Einzelhandel Ein Bad im Jungbrunnen
Mit der neuen Modekette Avanti will C&A den Textilmarkt revolutionieren. Sehr billige Ware für junge Leute in bester City-Lage: Das Konzept könnte aufgehen.
Bunt geht es zu in der Augsburger Innenstadt. Von den Fassaden leuchten die Logos all jener Modemarken, an denen man heutzutage in keiner Fußgängerzone mehr vorbeikommt. New Yorker ist da, Street One, Hallhuber, Bonita, Tommy Hilfigger, Zara. Mitten drin natürlich H&M, mit seinen mehr als 300 Filialen im Land der unbestrittene Platzhirsch.
Nun aber kommt ein knalliges Orange hinzu: In der Annastraße, nur knappe 500 Meter vom klassischen C&A-Warenhaus entfernt, will der Textilkonzern mit der ersten Filiale seiner neuen Billigkette Avanti "modisch interessierte und zugleich preisbewusste Kunden" zum Kauf neuer und vor allem billiger Hosen, Jacken oder Röcke verführen.
Nachdem das Unternehmen in den neunziger Jahren in enormen Schwierigkeiten steckte und die roten Zahlen einfach nicht aus der Bilanz verschwinden wollten, ist die C&A-Gruppe seit sieben Jahren auf Erfolgskurs. Pro Geschäftsjahr eröffnete der Düsseldorfer Konzern 110 bis 150 neue Filialen und ist gegenwärtig mit rund 1200 Läden auf 16 europäischen Märkten vertreten. "Wir sind ein erfolgreiches Familienunternehmen auch gegen den Markttrend - und das bereits in der fünften Generation", sagt Andreas Seitz, Vorstandsmitglied von C&A Europa.
Doch auf der holländisch-deutschen Erfolgsgeschichte - die Brenninkmeijer-Dynastie, der C&A gehört, stammt ursprünglich aus Sneek in den Niederlanden - will man sich nicht ausruhen. Der Konzern sucht nach einer neuen Handelsstrategie. Mit Avanti glaubt man sie gefunden zu haben. Nach nur einem Jahr Vorbereitungszeit ging das "jüngste Baby des Konzerns" (Seitz) mit der Augsburger, 3000 Quadratmeter großen Filiale an den deutschen Markt. Ein riskantes Unterfangen, denn mit einem Volumen von 30 Millionen Euro ist der deutsche Textilmarkt der größte und am schwersten umkämpfte Europas.
"Unglaublich modisch, unverschämt günstig" - so umwirbt nun auch C&A genau jene junge Zielgruppe, die alle Konkurrenten am liebsten umgarnen wollen: Bei Teens und Twens sitzt das Kleingeld für neue Pullover, Shirts, Hosen, Kleider und Röcke locker; oft gleich mehrmals in einer Saison. Sie also will man ködern, sagt Hans-Peter Stadel, Geschäftsführer der avanti-fashion GmbH: "Die junge Familie" soll es sein, allen voran die "junge und junggebliebene Frau", später auch "ihr Partner und der Nachwuchs".
Weshalb C&A es mit Avanti auch nicht wie die Discounter KiK und Takko auf der grünen Wiese in Stadtrandlage versucht, sondern in die City ziehen will. "Diese Zielgruppe, vor allem die 14- bis 19-jährigen Mädchen, erreicht man nur in den Innenstädten, an einem Standort also, wo eine hohe Lauffrequenz herrscht", sagt Hendrik Schröder, Professor für Marketing und Handel der Universität Duisburg-Essen. Auch Jürgen Dax, Geschäftsführer des Branchenverbandes BTE, hält die Strategie von C&A angesichts einer zunehmenden Revitalisierung der Innenstädte für eine "interessante Option".
Doch allzu offenherzig präsentiert C&A seine Verwandtschaft zu Avanti nicht, für die Kunden bleibt der Mutterkonzern unsichtbar. Die beiden Buchstaben tauchen im Avanti-Logo nicht auf. Das ist ungewöhnlich, denn all die anderen Submarken des Konzerns (C&A-Kids, -Women oder -Money) werden auch im Logo mit dem typischen Konzern-Emblem beworben. Will man die jungen Neukunden etwa nicht gleich wieder verschrecken?
- Datum 07.03.2008 - 12:49 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Die Idee mit Innenstadt und günstigen Preisen klingt erstmal gut-aber ob Kleidung für eine Saison wirklich noch gefragt ist? So locker sitzt der Euro bei der Jugend auch nicht mehr, egal ob die Hose nun 9 oder 90 Euro kostet. Der Trend geht meiner Meinung nach eher zur hochwertigen Kleidung, mit der man auch in der nächsten Saison nicht unangenehm auffällt. Da erwarten die Kunden keine modische Sensation, sondern vielmehr Kleidung, die die Form behält und nicht nach dreimal Waschen eine andere Farbe annimmt. Wenn C&A es schafft, gute Qualität zum günstigen Preis rauszubringen (in den normalen Fillialen gelingt das ja), dann kann das Konzept aufgehen. Aber wahrscheinlich werden sie das nicht, denn die horrende Innenstadtmiete will auch refinanziert werden.
Hallo Ich war vorgestern zum erstenmal im AVANTI (P&C Leipzig) und finde das
Konzept klasse. Ich bin 32 modebewusst und gebe ungerne viel Geld für Kleidung aus. Ich habe bei diesem Einkauf insgesammt 140 EUR ausgegen, für mich und als Geschenke für meinen Freund. Die Sachen sind hochqualitativ und wirklich sehr günstig. Schade das Avanti nicht in Köln gibt. Dann wäre ich der Stammkunde.
Weiter so!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren