NS-Zeit Alles nur Opfer
Wie mit Hilfe von Filmen wie dem ZDF-Zweiteiler "Die Gustloff" aus Nazi-Tätern und -Unterstützern wieder reine "Zeitzeugen" gemacht werden. Ein medialer Geschichtsrevisionismus der neuen Art
Wieder einmal konnten die Deutschen ein NS-Großspektakel genüsslich im Sessel goutieren: Der TV-Zweiteiler Die Gustloff malte in allen grauenvollen Details den Untergang des ehemaligen KdF-Schiffs und NS-Prestigeobjekts am 30. Januar 1945 mit über 9000 Toten aus – die größte Schiffskatastrophe seit Menschengedenken.
Schon über den Film
Der Untergang
von 2004, der die Geschehnisse im Führerbunker in den letzten Tagen der NS-Diktatur wiedergibt, sagte der Essener Sozialwissenschaftler Harald Welzer: „Dieser Film ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist.“
Die Gustloff
vermittelt den Eindruck, dass auf dem Schiff nur kriegsmüde Unschuldslämmer hockten. Unter den 9000 Opfern tappen gerade mal zwei, drei perfide Nazis wie der „Ortsgruppenleiter Escher“ herum, die wie Witzfiguren wirken. Keiner der Sympathieträger lässt eine Spur von nationalsozialistischem Gedankengut erahnen, welches doch bis in die feinsten Verzweigungen der Gesellschaft gedrungen war, oder spricht eine Sprache, die vom Duktus der damaligen Zeit geprägt ist.
Die fast dokumentarische Detailtreue von Filmen wie
Der Untergang
oder
Die Gustloff
verschleiert deren fiktionalen Charakter. Die fiktionalen Elemente werden als angeblicher Teil der damaligen Wirklichkeit präsentiert. Entsprechend bekommt man den Eindruck, dass die Gustloff so etwas wie die „deutsche Titanic“ (
Spiegel
) gewesen sei.
Davon kann jedoch keine Rede sein: Die Titanic sank in Friedenszeiten. Militärhistoriker wie der Brite Richard Overy oder der Gustloff-Experte und -Überlebende Heinz Schön haben eingeräumt, dass die Versenkung der Gustloff durch ein russisches U-Boot zwar brutal war, aber nicht als Kriegsverbrechen zu verurteilen ist. Denn die Gustloff trug Tarnanstrich, fuhr abgeblendet in Kriegsgewässern und war somit visuell als Militär- und Transportschiff anzusehen, ferner hatte sie Flaks an Deck. Darüber hinaus waren - neben rund 10.000 Flüchtlingen – 918 Offiziere und Mannschaften an Bord, also keineswegs nur Zivilisten.
- Datum 07.03.2008 - 02:57 Uhr
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Gibt es eigentlich ein Thema, zu dem Sie uns einmal nicht mit Ihren pauschalisierenden selbstgerechten Platitüden beglücken müssen, bei dem Sie zum Beispiel einen kritischen Blick auf Ihre eigene Qualifikation werfen und eingestehen: "Nicht mein Fachgebiet"?Wer wie Sie das Verschwinden des unsäglichen Begriffs "Tätergeneration" bedauert, gibt damit deutlich zu verstehen, daß er sich nie die Mühe gemacht hat, tiefer in die Materie einzusteigen. Diesem Risiko wollten Sie Ihre schönen Vorurteile und Ihr Schwarz-Weiß-Weltbild nicht aussetzen. Ich war im ehemaligen Jugoslawien nach dem Ende des Bürgerkriegs im "peace-keeping" eingesetzt. Weder habe ich dort eine "Tätergeneration" noch eine "Opfergeneration" kennengelernt, sondern nur mehr oder weniger traumatisierte Menschen, die sich bemühten, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen oder einfach nur resigniert haben. Pauschale Aburteilungen im Dückerschen Stil kann man wohl nur aus der Distanz der Unwissenheit heraus fällen. Schreiben Sie, werte Frau Dückers, doch mal etwas über das Mitläufertum der deutschen Germanisten bei der Einführung der desaströsen Rechtschreibreform, Sie haben ja Germanistik studiert. Ach so, Sie schreiben selbst reformiert und finden es gut? Das erklärt einiges.In diesem Sinne
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