Innere Sicherheit "Wir sind noch lange nicht durch"
Das Bundesverfassungsgericht hat die automatische Überwachung per Nummernschild gestoppt. Datenschützer Thilo Weichert hofft auf mehr als solche Etappensiege. Ein Interview
ZEIT online : Das Bundesverfassungsgericht hat die automatisierte Massenüberwachung von Autokennzeichen für verfassungswidrig erklärt . Ist dies ein weiterer Meilenstein für den Datenschutz?
Thilo Weichert : Ja und nein. Es war im Grunde absehbar, dass Karlsruhe die Regelungen aus Hessen und Schleswig-Holstein aufhebt. Schon bei den Anhörungen im laufenden Gesetzgebungsverfahren haben zumindest in Schleswig-Holstein sämtliche Sachverständigen ganz klar gesagt, dass hier das Grundgesetz und das Verhältnismäßigkeitsprinzip verletzt werden. Das Bundesverfassungsgericht hat nun in letzter Konsequenz die bisherige Unbelehrbarkeit der Politik korrigiert.
ZEIT online : Was genau haben die Richter beanstandet?
Weichert : Die bisherigen Regelungen sehen vor, dass die Polizei ohne konkreten Anlass in jeder beliebigen Straße die Kfz-Kennzeichen sämtlicher Kraftfahrzeuge per Videokamera erfassen und mit einer Fahndungsdatenbank abgleichen kann. Es steht jedoch nirgends, unter welchen Voraussetzungen dies erlaubt ist und mit welchen Datenbanken ein derartiger Abgleich stattfindet. Es wird nur ganz allgemein von Fahndungsdateien gesprochen. Zwar ist dann vorgesehen, dass die Daten sofort gelöscht werden sollen, wenn es keinen Treffer gibt. Aber ab wann ein Treffer gilt und damit zu einer Speicherung führen darf, ist ebenfalls nicht präzise definiert.
ZEIT online:
Was bedeutet das für die Betroffenen?
Weichert : Es ist für die Bürger nicht erkennbar, wann sie erfasst werden, mit welchen Fahndungsdaten ihre Kfz-Daten abgeglichen werden und welche weiteren Konsequenzen das für sie haben kann. Das verstößt gegen alle rechtsstaatlichen Grundsätze.
ZEIT online : Doch was ist so schlimm daran? Schließlich soll es der Verbrechensbekämpfung dienen. Unbescholtene Bürger, die nichts zu verbergen haben, müssen doch nichts befürchten?
Weichert : Die müssen sehr wohl etwas befürchten. Zunächst ist völlig unklar, ob die Menschen nicht zu Unrecht in solchen Datenbanken aufgeführt werden. Außerdem sind die verwendeten Geräte extrem fehleranfällig: Niemand kann mir garantieren, dass jemand verwechselt und dementsprechend als Straftäter behandelt wird. Und wer verursacht eigentlich einen Treffer? Wirklich nur konkret gesuchte Personen, denen etwas nachzuweisen ist, oder auch Personen, die nur sehr vage von polizeilichem Interesse sind? All das ist in den Gesetzen nicht geregelt.
ZEIT online : Es sieht so aus, als ob die Politik in puncto Innerer Sicherheit und Überwachung immer mehr nach dem Prinzip "trial and error" agiert. Können sich die Innenpolitiker noch weitere solcher gesetzlichen Testballons überhaupt leisten?
Weichert : Wir müssen leider feststellen, dass die Gesetzgebung hier wirklich immer mehr zu realisieren versucht als die Verfassung eigentlich erlaubt. Das ist im Prinzip bei jeder entsprechenden Sicherheitsmaßnahme der Fall. Denken Sie nur an die Fälle Rasterfahndung, Onlinedurchsuchung und Großer Lauschangriff. Dauernd erhält die Polizei eine Vielzahl von Befugnissen, die zu weit in die Grundrechte der Bürger eingreifen. Das Kfz-Scanning ist da nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die Sicherheitspolitik maßlos ist - und schlussendlich die Notbremse vom Bundesverfassungsgericht gezogen werden muss.
ZEIT online : Alle Hoffnungen liegen also allein auf dem Ersatzgesetzgeber in Karlsruhe?
Weichert : Nein, zumindest meine Hoffnung zielt da eher auf den demokratischen Dialog, bei dem natürlich wir Datenschützer eine ganz wichtige Rolle spielen. Wir werden immer wieder - wie bereits in der Vergangenheit auch und vor allem präventiv - darauf hinweisen, welche Gefahren mit der Datenverarbeitung zusammenhängen und welche verfassungsrechtlichen Grenzen keineswegs überschritten werden dürfen. Dann wird hoffentlich auch irgendwann die Politik ein Einsehen haben: Es geht nicht um die Sicherheit des Staates um jeden Preis, die Freiheit jedes einzelnen Bürgers darf keineswegs vergessen werden.
ZEIT online : Wie geht es nun weiter in Schleswig-Holstein und Hessen?
Weichert : In diesen beiden wie auch in fünf weiteren Ländern, in denen analoge Gesetze gelten, muss nun deutlich nachgebessert werden. Hier wie dort gilt: Die aktuelle Rechtslage ist verfassungswidrig, darf also von Polizei und Justiz nicht mehr angewendet werden. Ich hoffe aber darauf, dass die Politik von nun an vollständig auf diese Maßnahmen verzichten wird. Denn der Eingriff in die Grundrechte kann durch die tatsächlich erzielten Erkenntnisse in keinster Weise gerechtfertigt werden.
ZEIT online : Sind mit dieser Entscheidung und mit dem jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Onlinedurchsuchung die bürgerlichen Rechte und Freiheiten endgültig geschützt?
Weichert : Nein, wir sind leider noch lange nicht durch. Demnächst werden weitere wichtige Urteile gesprochen werden. Da geht es dann um die Rechtmäßigkeit der Antiterrordatei, der Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten und der Pläne der Europäischen Union, die Reisedaten von Fluggästen über 13 Jahre hinweg zu speichern. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble plant, die LKW-Mautdatenerfassung für das Kfz-Scanning zu nutzen. Auch das soll überprüft werden, obwohl ich denke, dass das mit dieser Entscheidung bereits vom Tisch ist. Die Maßlosigkeit der Politik kennt da kein Ende. Dennoch: Wir Datenschützer bleiben dran, mit Unterstützung des Bundesverfassungsgerichts.
Thilo Weichert ist seit 2004 Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein und daneben Leiter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) .
Das Interview führte Karin Geil .
- Datum 11.03.2008 - 04:17 Uhr
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Was sind läppische Nummernschilder gegen diesen Skandal:
USA erhalten Zugriff auf deutsche Polizeidaten
http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/deutschland/artikel/316/162862/
Nicht nur „langsam“ gewinne ich den Eindruck, man verkauft uns für dumm, sondern auch gleich noch all unsere Bürgerrechte.
Während der Naive gegen die Windmühlenflügel a la Nummernschild kämpft, wird längst das praktiziert, worum es eigentlich geht.
„Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisiert das Abkommen zwischen den USA und Deutschland dennoch scharf. Die USA erhielten damit auch Daten von Schwarzfahrern, Demonstranten gegen die Atomkraft, Asylbewerbern und Visum-Antragstellern, warnte er im Deutschlandfunk. Ein angemessener Datenschutz sei in den USA aber nicht gewährleistet.“
Und es soll doch Niemand, aber auch wirklich nicht der letzte „Einfaltspinsel“ in diesem Land glauben, die einmal den USA überlassenen Daten gibt’s selbst nach einer Klage vor dem Verfassungsgericht „ungeöffnet“ zurück.
Danke Deutschland.
Ich fühle mich jetzt richtig sicher.
PS:
Und bitte komme jetzt nicht wieder Einer mit dem guten alten Einwand auf Grundschulniveau: „Aber wer sich hat nichts zu schulde kommen lassen, braucht doch nichts zu befürchten“. Der soll weiter Märchenbücher lesen.
Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen, diese Abkommen ist eine absolute Sauerei. Das US-Datenschutzgesetz gilt im übrigen nur für US-Bürger und Personen die sich dort langfristig aufhalten. Es gilt ausdrücklich nicht für Daten die aus dem Ausland kommen. Falls also ausversehen mal wieder geheime Informationen und Backups verloren gehen kann man bei unseren Freunden in den USA nachfragen, die habens bestimmt noch!
... wie alles kaufen. Wen wundert da die Praxis des Sponsoring der Wahlkandidaten und deren Wahlkampf. Wir sind bei genauerem Betrachten nicht mehr weit davon entfernt. Anti-amerikanische Einstellung läßt sich an immer mehr Kommentaren, auch in diesen Foren, ablesen. isaac ben laurence weismann
Nun liefert Schäuble seinem Kumpel Cherkof einseitig deutsche Polizeidaten ungefiltert auf dem goldenen Tablett, nachdem er das schon mit den Fluggastdaten machte für die ganze EU.Und vorher war er mit Kohl, Köhler und vielen anderen CDU-Größen und nach der passenden Rohweddertötung mit Birgit Breuel an der Treuhandspitze einer der der ganz großen Rührer im Teig der Wiedervereinigung, die die ex-DDR wohl vereinbart total plattgemacht hat, woran nicht nur die Banken von der Bundesregierung garantiert viele hunderte Milliarden verdient haben (daher jetzt 1,8 Billionen Schulden), mit dem vorgegebenen Ziel, dass Deutschland nicht zu stark werden dürfe. Danach wurde uns dann der Euro verpaßt.Nach Informationen des Wall Street Journal kann die NSA ohne richterliche
Genehmigung die Verbindungsdaten der E-Mail-Kommunikation erhalten
sowie beobachten, wer welche Internetseiten besucht und welche
Suchanfragen ausführt. Außerdem kann die NSA Internet-Verbindungsdaten,
Länge und Lokalisierung von Handygesprächen, Verbindungsdaten und Länge
von Telefongesprächen, Informationen über Bankkonten, Überweisungen und
Kreditkartenbenutzung sowie Informationen über Flugreisen einsehen.Angeblich werden gewaltige Mengen an E-Mails,
Internetsuchprotokollen, Überweisungen, Kreditkatenbuchungen,
Reisedaten und Telefonverbindungen gespeichert. Diese werden nach
verdächtigen Mustern durchsucht, die dann zu Hinweisen für andere
Geheimdienste oder zu neuen Lauschaktivitäten im In- und Ausland
führen. Gearbeitet wird nach den Informanten der Zeitung auch mit so
genannten "schwarzen Programmen", deren Existenz nicht bekannt gegeben
wurde. Geschätzt wird von Insidern, dass die NSA für die Durchsuchung
der Daten jährlich eine Milliarde Dollar ausgibt.Siehe auch hier: http://www.heise.de/tp/r4...Schäuble will den totalitären Überwachungsstaat, Schritt für Schritt und die Daten der Bürger gehen in alle Welt.Das hat mit Terrorismusjagd alles überhaupt nichts mehr zu tun (hatte es auch noch nie), wenn Daten von angezeigten Schwarzfahrern über Steuerhinterziehern bis zu Kriminellen bei den Amerikanern landen - oder ist das einem noch fehlenden Friedensvertrag zuzuschreiben und ist Deutschland nicht wirklich souverän?Ich habe überhaupt nichts gegen Amerikaner - das sind fast alles liebe, nette Menschen wie Du und ich, die ich dort kennengelernt habe. Aber hier geht es nicht um die Bevölkerung, sondern um die teilweise mafiös arbeitenden Scharfmacher und Falken in den Regierungen auf beiden Seiten des Ozeans.
Es ist wirklich unglaublich: statt sich über effiziente Verbrechensbekämpfung zu freuen wird ein Extremaufwand an Diskussion betrieben, wie man Daten schützen kann. Mein Nummernschild kann jeder, der möchte jederzeit fotografieren. Da ich nicht vorhabe gegen ein Gesetz zu verstoßen, ist mir dies völlig egal. Oder hat jemand Mitleid mit Straftätern, die so in die Fänge der Polizei geraten?
Sie können sich mal hier ein Bild mitnehmen:http://www.reporter-ohne-...dann wissen Sie was Sie verpassen könnten.isaac ben laurence weismann
Die Herrsche werden wohl erst dann zifrieden sein,wennjeder Bürger einem Bakterium in der PetriSchale eines Biologen gleich kommt: In dieser befinden sich auch ca.100 Mio Bakterien, wie in einem Staat,und der Biologe kann jedes heranzoomen und genau aufpassen,was es macht.Er kann auch schauen, welche Bakterien von welchen abstammen, sich wie entwickeln, schon mal in der Nähe welcher anderen Bakterien waren usw. usf..So kann er über Generationen die nützlichsten Sorten auswählen (bspw. durch geeignete Auswahl des Nährbodens).Die weniger nützlichen kann er sogar markieren und mit der Zeit auf die eine oder andere Weise ausrotten ...
Als Nachtrag: Wie leicht es ist, 100 Mio Individuen zu überwachen, erkennt man am folgenden Beispiel: Der Bildschirm vor Ihrer Nase hat ca. 1 Mio Bildpunkte, und jeder einzelne ist erkennbar. Nach bestimmten Eigenschaften rot eingefärbt (bspw.), ist auch jeder rote Punkt sichtbar. Das einfärben macht ein Programm, und schon kann eine Einzelperson(!) gemütlich auf 100 Mio Leute aufpassen ..., einfach immer abwechselnd 100 solche Bildschirme nacheinander anschauen.Bei 1 Bild pro Sekunde dauert ein solcher "Rundgang" keine 2 Minuten !!!
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