Medizin Prozac und Placebos, Homöopathie und Humbug
Wissenschaftler grübeln, wie gut und warum Placebos und Homöopathie helfen. Dabei ist das doch klar: Zuwendung, Hinhören und Ernstnehmen des Arztes wirken Wunder
In diesen Tagen laufen Berichte durch die Weltpresse, wonach Antidepressiva (wie Prozac) kaum besser funktionieren als Placebos (Pillen ohne Wirkstoffe). Das haben Irving Kirsch und sein Team von der britischen Hull Universität aufgrund von Daten festgestellt, die sie von der amerikanischen Heil- und Lebensmittel-Behörde FDA bekommen haben.
Was zu der Geschichte aus dem Ferienlager führt, die Michael Skapinker in seiner lesenswerten Analyse der Alternativ-Medizin in der Financial Times vom 11. März erzählt. Eine Heimweh-Epidemie war ausgebrochen, und die Krankenschwester verteilte rosa Smarties gegen Mutter-Entzug, blaue gegen die viel seltenere Vater-Sehnsucht. Die Epidemie brach zusammen.
Das nennt man den Placebo-Effekt. Eine Gruppe vom MIT, der Hochschule in Cambridge, Massachusetts, hat diese vertraute Erfahrung nun weitergedreht. Teure Placebos funktionieren besser als billige - ein Phänomen, mit dem die Kosmetik-Industrie Milliarden verdient. Den Probanden wurden leichte Schmerzen zugefügt, nachdem ihnen zwei verschiedene Placebos verabreicht worden waren. Die eine Pille kostete (angeblich) $ 2.50, die andere zehn Cent. Nach Einnahme der Hochpreis-Pillen berichteten 82 Prozent von Schmerzverringerung; das taten nur 61 Prozent derer, die das "Billig-Präparat" erhalten hatten.
Jetzt tobt natürlich die Frage, ob Ärzte nicht grundsätzlich Placebos verschreiben sollten - billige und fast genauso gute Pillen (Achtung: Bei den Antidepressiva vermerken die Forscher, dass sie in schweren Fällen tatsächlich viel besser wirken). Dazu gibt es ein brandneues Buch von Rose Shapiro, Suckers: How Alternative Medicine Makes Fools of Us All (etwa: "Trottel: Wie die Alternativmedizin uns alle zum Besten hält"). Ihr Hauptanklagepunkt: Seit Jahrzehnten verschreiben viele Ärzte Placebos, die gerade in Deutschland in hohen Ehren gehalten werden. Das sind die Kügelchen und Tropfen, die unter dem Rubrum "Homöopathie" in unsere Medizin-Schränkchen wandern.
In England verschreiben 42 Prozent der Ärzte Homöopathisches - oder verweisen die Patienten an solche Spezialisten. In Holland ist es fast die Hälfte, in Belgien sind es gar 85 Prozent. Bekanntlich ist Homöopathie logischer Unfug, sagt sie doch, dass die heilende Substanz so weit in Wasser verdünnt worden ist, dass von ihr nichts mehr übrig bleibe - nur noch das "Gedächtnis".
Ironisch folgert Shapiro: Dann müsste sich das Wasser doch an ALLES "erinnern", das je in ihm aufgelöst wurde: das angeblich Heilende sowie die Seife aus dem Bad von Marilyn Monroe. "Wie kann Wasser ein selektives Gedächtnis haben?", fragt sie.
- Datum 11.03.2008 - 06:27 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 11.03.2008
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Aha - und sowas muss man sich von einem Josef Joffe als Fakt "unterjubeln" lassen?Nachweislich wirken Homöopathika bei Tieren sehr erfolgreich im Gegensatz zu Placebos. Tiere scheren sich also einen Teufel darum, die zeigen Wirkung, wenn das richtige Mittelchen gegeben wurde. Placebos haben bei Tieren keine Chance.Sicher haben Placebos fast immer auch eine Wirkung, insbesondere bei Kindern oder Menschen, die von anderen, weiß gekleideten studierten Menschen erwarten, dass nur er sie wieder "heil" machen kann.Aber wer sich einigermassen auskennt, sich selbst medikamentiert im Rahmen seiner Möglichkeiten, wird feststellen, dass die Homoöpathie durchaus ihre Berechtigung hat als zum einen preiswertes, zum anderen fast nebenwirkungsfreien Bekämpfen diverser Unpässlichkeiten - wobei man auch die Elektroakkupunktur mit Handgeräten zusätzlich oder für sich alleine keinesfalls ausser acht lassen sollte.Bleibt die Frage - was will uns Josef Joffe mit seinem Aufsatz eigentlich vermitteln? Sind die Aktienkurse der Pharmabranche für seine Zwecke zu stark gesunken oder was treibt ihn zu solchem Blödsinn?
Nun sind es also die Serotonin -Wiederaufnahme -Hemmer, wie z.B. Fluoxetin oder Paroxetin, die kritisiert werden, weil sie vorgeblich nicht wirken. Wie komplex aber eine angemessen differenzierte Behandlung von Depressionen, Phobien und Belastungszuständen sein kann, lässt sich vielleicht an folgenden Überlegungen nachvollziehen. Einige Aussagen gelten nicht nur für die Behandlung psychischer Störungen, sondern für viele, vor allem auch internistische Krankheitsbilder und ganz besonders für die "Volkskrankheiten".
1.Die "Basis" jeder ärztlichen Behandlung leidet schon seit geraumer Zeit. Das intensive und enge Vertrauensverhältnis zwischen einem Arzt und seinem Patienten wird nicht bezahlt. An seine Stelle tritt eine in Minuten- und Fälle unterteilte Abrechnung einer Dienstleistung. Bei den "Depressionen" geht diese Mentalität sogar bis in die fachlich vorgeschriebenen Diagnoseschemata(ICD 10 und DSM IV) ein, die psychische Störungen rein symptomorientiert eingeschätzt wissen wollen. - Selbst die Tatsache, dass jedes moderne Diagnosesystem auch noch zusätzliche psychosoziale "Achsen" berücksichtigt, hindert die in Zwängen gefangene Mehrzahl der Praktiker nicht daran, nur dem ersten Weg und einfachsten Weg, der medikamentösen Verordnung eine Chance einzuräumen.
Für die "Gesundung" oder "Heilung" fehlen dann viele notwendige Kenntnisse aus der Lebensgeschichte des hilfesuchenden Menschen und auch jeder Einschätzung über die Entwicklung der psychischen Fähigkeiten des jeweils betroffenen Patienten, vor, während oder nach Behandlungsbeginn. In Allgemeinpraxen, Nervenarztpraxen mit psychiatrischem Zuverdienst, gar bei Internisten, fehlt sowohl die intrinsische, als auch die extrinsische Motivation, sich überhaupt mit diesen Ursachen und Kausalitäten zu beschäftigen und sie zu dokumentieren.
Behandelt wird "Angst", "Aggression", "Antriebslosigkeit", "fehlende Stimmung", etc. Die leider am besten honorierte Form ist die reine medikamentöse Therapie, obwohl alle anerkannten Lehrwerke immer von einem Behandlungsplan sprechen (Anspruch und Wirklichkeit klaffen, wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen).
In der Klinik liegen die Entgelte, umgerechnet auf Tagessätze, gerade für psychiatrische Abteilungen meist weit unter den Sätzen für die innere Medizin oder gar die Chirurgie. Begründet wird dies häufig mit dem kostspieligen Einsatz von technischen Geräten in den großen Fächern, obwohl die Hauptkosten aller medizinischen Leistungen im Krankenhaus vorwiegend Personalkosten sind und teure Apparate in der Diagnostik und Therapie auch im Bereich der Psychiatrie längst Standard sind (MRT,CT,EEG,Labor).
2. Die nun angeschwärzten Antidepressiva wirkten, so die mediale Kritik, nur bei 30-40%. Ihre Wirkung erreiche daher bestenfalls die Effizienz von Placebo-Medikamenten. - In einer solchen oberflächlichen Betrachtung fehlt jedoch ein Quentchen Logik. Weil bisher von keinem Wissenschafler oder Psychiater dieser Welt "Depression" als monokausale Erkrankung betrachtet werden kann, es geht eben nicht um den einfachen Ersatz eines fehlenden Stoffes, z.B. des Insulins beim Diabetes, gibt es auch keine Erfolgsgarantie bei der Erstmedikation. - Ein wirksames Medikament muss zusammen mit dem Patienten also erst gefunden werden. Zur Depressionsbehandlung stehen dazu mindestens sechs wirksame Stoffgruppen zur Verfügung, die allerdings alle ein Nebenwirkungsprofil aufweisen. Es ist sicher nicht unlogisch, mit der Stoffgruppe zu beginnen, die im Vergleich mit den anderen Medikamenten die geringsten quantitativen und qualitativen Nebenwirkungen aufweist. Das sind aber gerade die o.g. SSRI! Bei einem solchen schrittweisen, empirischen Vorgehen können 80 % der depressiven Störungen sehr gut behandelt werden. Diese Menschen kehren in ihre Lebenswelt zurück und können ein Leben so weiter führen, wie sie es sich wünschen. Völlig therapieresistent sind nur wenige Depressive.
Weil alle Antidepressiva zur Akutbehandlung oder zur Notfallbehandlung nicht taugen und bis zum Wirkungseintritt mindestens zwei- bis max. acht Wochen gewartet werden muss, können solche Medikamente ausserhalb eines umfassenden Behandlungsplans höchstens mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen. Trotzdem werden sie, weil angeblich ungefährlich, "wild und solo" verschrieben. - Mittlerweile hat sich das Verschreibungsspektrum so vergrößert, dass praktisch jede depressive Befindlichkeitsstörung, ohne Ursachenforschung, behandelt wird.
3. Richtig ist, schon eine "Behandlung" an sich kann therapeutisch erfolgreich sein. Dafür spielen vor allem Dauer, Regelmäßigleit, Zuwendung und aktive Teilhabe des jeweiligen Patienten eine große Rolle. Wer sich nicht angenommen fühlt, der wird auch bei einer "Placebo-Medikation" nach geraumer Zeit einen "Wirkungsverlust" spüren. Aus einer schweren Depression wird er jedoch nicht schnell heraus kommen und die Zahl und Schwere seiner depressiven Phasen werden sich nicht verringern lassen, wenn keine wirksamen Medikamente eingenommen werden.
4. Die Wirkung eines Medikamentes hängt entscheidend auch von der Therapietreue des Patienten ab. Eine Tablette täglich nehmen noch 85-95%. Bei zwei Tabletten sind es nur noch ca. 60% und bei drei Tabletten gehen mehr als die Hälfte der Patienten von der Fahne. Gerade in diesem Punkt waren und sind die Antidepressiva vom SSRI-Typ eine gute Wahl. Eine Einmaldosis ist in den allermeisten Fällen wirksam!
5. Entgegen der allgemeinen Einschätzung, sind psychische Erkrankungen und Störungen keinesfalls ein medizinisches Rand- oder Nebenproblem. Trotzdem werden sie in der Gesellschaft allenfalls als ein Ausschlusskriterium für ökonomische Leistungsfähigkeit betrachtet. Das erzeugt Angst und bedeutet real Ausgrenzung aus der Leistungsgesellschaft. Das Gefühl zu versagen, nichts zu leisten, nichts wert zu sein, treibt jährlich doppelt so viele Menschen bei uns in den Tod, wie auf den deutschen Straßen niedergefahren werden.
Christoph Leusch
Ich frage mich, wieso bei so vielen Menschen immer andere unrecht haben müssen, damit man selber Recht haben kann. Wieso Homöopathie und Alternativmedizen auf Plazeboeffekten beruhen müssen, bloss weil deren Wirkungsweisen aktuell mit keinem "offiziellen" Glaubenssystem erklärt werden kann. Nur allein weil die Mehrheit an ein System glaubt, wird es nicht wahrer.Ein Mensch, der an etwas glaubt, dem scheint sein Ziel automatisch leichter oder eher zuzufallen – ob als Heilsuchender, als Sportler, als Karrieremensch, aber auch als Heilender oder Therapeut etc. Zuwendung, Anerkennung, Anteilnahme fördert und unterstützt den Glauben. In der Leistung, in der Schul- UND Alternativmedizin, usw. So what?Wahrheit ist, was funktioniert. Ob's nun in eines unserer Glaubessysteme passt oder nicht. Wer so arrogant sein will und glaubt, Homöopathie könne nicht effektiv wirken, impliziert, alles zu wissen, um Bestimmtes ausschliessen zu können. Ist das nicht das Herz eines Fundamentalisten?Niemand zweifelt an der Denkkrücke i, um das Problem mit negativen Quadratwurzeln zu lösen. Gelöst wird nichts, bloss umgangen. Niemand zweifelt daran, dass die Denkkrücke Quantenmechanik in der Pflicht steht, irgendwann einmal überlichtgeschwindigkeit von Informationen und Anderes zu erklären. Quanten verhalten sich nicht wie Billiardkugeln, es gibt keine eindeutige Lösung. Noch nicht – und bis dahin müssen wir glauben. Und staunen. Aber wenn nun Homöopathie wirkt, darf an die Denkkrücke "intelligentes Wasser" kein Gedanke verschendet werden. Übelste Ketzerei ist das. Von Akkupunktur ganz zu schweigen. Meridiane mit Energie, die ich weder kenne noch messen kann. Uhh, wie gruselig. Was ich nicht verstehe, MUSS doch entweder inexistent oder satanisch sein! Ist das nicht wiederum fanatisch?Um jetzt noch eins draufzusetzen: Auch Metaphysik verhält sich nicht wie Billiardkugeln, es gibt keine eindeutige Lösung. Noch nicht – und bis dahin müssen wir glauben. Und staunen. Deshalb gilt noch immer: Wer glaubt, er wisse, muss wissen, dass er glaubt. Da bin ich jetzt fanatisch! ;)Grüsslich
@Colon: Danke für Deinen Post, sehr aufschlussreich!«... als ein Ausschlusskriterium für ökonomische Leistungsfähigkeit betrachtet. Das erzeugt Angst und bedeutet real Ausgrenzung aus der Leistungsgesellschaft. Das Gefühl zu versagen, nichts zu leisten, nichts wert zu sein, treibt jährlich doppelt so viele Menschen bei uns in den Tod, wie auf den deutschen Straßen niedergefahren werden.»Auch sehr interessant. Aber ich möchte bezweifeln, ob eine (schul- oder alternativ-) medizinische Behandlung von Folgeproblemen unserer Gesellschaft langfristig der geeignete Weg ist. Eine krankmachende Gesellschaft, die sich davon nährt, Heilung zu verkaufen, ist doch irrsinnig...
Ich liebe alle Wissenschaften, insbesondere Medizin und Chemie, weil ich ihnen unendlich viel zu verdanken habe, wie etwa schmerzfreie Zahnbehandlung und nagelneue Hüftgelenke. Von einem Arzt verlange Professionalität. Er hat schnell und effizient zu sein. Die Zeit für Zuwendung kann er sich sparen. Dafür sind meine Familie und meine Freunde zuständig. Das Problem des Homoöpathie-Patienten ist m.E. Vereinsamung. Endlich ist da jemand, mit dem er quasseln kann und der ihm nicht nach fünf Minuten sagt: "Du nervst, weil du nur dummes Zeug redest!" Der Wunderheiler hört ihm zu, gibt ihm recht und weiß, je mehr er ihm recht gibt, umso mehr Mist kann er ihm andrehen. Es ist alles eine Frage der Bildung. Wüßte der Vereinsamte, dass sein Problem darin besteht, abschreckend einfältig, anstrengend langweilig oder gar abstoßend gehässig zu sein, wäre er ein ganzes Stück weiter und könnte sich den Heiler sparen. Aber es liegt in der Natur der Narren, sich selbst nicht zu erkennen, ja, Erkenntnis prinzipiell zu verweigern und sowohl auf medizinische als auch auf politische Scharlatane hereinzufallen. Ich bin sicher, dass der Anteil von Homoöpathie-Patienten unter linksgrünen Intellektuellen am größten ist. Genauso wie sie zum Heilpraktiker gehen, weil er ihnen nach dem Munde redet, gehen Sie zur Wahl und wählen die Quacksalber Gysi und Lafontaine, weil sie ihnen nach dem Munde reden. Verstünden sie etwas von Medizin, Chemie und Wirtschaft, wären sie nicht vereinsamt, weil jeder ihnen anstatt "du nervst" sagen würde: "Klingt vernünftig, sprich weiter!"
Ich frage mich, warum es nicht einen Homeopaten gibt, der Ambitionen hat?Wenn ich wirklich daran glaubte, dass Wasser eine Erinnerung an ehemals in ihm geløste Wirkstoffe hat und wenn ich tatsæchlich tæglich sæhe, wie gut das bei meinen Patienten wirkt, dann wuerde ich alles daran setzen, dass kontrolliert in eiener (Doppelblind-)Studie nachzuweisen.Das wære der Einstieg in ein vøllig neues Gebiet der Chemie und wohl so etwas wie eine Nobelpreis-Garantie.Auf einen Schlag wuerde aus "Alternativer Medizin", schlichtweg "Medizin".Aber ich glaube nicht daran, dass Wasser sich an irgendwas erinnert, und die die es tun, glauben scheinbar nicht an sich selbst oder fuerchten sich vor dem Ruhm, schade.
Herr Joffe schreibt ja schon länger und hat auch schon mehr als 10 Jahre Ausbildung und permanente Qualifikation hinter sich gebracht. Meist schreibt er hart und dezidiert und häufig ohne Fragezeichen und Konjunktiv, meist über im weitesten Sinne transatlantische Themen. Da muss man mit ihm, in Bezug auf die Heilkunde milde sein, wenn er Komplementär- und Alternativmedizin nieder macht.
Einmal, in der Jugend und durch persönlich prägende Erlebnisse auf ein Gleis gebracht, neigen wir ja alle dazu, unsere Vorurteile eher zu pflegen, als ihnen skrupulös entgegen zu arbeiten. Gerade für den Bereich der angewandten Wissenschaften und vor allem für die Medizin gilt, dass "Torheiten und Trugschlüsse" (...in der Inneren Medizin", ein sehr lesenswertes Buch) da lauern, wo man sich auf sicherem Gebiet zu bewegen glaubt.
Die klinische Einführung der SSRI liefert dazu, doppelblind oder nicht, genügend Hinweise. An der Mainzer Universität lehrte lange einer der Hauptpromotoren für die Einführung dieser Substanzen, vielleicht der deutsche Experte für die Anwendung von Psychopharmaka (Standardlehrbuch). Allerdings war sein ganzes Trachten und Forschen auf diesem Gebiet immer auch eng verbunden mit den eigentlichen Geld-und Auftraggebern. Am Ende stand dann ein Skandal, weil er das Stichwort "doppelblind" im Bezug auf die Patienten zu wörtlich genommen hatte.
In wohl keinem Gebiet sind "Studien" so heikel und fehleranfällig, wie auf dem Gebiet der Heilkunde. Schon allein die Art der Auswahl von möglichst nach vielen Faktoren parallelisierten Vergleichspersonen fällt sehr schwer, ganz abgesehen von der ethischen Pflicht, nie nutzlos oder zu einem für den Patienten nicht heilsamen Zweck zu behandeln, also "nur" Wissenschaft zu betreiben. Quacksalber und Wunderheiler gibt es schulmedizinisch und alternativmedizinisch.
Aber, Homöopathie wird weder irrational, noch ohne System, noch ohne grundsätzlich komplementäre Spielregeln zu denen der Schulmedizin betrieben. Das heißt, verantwortlich behandelt nur der, der seine Grenzen kennt und bescheiden seine Hilfsmöglichkeiten gegenüber den Patienten deutlich macht.
"Logischer Unfug" ist es aber, wenn man im Rahmen eines Zeitungsartikels versucht, problematische und komplexe Sachverhalte so eindeutig zu werten und bewerten, als handele es sich um das Ableseergebnis eines Fieberthermometers.
Da hat "groovyKimo" völlig Recht, das ist eher Ausfluss großer Selbstüberschätzung. Zwischen Schnelligkeit und Effizienz besteht in der Heilkunde kein zwingender Kausalzusammenhang. Allerdings hat diese so "marktnah" gedachte Verknüpfung eher zur Drehtürmedizin und zur Überbewertung von marmorgekachelten Krankenhausempfangshallen und niveauvoll gestalteten Geschäftsführungsbüros geführt, als tatsächlich die Effizienz gesteigert. Krankheit und Armut machen einsam. Wer sich reich einsam fühlt, der kauft sich eher Geselligkeit und Zuhörer. - Aber damit lässt sich weder die Politik, noch die Heilkunde bessern.
Grüße
Christoph Leusch
Ihre Kritik verschleiert die Tatsache der von so vielen Homöopathen anerkannten homöopathische Zahlungsweise. Wer verdient denn schon an 1l Wasser, das für 3000€ Marktwert verhökert wird ? doch nicht die Heilkundigen, nein die Fläschchenhersteller. Ich habe eine bekannte, die mir versicherte, ein Fläschchen mit Zuckerkügelchen, hält etwa einen Monat. Meine Hochrechnungen ergaben : 200€ für ein kg Zucker. Das bedeutet die Zuckerverkäufer können eigentlich garnichts damit zu tun haben. Wieder die Fläschchenverkäufer. Gut, ich gebe ja zu, es gibt vieles wofür die Wissenschaft einfach keine Erklärung findet. Ich habe noch keine überzeugende Erklärung gehört, die mir erklären konnte warum ich meine Hose nicht über den Kopf anziehen kann. Egal, ich muss nicht alles verstehen. Ich kann meinem Hund auch nicht verdeutlichen, wieso nur sie ( Hündin ) keine homöopathischen Mittel erhält, wie ihre Koleginnen, aber trotzdem gesund wird. Ich bin ratlos. Funktioniert die Heilkraft etwa durch eine verschlossene Flasche, die ich gar nicht gekauft habe ? Mein Hund ist gesund, was soll ich tun ?
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