Gerechte Löhne Ärzte sind mit ihrer Geduld am EndeSeite 3/3

ZEIT online: Dennoch macht es einen Unterschied, ob sie ein ganzes Krankenhaus lahmlegen können oder nicht. Das verschafft ihnen bessere Chancen als anderen.

Henke: Wir haben ja gar nicht die Macht, die Räder still stehen zu lassen. Wir haben auch in der Vergangenheit im Streikfall die notwendige medizinische Versorgung sicher gestellt. Wir unterlassen nicht die nötige Hilfe. Die jüngsten Streiks haben kaum Blessuren bei den Kliniken hinterlassen. Wir erleben uns nicht als die Überlegenen in diesem Tarifkonflikt.

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ZEIT online: An diesem Donnerstag gehen die Verhandlungen in ihre vierte Runde. Eine Einigung ist bislang außer Sicht. Wie weit ist Deutschland von einem weiteren Ärzte-Streik entfernt?

Henke: Unsere Geduld geht langsam zu Ende. Bis heute liegt kein konkretes Angebot von Seiten der Arbeitgeber vor. Den Standpunkt der Arbeitgeber, dass Lohnerhöhungen nicht bezahlbar sind, können wir nicht akzeptieren. Deshalb rufen wir an diesem Donnerstag zu einem ersten Warnstreik auf, um den Ernst der Verhandlungssituation zu unterstreichen. In der Vergangenheit haben wir gezeigt, dass wir auch mehrmonatige Streiks durchhalten. Wenn es nicht anders geht, müssen wir auch diesmal zu diesem Mittel greifen.

Das Gespräch führte Philip Faigle .

 
Leser-Kommentare
    • ClausM
    • 13.03.2008 um 7:29 Uhr

    man wird Sie mehr oder weniger direkt wegschicken. Oft wird in den Kliniken den privaten Praxen zugearbeitet und für solche Leute sollen wir mehr zahlen.

    • JGMK
    • 13.03.2008 um 8:15 Uhr

    Mir ist als Arzt das Geld völlig egal. Ich bin aus dem Maburger Bund ausgetreten, weil ich das Hausblatt und die öffentliche Position dieser selbstgerechten Altruistenbande nicht mehr ertragen konnte. Aber da liegt nicht das Problem.Ich bin mittlerweile in Dänemark und hier arbeiten die Ärzte weniger und sind viel entspannter. Sie verdienen auch weniger. Aber das grundlegend andere ist, sie zehren nicht von ihrem elitären Selbstverständnis. Sie brauchen die Krankenschwester nicht, die Ihnen in der fünften Überstunde voll mütterliche Bewunderung für diesen aufopferungsvollen Halbgott in weiss die verständnisvolle Tasse Kaffee bringt.Die Deutschen Ärzte erzeugen eine Bringschuld in der Bevölkerung in dem sie den selbstlosen Altruisten spielen, der aber heimlich nochimmer von einem alten Rollenverständnis zehrt. Der Ruf nach mehr Geld ist nur die gier nach einem faden Substitut. Wir müssen ihnen helfen zu verstehen, das dieses Rollenverständnis überkommen ist und sie öfter nach Hause zu ihrer Familie schicken. Und auf den Weg, ihre Identität weniger über Ihren Beruf zu definieren.@Claus,
    ich erinnere einen wundervollen Sommer 2006 in der Notaufnahme. 20%
    riefen den Notarzt wegen Verdacht auf Wespen-Allergie (und durften mit
    einer Tube Salbe wieder gehen), 50% waren die üblichen Alkis vom Park
    Nebenan, die heute und sofort Ihr Leben ändern wollten und im
    Wartezimmer randalierten, weil das alles viel zu lange dauert. Da hätte
    ich Sie, wenn irgendwie möglich, auch zur Praxis geschickt.

    • etiam
    • 13.03.2008 um 8:17 Uhr

    Man kann sich den Aussagen des MB Vertreters hier nur anschliessen. Anders als Herr Faigle hier durch seine seltsam anmutenden Fragen impliziert, ist das Instrument der Tarifautonomie kein Instrument, bei dem es um Gewinn an Gerechtigkeit geht, was immer verschiedene gesellschaftliche Gruppen auch dafür halten, sondern es ist ein Instrument marktwirtschaftlicher Preisfindung! Wenn also, wie hier zur Zeit die Ärzte, eine Berufsgruppe im Spiel von Angebot und Nachfrage an einem derart langen Hebel sitzt (an dem sie ja nur sitzt, weil die Arbeitgeberseite in den letzten Jahrzehnten soviele ihrer Ansprüche durchsetzen konnte, dass der Beruf im Vergleich mit dem Ausland und alternativen Beschäftigungsformen am MARKT uninteressant wurde), dann muss sie dieses Interesse im Sinne der Idee der Tarifautonomie schonungslos umsetzen. Wie in anderen Bereichen muss das dann ein Einfluss auf die PREISE haben können, wenn nicht anderweitig abfangbar. Und hier zeigt sich die Inkompatibilität des gedeckelten Gesundheitsbudgets mit marktwirtschaftlichen Gesetzen - die verlogene Politik muss endlich genug Courage haben, den Versicherten zu sagen, dass man mit konstanten Beiträgen bei notwendigerweise steigenden Preisen und vollausgeschöpfter Produktivität weniger Leistung bekommen kann - wie in Schweden, England, Norwegen etc. schon lange geschehen. Die Abwälzung dieser politischen Auseinandersetzung auf die Arbeitnehmer (egal welche) nach dem Motto, wenn wir nicht mehr Geld (KV-Beiträge, oder aber Steuern) haben und das Wahlvolk nicht durch Leistungskürzungen erschrecken wollen, dann müssen halt die Beschäftigten bluten, liesse sich auf alle Bereiche des öffentlichen Dienstes ausweiten und ist gefährlich, da sie die Tarifautonomie auf den Kopf stellt. Insofern ist bis hinten durchdacht das kommunistische Ansinnen Löhne und daraus folgend Preise zu diktieren um einer so genannten höheren Gerechtigkeit zu dienen, mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung unseres Staates nicht kompatibel, wenn gleich man links außen dies nicht wahrhaben möchte!

  1. Wohlgemerkt im März1. Augenarzt: In welcher Kasse sind Sie? ... Wir nehmen in diesem Jahr nichts mehr an.2. Augenarzt: Ja ich schaue mal nach. Ich empfehle Ihnen, gleich eine Vorsorgeuntersuchung mitmachen zu lassen. In der zweiten Septemberwoche habe ich noch etwas frei. (Wäre eine schnelle Untersuchung nicht die bessere Vorsorge?? Anm. des Autors)3. Augenarzt: Haben Sie denn keinen behandelnden Arzt. Bei uns sieht es schlecht aus. Gehen Sie doch erst einmal zum Optiker.Soviel zum Stand des Gesundheitswesens in Deutschland. An Weihnachten soll angeblich der LKW mit den gebrauchten Brillen aus Kenia ankommen.

  2. "Dass der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muss, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist."
    Gilt entsprechend auch für Ärzte...

    • Anonym
    • 13.03.2008 um 19:22 Uhr

    ... sowohl im Krankenhaus, als auch der Fachärzte zur Genüge kennenlernen. Solange vereinzelte Ärzte ihre Apparatur, auf Grund von Darlehen, mit einer Auslastungsrate versehen haben, kann der Eindruck entstehen, daß dies auch dem Patienten zu Gute kommt. Nicht immer ist dies der Fall, aber anscheinend immer öfter.

    isaac ben laurence weismann

  3. ...Wahlzusatzleistungen?"Früher hieß das: "Wie geht es Ihnen?"Die Zeiten ändern sich.

  4. Arzt zum Patient:  Das Formular müssen Sie hier unterschreiben....Eine Viertelstunde späterArzt zu den Angehörigen: Wie ist sie denn versichert? ... Aha. Also Chefarztbezahlung scheidet schon einmal aus. Ein Einzelzimmer kostet ... Ein Zweibettzimmer hätten wir auch, das kostet dann ... An der ganzen Diskussion fällt irgendwie auf, daß die Patienten offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielen.In den einschlägigen Fernsehserien Sachsenklink, Dr. House & Co. liegen die Patienten im bequemen Einzelzimmer, werden Ärzten und Krankenschwestern umschwärmt. Auch die lästige "Frau Marquardt" (Geschäftsführerin der Sachsenklinik für alle Fernsehmuffel) ist eine liebenswerte Untertreibung gegenüber der tristen Realität.Weshalb drehen die Fernsehsender nicht einmal eine Serie, die realitätsnah ist?Die armen Assistenzärzte mögen beklagenswert sein.Die Krankenschwestern, Pfleger, Arzthelferinnen sind beklagenswerter. Sie müssen häufig Aufgaben wahrnehmen, die sie gar nicht wahrnehmen dürften.Am beklagenswertesten sind immer noch die Patienten.Gesetzlich versichert, für Zuzahlungen zu arm, ohne kümmernde Angehörige und krank. Man muß kein Hypochonder sein, um davor Angst zu haben. Die Ärzte treiben eine gefährliche Entsolidarisierung voran. Manchem Arzt möchte man wünschen, daß er/sie in der Autowerkstatt, vom Klempner, im Restaurant, vom Friseur ... genauso behandelt wird. Doch den Ärzten die Schuld zu geben, wäre zu kurz gegriffen.Allen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern sollte der Zugang zu einer privaten Krankenversicherung und Zusatzleistungen verschlossen sein.Erst wenn sich Minister und Abgeordneten gesetzlich versichert behandeln lassen müssen wird sich unsere Gesundheitsversorgung wieder verbessern.

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