NS-Zeit Alles nur OpferSeite 3/3

Schon 1993 hatte Christopher R. Browning in seiner Studie Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibatallion 101 und die ‚Endlösung’ der Juden in Polen den Blick weg von den Hauptverantwortlichen gelenkt. Hannes Heer, der Initiator der ersten Wehrmachtsausstellung, hat 2004 eine Analyse über die Beteiligung der Wehrmacht an Kriegsverbrechen vorgelegt, die ebenfalls dem neuen „Opferdiskurs“ entgegensteht. Hannes Heer setzt sich mit der „Absenz der Täter“ auseinander und rekurriert auf ihre Personalisierung nach dem „Hitler-war's“-Prinzip: Die zahllosen „kleinen“ Unterstützer des Regimes, ohne die kein Zug nach Auschwitz gefahren, kein Nachbar verraten worden, kein Deserteur erschossen, keine Sophie Scholl verhaftet und kein jüdischer Schüler von der Schule geflogen wäre, waren in den großformatigen historischen Analysen zuvor wenig vorgekommen.

Der Film Die Gustloff singularisiert den Nationalsozialismus wieder und fällt damit weit hinter den Forschungsstand der letzten 15 Jahre zurück. Neu ist das Thema übrigens nicht. Schon 1959 wurde ein Film über den Untergang der Wilhelm Gustloff gedreht: Nacht fiel über Gotenhafen (Regie: Franz Wisbar). Auch der im letzten Jahr verstorbene Walter Kempowski ( Echolot ) hat sich intensiv mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ auseinandergesetzt – lange bevor es massenmedial verwurstet wurde.

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Zu Recht kritisiert Harald Welzer, dass in Filmen wie Der Untergang stets das Ende des Nationalsozialismus – und nicht etwa dessen Beginn – als Tragödie inszeniert wird. Die gleiche Kritik lässt sich auf Die Gustloff anwenden, deren Untergang Regisseur Joseph Vilsmaier als Analogie zum Untergang des Dritten Reichs verstanden wissen will.

Ein Film über den Luxusriesen Gustloff zu sonnigen KdF-Zeiten wäre interessanter gewesen. Ähnlich wie im Seebad Prora auf Rügen schallten ständig Hitlerreden durch die langen Gänge, denen sich niemand entziehen konnte. Auf dem Schiff saßen Nazi-Beobachter, die jeden, der bei solchen Führer-Ansprachen nicht augenblicklich ehrfürchtig verstummte und strammstand, namentlich notierten. Diktatorische Kontrolle auch noch im Urlaub, auf Schritt und Tritt. So fing es an mit der Gustloff.

Wer einen guten Film über den Nationalsozialismus sehen möchte, dem sei Ein besonderer Tag (1977, Regie: Ettore Scola) mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni empfohlen: Hitler im Jubeljahr 1938 auf Staatsbesuch bei Mussolini, alle stehen am Straßenrand und winken. Nur eine melancholische Hausfrau und ein Homosexueller wollen nicht so recht mitfeiern ...

 
Leser-Kommentare
  1. Gibt es eigentlich ein Thema, zu dem Sie uns einmal nicht mit Ihren pauschalisierenden selbstgerechten Platitüden beglücken müssen, bei dem Sie zum Beispiel einen kritischen Blick auf Ihre eigene Qualifikation werfen und eingestehen: "Nicht mein Fachgebiet"?Wer wie Sie das Verschwinden des unsäglichen Begriffs "Tätergeneration" bedauert, gibt damit deutlich zu verstehen, daß er sich nie die Mühe gemacht hat, tiefer in die Materie einzusteigen. Diesem Risiko wollten Sie Ihre schönen Vorurteile und Ihr Schwarz-Weiß-Weltbild nicht aussetzen. Ich war im ehemaligen Jugoslawien nach dem Ende des Bürgerkriegs im "peace-keeping" eingesetzt. Weder habe ich dort eine "Tätergeneration" noch eine "Opfergeneration" kennengelernt, sondern nur mehr oder weniger traumatisierte Menschen, die sich bemühten, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen oder einfach nur resigniert haben. Pauschale Aburteilungen im Dückerschen Stil kann man wohl nur aus der Distanz der Unwissenheit heraus fällen. Schreiben Sie, werte Frau Dückers, doch mal etwas über das Mitläufertum der deutschen Germanisten bei der Einführung der desaströsen Rechtschreibreform, Sie haben ja Germanistik studiert. Ach so, Sie schreiben selbst reformiert und finden es gut? Das erklärt einiges.In diesem Sinne

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