US-Vorwahlen Tag des Fieberns

Der zweite "Super-Tuesday" in Texas, Ohio und zwei weiteren US-Staaten soll die Entscheidung im Duell Clinton/Obama um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bringen. Ob er das tut, ist fraglich

"Dienstag ist D-Day“, sagte Bill Richardson, der demokratische Gouverneur von New Mexico. Wer nach den Vorwahlen seiner Partei an diesem Dienstag in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont weniger Wahlmänner auf seiner Seite habe, der oder die solle sich aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zurückziehen, fordert er von Hillary Clinton und Barack Obama.

Richardson hatte sich selbst für die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten beworben, war aber bereits nach seinem schlechten Abschneiden in Iowa und New Hampshire Anfang Januar ausgestiegen. Dass er den zweiten "Super-Dienstag" im Zweikampf zwischen Clinton und Obama nun mit dem Tag vergleicht, an dem die alliierten Truppen 1944 zur finalen Offensive gegen die Nazis in der Normandie landeten, ist bizarr, aber für die diesjährigen amerikanischen Vorwahlen bezeichnend. Die Schärfe der Metapher erinnert an den ersten "Super-Tuesday" am 5. Februar mit Vorwahlen in einer Reihe großer Bundesstaaten, dem seinerzeit viele Kommentatoren als „Tsunami-Tuesday“ entgegenfieberten.

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Doch vor einem Monat passierte, was auch jetzt geschehen könnte: Dass der lang erwartete Tag erneut keine Entscheidung bringt in dem zunehmend verbittert geführten Duell zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern der Demokraten, das die Partei wie das Land spaltet.

Schon am 5. Februar hatten die Vorwahlen den Demokraten statt des vorher fast sicher erwarteten Siegs der vormaligen Favoritin Hillary Clinton eine Fortsetzung des Zweikampfs beschert - unter Umkehrung der Vorzeichen. Dass er nicht unterlag, verschaffte dem bis dato "Underdog" Barack Obama einen ungeahnten Aufschwung. Zehn Wahlgänge hat Obama seitdem für sich entscheiden können, zwar nur in kleinen Staaten, jedoch mit oftmals eindeutigen Ergebnissen.

Vor diesem Dienstag lag der schwarze Senator dadurch um knapp 100 Wahlmännern vor Hillary Clinton. Die vier Staaten, in denen nun abgestimmt wird, vergeben rund 370 Wahlmänner und zusätzlich einige Dutzend sogenannte Superdelegierte. (Letztere müssen  sich nicht an die Ergebnisse der Mitgliedervoten halten und könnten bei einem knappen Ausgang auf dem Parteikonvent im Sommer den Ausschlag geben.)

Theoretisch könnte also an diesem Dienstag tatsächlich eine deutliche Entscheidung fallen. Es sieht jedoch nicht danach aus. Während Clinton im Durchschnitt der letzten Umfragen in Ohio knapp vorne lag, herrscht in Texas faktischer Gleichstand. Hier könnte Obama jedoch aufgrund des komplizierten Abstimmungsverfahrens durch die ungleiche Gewichtung der Wahlkreise am Ende auch bei Gleichstand mehr Wahlmänner gewinnen als Clinton. Im kleinen Rhode Island wiederum liegt Clinton deutlich vorn, im kleinen Vermont Obama.  

Gemeinhin wird von vielen Kommentatoren erwartet, dass Hillary Clinton ihre Kandidatur – wie von Richardson gefordert – nach Niederlagen in Texas oder Ohio zurückziehen könnte. Auch ihr Mann und Wahlkampfhelfer Bill Clinton hatte zu verstehen gegeben, dass er davon ausgeht, dass sie dann aufgibt.

Leser-Kommentare
  1. Den Umfragen zufolge dürfte kaum eine Entscheidung zu erwarten sein, obwohl Frau Clinton ihre Schmutzkampagne letztens noch weiter verschärft hat.  Sie spielt damit ein für ihre Partei möglicherweise verhängnisvolles Spiel.  Falls ihr Gegner Obama im Herbst als Kandidat der Demokraten auftreten sollte, hat sie seine Chancen jetzt bereits derart ruiniert, dass die Republikaner im Herbst mit ziemlicher Sicherheit gewinnen werden. 
     

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