Er liebte das deutsche Wort „Quatsch“ und benutzte es oft. Joseph Weizenbaum, geboren 1923 in Berlin, war ein weiser und köstlicher Quatschbekämpfer, der wusste, dass Lachen frei macht. Frei zu denken, sich nicht von den Moden - heute heißt es „Hypes“ - der sogenannten Informationsgesellschaft verblöden zu lassen, das propagierte er, und sein Humor nährte sich aus bitterem Ernst.

Die Weizenbaums waren Juden und flohen 1936 vor den Nazis. Die Familie fand ihre neue Heimat, und Freiheit, in Amerika; gut möglich, dass diese Erfahrung als Hintergrund der freien kritischen Rede zu sehen ist, die Joseph Weizenbaum pflegte. Sie galt vor allem den Mythen des computertechnischen Fortschritts, und wer heute ernsthaft über die Informatisierung nachdenken will, sollte dies nicht tun, ohne Weizenbaums Kritik zu studieren.

Joseph Weizenbaum war Mathematikstudent, als die ersten Computer entstanden, und er warf sich fort auf die Entwicklung dieser - ja, was waren das für Dinger? Logikmaschinen, so viel war klar. Rechner, das allemal. Aber auch „Elektronengehirne“, wie es zu jener Zeit hieß?

Die Jagd nach „Künstlicher Intelligenz“ (KI) sollte bald beginnen, und Weizenbaum nahm von Anbeginn daran teil. Allerdings hatte er einen anderen Bildungshintergrund als seine akademischen Kollegen. Weizenbaum war nicht nur mit den formalen Grundlagen der Wissenschaft vertraut, die später „Informatik“ genannt werden sollte, sondern er kannte sich auch in der philosophischen Untersuchung von Begriffen wie „Bedeutung“ aus.

Und es beginnt die Geschichte die schon oft erzählt wurde, hier in der Kurzfassung: Weizenbaum schreibt ein Programm, das eingetippte Sätze in natürlicher Sprache klassifizieren konnte, um darauf mit eigenen Sätzen zu antworten: einen sogenannten „Parser“. So etwas ist zu diesem Zeitpunkt, Mitte der sechziger Jahre, noch avantgardistisch; wenige Jahre später sollten solche Parser die Grundlage textbasierter Abenteuerspiele am Computer (zum Beispiel in „Mindwheel“) werden.

Die Geschichte geht folgendermaßen weiter: Lustigerweise, listigerweise wählt Weizenbaum das Gebiet der Psychologie als Themenbereich, in dem die Ein- und Ausgabesätze zusammenzupassen scheinen, und es entsteht im menschlichen Gegenüber des Computers der Eindruck, ein sinnvolles Gespräch zu führen. Eine pure Illusion, denkt Weizenbaum, stellt aber fest, dass seine Sekretärin mit dem Programm spielt und Texte über intime Details in die Maschine tippt.