-Studien sind nach ihrer Veröffentlichung nicht sehr häufig von anderen Forschern zitiert worden - das bedeutet, dass die manipulierten Daten nur in wenige weitere Studien einflossen. Vor zwei Jahren lag der Fall anders: Hwang hatte 2003 – ebenfalls in Science – behauptet, erstmals Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen gewonnen zu haben. Zahllose Forscher stützten sich danach auf den vermeintlichen Durchbruch. Das Magazin zog die Studien erst im Frühjahr 2006 zurück .

Wie schon in Hwangs Veröffentlichungen wurden Lee zufolge auch in den Studien der KAIST-Wissenschaftler nachweislich Daten manipuliert. "Unsere bisherigen Untersuchungsergebnisse sind deutlich genug, um uns davon zu überzeugen, dass beide Veröffentlichungen keinerlei wissenschaftliche Wahrheit enthalten", sagte Lee der Redaktion von Science . Die Fälschungen soll aufgeflogen sein, nachdem ein Student vergeblich versuchte, das Verfahren zu wiederholen.

Die beiden hauptverantwortlichen Forscher gaben bereits zu, ihre Forschungsergebnisse aufgebauscht zu haben. In der Science -Studie vom Juli 2005 wurde beschrieben, wie bestimmte Nanopartikel die Wechselwirkung zwischen Zellmolekülen und Medikamenten in lebenden Zellen beeinflussen. Die Methode versprach Fortschritte, beispielsweise in der Krebstherapie. In der im Juli 2006 publizierten Nature -Studie erläutern die Forscher, wie sie mithilfe der Nanopartikelmethode ein kleines Molekül aufspürten, das angeblich Körperzellen neu programmieren und Alterungsprozesse umkehren kann.

Ein schlechtes Licht werfen die Vorfälle aber nicht nur auf die beteiligten südkoreanischen Forscher, sondern auch auf die Auswahlverfahren der Magazine Science und Nature . Die wollten nach zahlreichen Betrugsskandalen das Prüfverfahren für eingereichte Studien gründlich reformieren. Im sogenannten Peer Review werden alle vorgelegten Arbeiten von mehreren Fachkollegen begutachtet. Diese Prüfung konnte aber schon sehr häufig nicht verhindern, dass fehlerhafte Arbeiten veröffentlicht wurden, oder solche, die auf gefälschten Daten beruhten. Nicht erst währen des Klonskandals um Hwang Woo Suk war das System deshalb stark in die Kritik geraten.