Väter Angst vor dem Abstellgleis

Mehr und mehr Männer pausieren im Beruf, um sich um ihr Kind zu kümmern. Wie überzeugen sie den Chef, dass dies keine sinnlos vertane Zeit ist? Ein Interview mit dem Berater Volker Baisch

ZEIT online: Sie beraten Väter, die für ihre Familie im Beruf kürzertreten wollen. Mit welchen Anliegen kommen diese Väter zu Ihnen?

Volker Baisch: Bis vor wenigen Monaten wollten sich viele über die Möglichkeiten des neuen Elterngeldes informieren . Die Rechtslage ist zwar nicht sehr kompliziert, aber weil das Gesetz noch jung war, bestand Beratungsbedarf. Inzwischen geht es eher um Details, etwa die Frage, welche Ansprüche bestehen, wenn das erste Kind schon da ist und nun das zweite kommt – Dinge, die so im Gesetz nicht ausdrücklich geregelt sind. In den Grundzügen haben sich die meisten schon informiert.

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Eine andere Gruppe kommt, um sich coachen zu lassen. Das sind Männer, die sich schon für eine Auszeit entschieden haben, aber fürchten, dass ihnen daraus berufliche Nachteile erwachsen. Sie suchen nach dem richtigen Weg, ihren Entschluss im Unternehmen zu vermitteln. Wir unterstützen sie.

ZEIT online: Sind die Karrieresorgen denn berechtigt?

Baisch: Es gibt natürlich keine Daten, die das belegen würden. Die Männer haben aber beobachtet, dass Frauen nach der Erziehungszeit häufig aufs Abstellgleis geschoben wurden und fürchten nun, dass es ihnen ebenso ergeht. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass jene, die sich intensiv auf das Gespräch mit ihren Vorgesetzten vorbereiten, gute Chancen auf eine Auszeit haben – und darauf, danach problemlos wieder in den Job einsteigen zu können. Viel hängt von den Vorgesetzten ab. Signalisieren sie Unterstützung, fällt die Entscheidung den meisten leicht. Dass Frauen Elternzeit nehmen oder Teilzeit arbeiten, ist ja ganz selbstverständlich – dass ihre Männer es tun, nicht. Aber das ändert sich gerade. Die Zahl der Männer wächst, die im Beruf kürzertreten wollen.

ZEIT online: Wenn nach den Frauen nun auch die Männer ihren Berufsweg flexibel planen wollen, bedeutet das für die Chefs zunächst mehr Unsicherheit und Aufwand. Wie kann man sie überzeugen?

Baisch:Der erste Schritt ist, sich genau über die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu informieren. Dann muss man überlegen: Was mache ich eigentlich am Arbeitsplatz? Wie ist meine Stelle definiert? Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, sollte seinem Vorgesetzten konkret vorschlagen können, welche Aufgaben abzugeben wären und wer sie übernehmen könnte. Wichtig ist, vor einem Gespräch verschiedene Szenarien durchzuspielen, Argumentationsketten zu entwickeln und zu überlegen, wie man auf Einwände des Arbeitgebers reagieren könnte.

Leser-Kommentare
  1. Da fragt man sich doch, warum gerade Teilzeitarbeit und Wiedereinstieg in Deutschland so wenig akzeptiert wird. In Dänemark z.B. gehts doch auch. Objektiv schwer kann es für Firmen also nicht sein, sich flexibler einzustellen. Dann sind es vielleicht Vorurteile? Z.B. daß ein(e) halbtags Arbeitende(r) seinen Pflichten nicht ganz nachkommen kann?

  2. Ja, ich denke Vorurteile. Auch läuft es dem Trend der totalen Vereinnahmung durch den Betrieb entgegen, der zumindest in Deutschland eine Renaisance hatte, in den letzten Jahren. Da hat meine Firma z.B. mit viel Mühe die 35h-Woche eliminiert und alle Mitarbeiter in die 40h-Woche zurück gedrängt (für die alten Mitarbeiter mit Lohnausgleich, für die neuen nicht) und jetzt nehmen die sich einfach Auszeiten und fehlen dem Betrieb dadurch doch wieder. Wie unverschämt! Wie soll man da im globalen Wettbewerb usw. wir kennen das ja alle...

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