Libanon

Hisbollahs Zweifrontenkrieg

Deutschland gibt nach 17 Monaten das Kommando über den internationalen Marineverband der Unifil vor der libanesischen Küste an Italien ab. Trotz des UN-Einsatzes konnte die radikalislamische Hisbollah massiv aufrüsten.

Für den Admiral ist die Sache klar. Die Mission sei eine Erfolgsgeschichte, die libanesische Marine sei dankbar und Israel fühle sich sicherer. Kurzum, das Militär hat nach Ansicht von Christian Luther, scheidender Kommandeur des internationalen Marineverbandes der Libanon-Mission der Vereinten Nationen (Unifil), seine Aufgabe erfüllt.

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Diese ergibt sich aus der UN-Resolution 1701, die nach dem 34-tägigen Sommerkrieg vor knapp zwei Jahren den Waffenstillstand zwischen radikalislamischer Hisbollah und Israel brachte. Konkret sollte unter deutscher Führung der Waffenschmuggel über das Meer in den Libanon verhindert werden, um vor allem zur schiitisch-islamistischen Hisbollah. Dazu beteiligt sich die Bundesregierung, neben der Beteiligung an dem Marineverband, an der Ausrüstung und Ausbildung libanesischer Grenzposten, insbesondere an der Grenze zu Syrien.

Doch Hisbollah trotzt, mit Hilfe ihrer Verbündeten aus Teheran und Damaskus, den UN-Bemühungen erfolgreich. Sie verfügt nach wie vor über einen fast unbehinderten Waffennachschub. Sowohl die Libanesen als auch die Vereinten Nationen kennen den Grund genau. So hieß es in einem 2007 veröffentlichten UN-Bericht, die Grenzsicherung zu Syrien sei nicht ausreichend, um Waffenschmuggel im nennenswerten Ausmaß zu verhindern.

Ende Juni vergangenen Jahres beklagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dass auf „regulärer Basis“ Waffen aus dem Ausland in den Libanon gelangten. Davon profitiert vor allem Hisbollah. Sie erhalte „hunderte derartige Lieferungen, darunter Kurz- sowie Langstreckenwaffen, Antipanzer- und Flugabwehrsysteme“. Im Libanon gehen sogar Berichte herum, wonach Raketenwerfer auf Tiefladern geliefert wurden und leichtere Waffen durch Tunnel oder über Gebirgspfade direkt in die Munitionslager von Hisbollah gelangten.

Zweifelsohne gehört es zum Image von Hisbollah, Stärke zu demonstrieren. Doch im Libanon zweifelt niemand daran, dass ihr Chef Sayyid Hassan Nasrallah seine Organisation auf einen militärischen Kampf an zwei Fronten vorbereitet: gegen Israel und gegen die politischen Rivalen im Libanon. Für ihn ist der Kampf gegen die Regierung in Beirut so etwas wie die Verlängerung des Krieges mit Israel – gleicher Feind, unterschiedliche Taktiken. „Die Amerikaner sind damit gescheitert, mit Hilfe der israelischen Armee den libanesischen Widerstand zu besiegen. Nun versuchen sie, mit ihren politischen Werkzeugen im Libanon das zu erreichen, was die Israelis nicht geschafft haben“, fasst Nawaf Mussawi, Beauftragter für Auswärtige Beziehungen der Hisbollah, den Standpunkt der Terrororganisation zusammen.

Obwohl Nasrallah stets betont, er würde 50 Jahre politischen Stillstand einer Wiederauflage des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 vorziehen, sprechen seine Aktivitäten eine andere Sprache. So berichtet Hisbollah selbst und auch andere Quellen vom Aufbau einer Reservistenarmee, die, jederzeit einsetzbar wäre, falls sich die innerlibanesischen Spannungen zu einem offenen Konflikt entwickeln.

An der innenpolitischen Front führt Hisbollah die Opposition an, die sich zum Ziel gemacht hat, die in ihren Augen illegitime Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora zu entmachten. Deren Unterstützer sind vor allem die libanesischen Sunniten und Drusen sowie die arabischen Staaten und der Westen.

Die Schiiten, die größte Gruppe im Land, stehen dagegen mit überwältigender Mehrheit auf Seiten der Hisbollah-geführten Opposition, während die Christen des Landes in zwei Lager gespalten sind. Das Schicksal des Landes hängt aber vor allem vom Ausgang des regionalen Machtkampfes zwischen den USA, die die Regierung unterstützen, und Iran ab, der Hisbollah unterstützt.

Auch auf außenpolitischer Ebene gibt sich Hisbollah martialisch und überlegen. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, demonstriert sie, dass für sie der Krieg mit Israel noch nicht vorüber ist.
Am ersten Jahrestag des Kriegsendes sagte Hisbollah-Führer Sayyid Hassan Nasrallah stolz, seine Miliz verfüge inzwischen wieder über die gleiche militärische Stärke wie vor dem Krieg.

Dabei sind die im Süden des Landes stationierten internationalen Truppen ebenso wenig ein Problem, wie die UN-Marineeinheiten vor der Küste. Hisbollah hat problemlos ihre militärischen Stützpunkte aus dem Einsatzgebiet der Unifil im Südlibanon in Gegenden nördlich des Litani-Flusses und in die Bekaa-Ebene verlegt, wo die libanesischen Streitkräfte sie offenbar unbehelligt lassen.

Mitte Februar hat sich der Konflikt zwischen Hisbollah und Israel durch den tödlichen Anschlag auf den Hisbollah-Mitbegründer Imad Mughnija in Damaskus noch verschärft. Dabei ist unerheblich, wer hinter dem Mord steckt. Denn für Hisbollah war von Anfang an klar, wer dafür verantwortlich ist: der israelische Geheimdienst Mossad. Daher ist es fast sicher, dass die Terrororganisation Anschläge in Israel selbst oder auf israelische Einrichtungen im Ausland verüben wird.

Ein Vorbild dafür gab es bereits 1992. Nachdem israelische Kampfhubschrauber den damaligen Hisbollah-Generalsekretär Abbas Mussawi im Südlibanon getötet hatten, raste ein Selbstmordattentäter mit einem LKW voller Munition in die Israelische Botschaft in Buenos Aires. 29 Menschen wurden getötet, mehr als 200 verletzt.

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Leser-Kommentare

    • 29.02.2008 um 19:04 Uhr
    • Rellem

    Hi @ll
    Alle können stolz auf sich sein.
    -die UN
    -die Europäer
    -die *Hisbollah*Die UN kann für sich verbuchen "was getan" zu
    haben, ein Mandat was das Papier nicht wert war auf dem es stand hat
    sie in "mühevoller Arbeit" erarbeitet.
    Besondere Rücksicht nahmen sie dabei auf die Syrier und seltsamerweise auch auf die Mörder der *Hisbollah*.Die Europäer dürfen stolz darauf sein diesen UN Müll auch noch unterstützt zu haben, ausser Spesen nichts gewesen.Die
    *Hisbollah* hat es geschafft noch mehr UN Soldaten zwischen sich und
    die Israelis zu bringen, die sie im Falle einen Angriffes auf Israel
    zuverlässig puffern werden.Der nächste Libanon-Krieg ist nur
    eine Frage der Zeit, dank der Trottel in New-York und europäischer
    Gutmenschen die wieder einmal sehr "besorgt, zutiefst betroffen und
    auch ein Stück weit traurig" waren/sind.
    Diese "Betroffenheit"ist allerdings betont einseitig, wie auch unsere
    "Entwicklungshilfe-Ministerin" Heidemarie Wicorek-Zeul dieser Tage
    nachdrücklich unter Beweis stellte.
    Dank dieser Idioten wird bald wieder Blut fließen, und den Libanon
    haben sie der *Hisbollah* ausgeliefert, die im Verbund mit Syrien das
    Land seelenruhig destabilisieren können.
    Gruss
    Rene

  1. Ach ja - wäre man doch nur mit letzter Konsequenz vorgegangen. Dann wäre die Lage im Libanon bestimmt genauso gut, wie im Irak oder Afghanistan...Aber der nächste Gewaltakt wird ganz bestimmt die Entscheidung bringen - allerspätestens der übernächste!So zu tun, als ob die "unfähigen UN" Israel daran gehindert hätten, einen entscheidenden Erfolg zu erzielen, ist zumindest fragwürdig. War es nicht eher so, dass die Vermittlungsbemühungen einen Ausweg boten, wo man sich ohne klare Ziele und Exit-Strategie in einen Konflikt mit einem deutlich unterschätzten Gegner gestürzt hatte? Am Ende waren die Israelis doch in Wirklichkeit froh, dass sie durch den "internationalen Druck" aus einer Sache herauskamen, die schon dabei war, sich vom bltizschnellen Schlag zum sich dahinschleppenden Guerillakrieg zu entwickeln.Ich möchte keineswegs behaupten, dass das Vorgehen der israelischen Regierung unberechtigt war. Welches Land nimmt es schon einfach so hin, dass seine Bürger ständig Angriffen uasgesetzt sind? Aber die Art, wie man dann vorging, war politisch und militärisch dümmstmöglich. Da muss man das sich mittlerweile abzeichnende sehr unbefriedigende Endergebnis absolut nicht anderen in die Schuhe schieben.Und davon mal abgesehen - wie am Anfang schon angedeutet, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der unilaterale militärische Interventionismus prinzipiell keine wirklichen Erfolge (mehr?) produziert.

    • 01.03.2008 um 12:28 Uhr
    • Rellem

    Hi @ll
    Diese "Vermittlungsbemühungen" der UN haben lediglich die Israelis daran gehindert die Aktion zu Ende zu bringen.
    Der Süden des Libanon war jahrelang unter alleiniger Kontrolle der
    *Hisbollah*, es war die Gelegenheit für die Libanesen zusammen mit den
    Israelis die *Hisbollah* aus dem Land zu prügeln.
    Die UN hat genau das verhindert.
    Gruss
    Rene

    • 01.03.2008 um 14:26 Uhr
    • marxo

    Die UN hätte wirksam werden können, wenn sie denn nicht selbst bis ins Mark antisemitisch wäre. Durch ihre pausenlosen Resolutionen gegen Israel und die antiisraelischen Propagandasender, die auf UN-Kosten betrieben werden, hat die UN noch lange vor dem Libanonkrieg die Hisbollah gestärkt. Nicht nur Unterlassen, sondern aktive Teilhabe an der Ideologie der Gegenseite ist der UN vorzuwerfen. Ob Israel tatsächlich leichter vorrücken hätte können, ist angesichts der Mängel in Ausrüstung und Strategie durchaus fraglich. Von israelischer Seite aus war es ganz gut, dass die Operation abgebrochen wurde, denn so wurden die bestürzenden Mängel der Militärorganisation deutlich, so dass der nächste Verteidigungskrieg hoffentlich für Israel besser verlaufen wird. Zynisch, wie sehr man sich daran gewöhnt, Israel im Dauerkrieg zu sehen. http://myblog.de/nichtide...

  2. sollten Sie einmal, liebe Mitdiskutanten, denen zum Teil schon dreimal vom israelischen Militär alles weggebombt wurde, was sie besaßen; bei etlichen dann auch das nackte Leben. Dann würden Sie vielleicht besser verstehen, wer sich hier gegen wen verteidigt.
    Man muss kein Antisemit sein, um Israels Umgang mit seinen Nachbarn einschließlich der Palästinenser verwerflich zu finden. Es besteht aber die Gefahr, dass man über der Beschäftigung mit diesem Thema zum Antisemiten wird. Vor allem wenn man sich den ungeheuren Zwang der politischen Korrektheit vor Augen führt, der sich während des Libanon- Sommerkriegs gezeigt hat, wo sich trotz der offensichtlich über sämtliche Stränge schlagenden Zerstörungsschläge der israelischen Armee gegen schiitische Wohnquartiere in Beirut (um nur das offensichtlichste Beispiel israelischer Zerstörungswut in Erinnerung zu rufen) und der humanitären Katastrophe, die die seeseitige Blockade Libanons heraufbeschwören sollte, kein einziger westlicher Politiker getraut hat, Israel in seine Schranken zu verweisen. Und wie sehr die pro-israelischen Interessensgruppen jeglicher Konfession bemüht waren, Israel propagandistrisch zur Seite zu springen und alle, die wie Bundesministerin Wieczorek-Zeul gegen die Front der Schweiger es gewagt haben, Israels Zerstörungskrieg zu kritisieren, übel beschmpft haben - wie jetzt auch wieder in diesem Blog.
    Das Sahnehäubchen waren die ohne jeden militärischen Sinn kurz vor dem Waffenstillstand über Libanon abgeworfenen Cluster- Bomben, deren handliche, attraktiv gefärbte "Bomblets" unvermindert Tote und Verletzte libanesische Kinder produzieren. Mit solchen nur als Terrorismus zu bezeichnenden Akten erhält man sich verlässlich und langfristig den Hass seiner Nachbarn. Seltsam klingt es dann nur, wnn man andererseits stets behauptet, sich leider nur verteidigen zu müssen, aber Frieden zu wollen...

    • 02.03.2008 um 13:03 Uhr
    • plamen

    Judenhaß verbindet, nicht wahr. Dabei klebt an den Händen von Wieczorek-Zeul richtig Blut, denn sie ist persönlich für die Lieferungen von Rohren und Amoniumdüngern nach Gaza verantwortlich. Daraus werden die Raketen gebaut, die täglich 30 bis 50 auf israelische Städte regnen. Von den Äußerungen der Doitschen ganz abgesehen. Ach ja, und hier sind ihre neuesten Eskapaden:http://www.n-tv.de/925827.htmlWas Cluster-Bomben betrifft, da kann man nur immerwieder den Text zitieren:[...]http://www.geocities.com/Pentagon/6453/pfg.html[Kopierter Text wurde gestrichen. Bitte achten Sie auch auf Ihre Wortwahl. /Die Redaktion pt.]

  3. Liebe(r) Plamen, vielleicht können Sie den Punkt mit den Clusterbomben noch einmal in einer Form bringen, dass er die (beim besten Willen nicht kleinlichen) Benimm- Regeln der Zeit- Redaktion ohne Streichungen passiert. Oder steht Ihnen für die Auseinandersetzung mit den Kritikern Israels nur diese offenbar nicht druckfähige Sprache zu Gebote?
    Übrigens, was den Rohstoff für die Kassem- Raketen (die ich für eine Riesen- Idiotie und Verantwortungslosigkeit halte, weil sie strategisch völlig nutzlos sind und den Israelis nur den Vorwand liefern, die Schlinge um den Hals der Palästinenser immer enger zuzuziehen) angeht, habe ich auch gehört, dass neben diesen Röhren auch leere israelische Geschosshülsen mittels Kassem an den Absender zurückgeschickt werden. Dagegen können doch selbst Sie nichts haben, oder?
    Auf der bei Ihnen verlinkten Homepage habe ich jedenfalls nichts gefunden, was mich nötigen würde, meine Einschätzung des israelischen Streubombeneinsatzes gegen Ende des Krieges zu revidieren. Die Kollateralschäden sind hier nicht aufrichtig bedauerte Nebenerscheinung, sondern Hauptziel. Und das erfüllt m.E. den Tatbestand von Terrorismus. Die Tatsache, dass die Täter hier Uniformen einer regulären Armee tragen, ändert daran nichts. Genauso wenig, wie die Ablehnung rechtlicher Schritte gegen die Initiatoren von Guantanamo Bay und Auftraggeber der Entführungen terrorverdächtiger Personen durch amerikanische Gerichte etwas daran ändert, dass es sich bei all diesen Maßnahmen um Verbrechen handelt.
    Kriegsverbecher mit eingebauter Immunität - spätestens seit der Ablehnung auch der Klagen vietnamesischer Agent Orange- Opfer gegen die US- Regierung kann ich die US- Armee - in erster Linie die Führungsebene - kaum noch anders bezeichnen.
    Auch meine Wertschätzung der Courage von Frau Ministerin Wieczorrek- Zeul hat unter der Kenntnisnahme des n.tv- Artikels nicht gelitten. Bei der USA- und Israelfreundlichen Bereichterstattung von n.tv ist es übrigens fast schon ein Wunder, dass die noch nicht zum Spinger- Imperium gehören. Na, was nicht ist, kann ja noch werden... wer sich denn solch offensichtlich vorgefärbte Informationen antun will - bitte sehr.

  4. 8. Ach ja

    Was waren wir in Deutschland nicht froh das wir da helfgen konnten, es sah fast schon so aus als ob wir erst die Hilfe angeboten hätten und sie erst dann erfragt worden sein ... aber wir haben unsere mission ja gekrigt und unsere politiker konnten Zeigen das die Hisbollah es nicht geschaft hat Waffen an unserern Deutschen Streitkräften vorbei ins Land zu schmuggeln ...... un sie hat es ja auch nicht grosartig versucht da der See Weg für sie sonst von israel unter Kontrolle gehaltn wurde und sie eh andere Ruten hatte, oder die Waffen einfach offen und legal ins Land bringen lässt. Also waren unsere Schife auf eine sinnlosen Mission Schmuggel zu unterdrüken den es gar nicht im grossen Verhältnissen gibt, so das man ihn mit Marineschiffe unterdrüken müste, und sie hat die Mission erfolgreich abgeswchlossen. Freun wir uns also, man denke nur daran es wäre wirkich ein ersthafter Versuch unternommen wurden und dafür deutsche Schiffe mit Raketen beschossen wurden um se die Blokade zu brechen, was hätten da alles unere Politiker für schnell Lösungen gemacht .... so müssen wir uns warscheinlich noch bei der Hisbollah für die friedliche Zeit bedanken und das sie unsere Politiker nicht zu noch mehr Steuerverschwendung gebrcht hat. ( SATIRE )

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