Parteipolitik Chaostage in der SPD

Die Sozialdemokraten streitet über ihre Verhältnis zur Linken, Parteichef Beck gerät unter Druck. In der Kakophonie von Wortmeldungen fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Eine Orientierungshilfe in zehn Fragen und Antworten.

Was ist eigentlich los mit der SPD?
In der Sozialdemokratischen Partei ist ein Richtungsstreit entbrannt. Seit ihr Parteivorsitzender Kurt Beck die SPD für Kooperationen mit der Linkspartei geöffnet hat und über eine Zusammenarbeit mit der Linken auch im Westen wieder die Landesverbände entscheiden dürfen, droht eine Zerreißprobe.

Die Kritik an diesem Kurswechsel ist groß. Vor allem der SPD-Vize und  Finanzminister Peer Steinbrück heizte die Debatte am Wochenende an. Von einer Meuterei gegen Beck ist die Rede und sogar von Putschplänen. Aber auch die Unterstützer des Vorsitzenden formieren sich. Der liegt derweil mit einer schweren Grippe im Bett und will sich erst in der kommenden Woche zu Wort melden, wenn er wieder genesen ist. An diesem Montag kommt in Berlin der 110-köpfige Parteirat der SPD zusammen, um über den Zustand der Partei zu beraten.

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Hat Kurt Beck einen Fehler gemacht?
Ja - das ist in der SPD mittlerweile unstrittig. Ohne Not hatte Beck in der heißen Phase des Bürgerschaftswahlkampfes in Hamburg eine Debatte über Kooperationen mit der Linken begonnen, obwohl er wusste, dass Spitzenkandidat Michael Naumann jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei kategorisch ablehnt. Beck selbst sprach später von einem Fehler und entschuldigte sich dafür.

Doch die Debatte hatte Beck nicht nur zur Unzeit begonnen, sondern er hatte den Kurswechsel zunächst auch nur kryptisch angedeutet und völlig unzureichend begründet. Eine andere Frage ist es, ob Beck der SPD bei der Bürgerschaftswahl geschadet hat. Da gilt: eher nicht. Die drei angeblich verlorenen Prozentpunkte, für die Hamburgs Sozialdemokraten ihren Vorsitzenden verantwortlich machen, muss man wohl unter Legendenbildung verbuchen.

War der Kurswechsel in Sachen Linkspartei jetzt notwendig?
Das wird innerhalb der Partei ganz unterschiedlich beurteilt. Beck, der noch im Januar jede Kooperation mit der "sogenannten Linken" im Westen kategorisch ausgeschlossen hatte, wirkt jedoch wie ein Getriebener. Nach der Landtagswahl in Hessen und angesichts der Blockade bei der Regierungsbildung dort deutete sich schon seit Wochen an, dass Andrea Ypsilanti erwägt, sich im Landtag zu Wahl zu stellen, und auf die Stimmen der Linken spekuliert.

Früher oder später wäre der Kurswechsel ohnehin gekommen. Im Saarland 2009 oder in Nordrhein-Westfalen 2010. In beiden Ländern schließen die Spitzenkandidaten Heiko Maas und Hannelore Kraft eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht aus. Auch die sozialdemokratische Linke, die in Hessen gestärkt wurde, forderte den Kurswechsel, weil sie glaubt, das Tabu stärke vor allem die linke Konkurrenz.

Leser-Kommentare
  1. Deutschland geht es Spitze. Alle anstehenden Probleme und die Ausrichtung auf die Zukunft wurden bereits zu 200% für die nächsten hundert Jahre gelöst! Das Einzige was noch fehlt, ein Beschäftigungsprogramm für unsere Politiker. Da es sonst nichts zu tun gibt können wir uns endlich einmal den Luxus eines fröhlichen Planstellenschießen leisten. HURRA! Das Land lassen wir inzwischen von unseren Eliten leiten, ein Selbstläufer zur größten Zufriedenheit Aller. Was für ein großes Glück ist uns Deutschen doch mit unseren Eliten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft beschieden. Ein so großes Glück, das wir die alten Eliten (Handwerker, Lehrer, Arbeiter, Kleinunternehmer u.v.m.) endlich aus der Verantwortung entlassen konnten und können, bestens aufgehoben in der staatlichen Fürsorge welche von den neuen Eliten großzügig gespendet wird. Vollendet durch den Genuß unserer intellektueller Medien ist es uns nun beschieden die goldenen Zeiten zu genießen. HURRA, HURRA, HURRA! 

  2. "Die Linke hat im Bund, anders als in manchen westdeutschen Ländern,
    einen fundamentalistischen Kurs eingeschlagen. Mit ihren Forderungen,
    Hartz IV abzuschaffen oder die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen,
    ist die Linke nicht regierungsfähig."Warum ist die Linke mit diesen Positionen nicht regierungsfähig ?Ist dadurch die Demokratie bedroht ?Erstens sind das Maximalpositionen, die jede Partei aufstellt.Zweitens haben gerade diese Forderungen einen grosse Zustimmung in der Bevölkerung.

    • keox
    • 03.03.2008 um 12:46 Uhr

    Die Schäble-Security tut doch nun schon wirklich alles, um eine eventuell unruhig werdende Bevölkerung wirksam zu kontrollieren.Ohne berittene Boten - gegebenenfalls auch Brieftauben - aber auch da wäre ich nicht sicher, wird jeder rebellische Impuls zur privaten Meinung verkommen.Militärische Aktionen beginnen in der Regel mit der Zerstörung der gegnerischen Komminikation, bzw. ihrer Kontrolle.

  3. Das ist es, was uns Christoph Seils stellvertretend für den Holzbrinck-Verlag und andere Meinungsführer verkaufen will um jeden Preis. Demokratie: den Volkswillen umsetzen, war gestern. Auch Hartz IV müsse sein, sind doch nur so die Arbeitnehmer den Arbeitgebern ausgeliefert und müssen sich für 'n Appel und 'n Ei verkaufen. Gefällt Ihnen das wirklich so, Herr Seils? Kommen Sie mal runter von dem Zwangsgedanken, dass Deutschland für immer eine kapital- und USA-hörige Politik machen muss. Stellen Sie sich vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. 763 tote Soldaten in Afghanistan, Tausende von Afghanen, deren Tote werden gar nicht gezählt. Ist dieser Anti-Terror-Krieg nicht selbst Terror? 

    • tiez2
    • 04.03.2008 um 6:45 Uhr

    Ich finde es verblüffend, wie Politiker mit Versprechen umgehen, mit denen sie Wählerstimmen stärken bzw. neue hinzugewinnen. Das Verhalten rutscht in die nähe der Unglaubwürdigkeit, was den Bürger verunsichern muss."Früher" hatte man Idole, Vorbilder, Respekt und Achtung vor Menschen; auch vor Politiker! Wo sind diese Menschen geblieben?

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