Sex-Affäre Der tiefe Sturz des Eliot SpitzerSeite 3/3

Den Demokraten dürfte der Skandal absolut ungelegen kommen, zumal Spitzer Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin unterstützt hat. Clinton wünschte seiner Familie „alles Gute“, wollte die Sache aber nicht weiter kommentieren. Spitzer ist einer ihrer Super-Delegierten, die über die Nominierung entscheiden. Ein ähnlicher Fall — der Gouverneur von New Jersey, Jim McGreevey, hatte eine homosexuelle Affäre mit seinem Sicherheitschef — endete letztlich mit Rücktritt. Dabei hatten bisher die Republikaner bei Sexskandalen die Nase vorne: Der Senator David Vitter, Louisiana, nahm die Dienste der „DC Madam“ in Anspruch, die Toilettenfüßeleien des Senators Larry Craig erheitern heute noch die Late-Night-Comedyshows.

Die Vereinigung der republikanischen Gouverneure forderte bereits Spitzers Rücktritt. Kongressabgeordneter Peter King sagte, Spitzer habe sich erpressbar gemacht. Das Wall Street Journal verwujavascript:void(0)nderte sich über den “dummen, verblendeten Glauben, der Gouverneur von New York dürfe die Dienste einer Prostituierten kaufen“. Die New Yorker Boulevardblätter forderten unisono seinen Kopf. Und die New York Times forderte ihn auf, seinem „kurzen, arroganten Statement“ rasch Aufklärung folgen zu lassen. In einer unrepräsentativen CNN-Umfrage fanden 72 Prozent der Zuschauer, Spitzer müsse weg.

Anzeige

Einen Verteidiger hat Spitzer noch: Staranwalt Alan Dershowitz, der frühere Strafverteidiger des Footballstars O. J. Simpson, der wegen Mordes an seiner Frau vor Gericht stand. Dershowitz sagt, viele Präsidenten seien in Sexskandale verwickelt gewesen: Thomas Jefferson, Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy, Lyndon Johnson, Bill Clinton. Aber auch daran möchten die Demokraten ungerne erinnert werden.

Sollte Spitzer zurücktreten, würde sein Stellvertreter David Paterson nachrücken, für den Rest der Legislaturperiode. Das machte Paterson, der von den Harlemer Demokraten kommt, zum ersten schwarzer Gouverneur in der Geschichte der USA. Danach, vermuten viele, könnte Bloomberg antreten — als Parteiloser.

 
Leser-Kommentare
  1. wer immer nur ein Fussbad nimmt, will auch mal duschen. Aber das haette Spitzer billiger und einfacher haben koennen.

  2. Frau Schweitzer, vielen Dank fuer ihren guten und objektiven Artikel. Gov. Spitzer muss sein Amt niederlegen weil er gegen ein Gesetz verstossen hat. Schlicht und einfach.

  3. Das Peinlichste an der Situation ist, dass ausgerechnet Spitzer sich in seiner Staatsanwaltskarriere u.a. durch schärfste Verfolgung mehrerer Prostituiertenringe hervorgetan hatte.

    • Anonym
    • 11.03.2008 um 22:47 Uhr

    "Der tiefe Sturz des Eliot Spitzer"ich frage mich eher, wie so einer nach oben kam

  4. die laut nach Moral und starkem Staat rufen: Wir haben Deutschland aucheinige. Schill, Schaeuble ? Waren Brandt und Kohl immer nuechtern beiihren Entscheidungen? Oder Schroeder auf der Wahlparty.Die Politik will Dopingtests fuer den Spitzensport, ich bin fuer unangemeldeteKontrollen in den Parlamenten , Alkohol, Drogen, Benzodiazepine.Sicher ist, die Politiker sind nicht besser als der Rest der Gesellschaft.Aber sie koennen mehr Schaden anrichten.

  5. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, ehrlich gesagt. Moral ist ja immer etwas subjktives, aber er hat doch niemandem geschadet, im Gegenteil, die gute Frau hat doch eine schöne Summe verdient. Prostitution ist doch etwas absolut normales, das älteste Gewerbe der Welt, wo ist das Problem wenn auch ein Spitzenpolitiker das Bedüfniss nach Sex mit einer schönen Frau hat?  Die meisten Männer würden sich doch auch wünschen, mit einer atemberaubend schönen Frau zu schlafen, denke ich.Das ändert aber nichts an der Tatsache, das Spitzer, dem Artikel zufolge, gute Arbeit geleistet hat, und eine Art staatliches Gegengewicht zur Wall Street oder der genannten Mafiafamilie war, also seine Aufgaben sehr gut erfüllt hat.Die einzigen, die meiner Meinung nach verletzt worden sind, sind seine Familienmitglieder, es ist sicher nicht in Ordnung, seine Frau mit Nutten zu betrügen, aber das hat nichts mit seiner Arbeit als Anwalt etc. zu tun. Allerdings ist es schon peinlich, dass er selber gegen Nutten gewettert hat und gegen sie vorgegangen ist.

  6. # Silberschnur. Was wollen, können, sollen oder müssen wir dazu noch sagen? Auch Sex-Skandale scheinen in neue Runden zu gehen. Der kleine Unterschied zu Lewinsky-Gate: Es wird kein Impeachment brauchen, um Eliot Spitzer abzusetzen. Er wird mit ziemlicher Sicherheit selber gehen.
    Was lernen wir daraus? Dass die Staaten reif sind für schwarze Spitzen-Poltiker? Oder dass, wenn Hillary Clinton sich in einer Machtrolle sieht und für politische Anerkennung dessen kämpft, die Männer in den obersten Ämtern schwach werden? Ja, was dann vielleicht noch alles auffliegt, wenn die Frau erst Präsidentin ist?
    "politisch" bedeutet u. a. 'öffentlich', 'die öffentlichen Angelegenheiten (einer soziologischen Ordnung) betreffend'; der römische Philosoph Seneca schlug vor, auch im eigenen Haus stets als ein 'homo politicus' all-so zu handeln, dass jedermann es (ein-)sehen könnte.  
    Silberschnur denkt: Kein schlechter Vorschlag, dieser Seneca, doch - wer hielte ein so abgeklärtes Leben schon aus?  

  7. ... wieso dies solche Schlagzeilen macht. Gut, Prostitution ist in den USA illegal - davon kann man halten, was man will, aber letztendlich, dachte ich, sei dies zwischen ihm und seiner Frau. Aber als ich hörte, dass Spitzer viel Zeit damit verbracht hat, gegen Prostituiertenringe vorzugehen, ... jaaa, das ändert für mich alles. Jetzt erinnert mich die ganze Sache an Larry Craig, den Senator, der auf dem Flughafen-Klo "erwischt" wurde, wie er offenbar einem Mann in der Kabine neben ihm ein eindeutiges Angebot machte. Hätte nicht halb so sehr interessiert, wenn er die restliche Zeit nicht gegen Homosexuelle gewettert und ihnen das Leben schwer gemacht hätte. Aber so - in beiden Fällen: peinlich, peinlich...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service