SPD Die Lust am Königsmord

Die Debatte um Kurt Beck und das Verhältnis zur Linkspartei zeigt: Die SPD schafft sich regelmäßig Führungsprobleme, die sie immer nur in noch größere Schwierigkeiten manövriert.

Kurt Beck ist krank. Das war Matthias Platzeck auch schon mal, und dann gab es plötzlich einen neuen SPD-Vorsitzenden. Ob sich dieses Szenario wiederholen wird, ist fraglich. Doch allein die heftige innerparteiliche Diskussion über Beck und seine Führungsfähigkeiten zeigt ein fundamentales Problem der Sozialdemokratie: Seit Willy Brandt fehlt es der Partei an Kontinuität in der Führung, mithin der richtige Vorsitzende. Einen, der sowohl die Partei längerfristig befrieden und führen kann, der die Flügel zusammenhält, gleichzeitig Visionen, Machtperspektiven und Anleitungen für das tägliche Handeln entwickelt und der obendrein über den Tag hinaus die Mitglieder wie die potenziellen Wähler bindet – so einen hat die SPD schon lange nicht mehr gehabt.

Doch lässt sich die Sozialdemokratie überhaupt noch führen? Neun Vorsitzende in 20 Jahren zu verschleißen, das schaffte keine andere Partei. Doch nicht allein die SPD machte es ihren Vorsitzenden schwer, auch sie selbst flohen häufig beim ersten spürbaren Widerstand aus der Verantwortung. Und da machte nicht Gerhard Schröder im Streit um seine Reformagenda 2003 den Anfang, sondern 1999 Oskar Lafontaine. Allein seit 2003 saßen mit Schröder, Franz Müntefering, Platzeck und Beck vier Sozialdemokraten der Partei vor; den fünften sehen manche bereits vom Himmel herab einfliegen: den Außenminister und Vizevorsitzenden Frank-Walter Steinmeier.

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Aber was sollte mit ihm besser werden? Auch Schröders früherer Oberreformer hat keine Idee, wie man mit der Linken umgehen kann. Noch schwerer wiegt: Er hat auch keine die Partei- und Wählerseele streichelnde und wärmende Idee von der Sozialdemokratie an sich. Der vorsorgende Sozialstaat, den er und Platzeck propagieren, kommt mit einer gefühlten Kälte einher, die an die Steuersenkungsphrasen der Westerwelle-FDP erinnern.

Es ist ja genau dieser Agenda 2010-Kurs gewesen, für den Steinmeier steht, der erst Schröder, dann Müntefering und schließlich Platzeck als Vorsitzenden den Kopf kostete, Müntefering schließlich ganz aus der Parteiverantwortung fliehen ließ. Und es war die Agenda, die Fleisch vom Fleische der Sozialdemokratie herauslöste, und so erst die WASG und schließlich die Linkspartei auch im Westen Deutschlands so stark gemacht hat.

Leser-Kommentare
  1. Zitat aus dem Artikel: "Was die SPD braucht, um dieser Krise zu entkommen ist
    endlich einmal Durchhaltevermögen und Vertrauen in den eigenen Vorsitzenden sowie
    Standfestigkeit des Vorsitzenden selbst." Das mag ja sein, aber gilt das denn nur nach der hessischen Landtagswahl? Wenn es denn gerechtfertigtes Vertrauen in den Vorsitzenden und nennenswerte Standfestigkeit des Vorsitzenden gäbe, dann hätte die SPD jetzt kein Problem. Standfestigkeit und Vertrauenswürdigkeit kann man eben nicht nach einem krassen Wortbruch noch für sich reklamieren.Friedrich Poeschel,University of Oxford,www.friedrich.poeschel.info

    • rondo
    • 02.03.2008 um 16:50 Uhr

    ich bin der meinung, dass beck seinem posten psychisch nicht gewachsen ist.mir ist dies kürzlich bei einer rede aufgefallen, ich glaube es war in bayern, wo ihm klitschenass vom angstschweiß der sress ins gesicht geschrieben stand.bundesliga ist für ihn eine nummer zu groß.

  2. ist, dass er Wahlen gewinnen kann. Steinbrück hat NRW, mit Amtsbonus, krachend verloren, Steinmeier hat noch nie irgendwo kandidiert und Naumann verbreitet neuerdings unwahre Dolchstosslegenden.In einer Koalition eigene Positionen so deutlich zu machen, dass die Wähler dies mit einer absoluten Mehrheit honoriert hätten - davon können diese Herren nur träumen. Das ist nämlich auch eine Charakterfrage.

  3. "den
    fünften sehen machen bereits vom Himmel herab einfliegen"ja, ja, wär das schön, wenn man sich beim spiegel und bei der zeit endlich einen SPD-chef selber _machen_ könnte ...

    • Kometa
    • 03.03.2008 um 8:41 Uhr

    Die realen Kräftverhältniss des Sozialen und des Kapitalen zeigen sich schon in der Ex-DDR.Dort krebst die SPD unter 20 %; weit abgeschlagen von den "christlich" kapitalen Kräften. Nur die Linke kann sich dort mit den alten Sozis noch "halten". Berlin ist das Modell des Kräftespiels, wenn kluge Männer sich dort zusammen finden und die Staatsgelder verprassen - und die Haupschulen mit Krafttrainingsräumen und Boxshows einrichten und mit Möller-Muskulatur und -Filmchen demonstrieren, wofür das Prekariat sich verdingen kann.In Hamburg muss sich Naumann zu von Beust schlagen; und dann ist die Hälfte seiner Wähler weg.Dort wird die SPD zerschlagen; nicht in Hessen.Sonst können die SPDler, die an  Kapital und Macht mitmischen wollen, nur noch in die Große Koalition flüchten und dort aufgehen und aufgeben.~ *Es gibt nicht das Soziale; nur, was übrig läßt das Kapitale.(Mit Erich Kästner nach-gedacht!)

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