US-Vorwahlen

Clinton, Obama und der Feminismusstreit

Manche amerikanische Feministinnen sind gegen Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Sie wollen für die beste Politik stimmen - selbst wenn ein Mann diese vertritt.

Erst kürzlich haben Anhänger von Hillary Clinton eine Website mit dem Titel Hillary speaks for ME ins Leben gerufen. In einem der Eröffnungsvideos sind zwei sehr junge Mädchen zu sehen, nicht älter als drei Jahre und ein Jahr, die schreien: „Wenn Hillary Präsidentin der Vereinigten Staaten werden kann, können wir das auch.“ Für viele in der amerikanischen Frauenbewegung, die Senatorin Clinton unterstützen, scheint das der zentrale Schlachtruf zu sein. In einer Nation, in der die Quote von Frauen in Regierungsämtern weit abgeschlagen hinter der anderer Industrieländer rangiert, ist in der Wahrnehmung vieler Frauen die Präsidentschaft die äußerste unsichtbare Barriere, die sie noch durchbrechen müssen.

Clintons Siege bei den Vorwahlen der Demokraten in Ohio und Texas am vergangenen Dienstag haben deutlich gemacht: Mit ihr muss man weiter rechnen. Zwar führt ihr parteiinterner Gegner Barack Obama das Rennen um die Nominierung immer noch mit 1551 zu 1448 Delegiertenstimmen an. Doch Clintons Anhänger werden nach den Ergebnissen von Ohio und Texas nicht müde, darauf hinzuweisen, dass sich ein neuer Schwung entwickelt hat. Er, so glauben sie, wird zur Nominierung Clintons führen. Damit sind sie auch ihrem Traum, Clinton könne die erste weibliche Präsidentin der USA werden, ein Stückchen näher gekommen.

Einige der ganz großen Namen des amerikanischen Feminismus haben sich für Clinton ausgesprochen: Gloria Steinem, feministische Ikone der amerikanischen Frauenrechtsbewegung der sechziger und siebziger Jahre, Mitbegründerin sowohl des National Women’s Political Caucus als auch des Women’s Media Center ; Robin Morgan, amerikanische Dichterin und Autorin, Gründerin des The Sisterhood is Global Institute und ebenfalls Mitbegründerin des Women’s Media Center ; daneben Peg Yorkin, Vorstandsvorsitzende der Feminist Majority Foundation . Clinton hat außerdem in der National Organization of Women (NOW) , der größten Organisation feministischer Aktivistinnen in den USA, eine starke Befürworterin.

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Aber nicht alle amerikanischen Feministinnen sind mit Clinton einverstanden. So haben Anfang Februar hundert Feministinnen in New York eine Gruppe mit dem Namen Feminists for Peace gegründet. Zwar stimmen sie mit der Clinton-Kampagne in dem Punkt überein, dass sie den eklatanten und weitverbreiteten Sexismus in den amerikanischen Medien anprangern. Er kam in den vergangenen Monaten besonders deutlich in den scharfen Angriffen auf die Kandidatin zum Ausdruck. Trotzdem, für die Feminists for Peace ist der Kampf gegen Frauenfeindlichkeit nicht Anlass genug, Senatorin Clinton von New York aus zu unterstützen.

Zur Begründung steht in der Petition der Feminists for Peace : „Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Krieg und Frieden genauso ,Frauenthemen' sind wie Gesundheit und das Streben nach gleichen Bildungs- und Berufschancen. Wir brauchen dringend einen Präsidentschaftskandidaten, der versteht, dass ,präventive' Angriffe auf andere Länder und das Verlassen auf militärische Stärke unsere nationale Sicherheit nicht verbessert, sondern verschlechtert haben.“ Für sie ist Clinton keine solche Kandidatin. Stattdessen wird sie als außenpolitischer und militärischer Falke kritisiert. Stetig wird darauf hingewiesen, dass Clinton nicht nur 2002 für den Irakkrieg gestimmt hat und gegen einen Änderungsantrag, der weitere diplomatische Schritte eingeleitet hätte. Darüber hinaus votierte sie im vergangenen Sommer auch für die bedingungslose Finanzierung des Irakkrieges.

Vom Clinton-Lager werden diese Frauen verhöhnt. Ihnen wird mangelnde Leidenschaft im Kampf um Gleichberechtigung vorgeworfen. Viele Anhängerinnen der Feminists for Peace empfinden diesen Vorwurf nicht nur als beleidigend, sondern auch als stark vereinfachend. In einem Webpost in der Huffington Post Anfang Februar argumentierten Eve Ensler, Dramatikern und Autorin der „Vagina Monologe“ und Kimberle Crenshaw, Jura-Professorin an der UCLA und an der Columbia University, gegen das, was sie als „feministisches Ultimatum“ bezeichnen. Sie empfinden dieses Ultimatum als ebenso schlimm wie Präsident George W. Bushs „mit uns oder gegen uns“-Taktik in dem sogenannten Krieg gegen den Terrorismus. Nur hieße es diesmal nicht „du bist entweder auf unserer oder auf der Seite der Terroristen“ sondern, „du bist entweder Feministin (und unterstützt Clinton) oder Du bist es nicht.

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Leser-Kommentare

  1. Viele Amerikaner würden es begrüßen, eine Frau im Präsidentenstuhl zu sehen, wenn es nur nicht ausgerechnet Frau Clinton wäre, deren skandalumwobene politische Vergangenheit für sie nicht akzeptierbar ist. Der ABC-Faktor (=Anybody But Clinton) spielt dabei eine Rolle. Wäre ihr Gegenkandidat ebenfalls eine Frau, wäre sie längst ausgeschieden, aber gegen einen schwarzen Bewerber hatte sie mit Sicherheit auf einen Gewinn gerechnet.

  2. wuerde es das erste Mal in der amerikanischen Geschichte sein, dass jemand mit mehr als einer Schichte der Bevoelkerung mit einer deutschen Normal-Mehrheit (mehr als zwei Drittel) gewaehlt worden ist. ["Amerikanische" Mehrheiten sind normalerweise 55% oder weniger.]
    Weil sie sich auf eine "deutsche" Normal-Mehrheit verlassen kann von
    1. Frauen (besonders den aelteren),
    2. Juden
    3. "Latino" Waehler die ueber mehr Stimmen verfuegen als Afro-Amerikaner.
    Das genuegt, bequem zu gewinnen.

    Sie kann deshalb nicht geschlagen werden. Doch kann sie verlieren, wenn sie sich selbst schlaegt (mit Hilfe ihres Ehemann).

    Sie kann sich Versicherung fuer ihren Sieg kaufen, wenn sie Obama ueberzeugt, ihr VP zu werden. Er wird dann die 85% der Afro-Amerikaner mitbringen, so dass es ein "Landslide" wird.

    PS. Keine dieser "Hillary-Schichten" haben etwas fuer Deutschland uebrig. Oder wenigstens nicht mehr als fuer z. B. Bangladesh. Vielleicht weniger, weil mehr Leute mit Wurzeln in Bangladesh zu diesen Schichten gehoeren oder mit ihnen verwandt sind als Waehler mit Wurzeln aus Deutschland (oder sogar Europa)
    Und wir wissen alle, dass die Clinton sich immer daran gerichtet haben, was "ihre" Waehler wollen.

    PPS. Man muss immer staunen: Wo finden die Deutschen immer diese amerikanicschen Ausnahmen? Hier jemand der 28 Jahre alt ist (nein, zugegeben: Alter schuetzt niemand vor Dummheit, aber man lernt manchmal langsamer als normal ... auch in Beirut). - Ich kann mir selbst die Antwort liefern. Im Internet. Wo man finden kann, was einem passt. Deshalb gibt es (prozentweise) immer weniger richtige Nachrichten, die ohne Meinungseinfluss berichtet werden.

    • 08.03.2008 um 15:20 Uhr
    • BITCH

    darf jeder Amerikaner oder Europaer seine politischen Meinungen haben, auch wenn sie durch die Altersbrille etwas getruebt sein koennen. Dass es in den USA voellig unterschiedliche Ansichten zu den wichtigsten Themen gibt, liegt auch auf der Hand. Deshalb sind individuelle Behauptungen eben das was sie sind: Einzelmeinungen. Da macht es tatsaechlich keinen Unterschied ob diese aus Brooklyn oder aus Bangladesch kommen.

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  • Von Jehan Mullin
  • Datum 10.3.2008 - 12:23 Uhr
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