Steuerskandal Das 10-Cent-Problem
Der Liechtenstein-Skandal hat gezeigt: Es fehlt an Steuerfahndern. Die Deutsche Steuergewerkschaft fordert nun deutlich mehr Personal. Doch das Problem liegt tiefer.
Auf diesen Moment dürfte Dieter Ondracek lange gewartet haben. Wochenlang musste der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft sich viele Fragen gefallen lassen: Wie konnte es passieren, dass die deutschen Steuerbeamten nichts von der großen Zahl der Millionäre wussten, die in Liechtenstein ihr Schwarzgeld geparkt hatten ? Warum fielen die großen Summen niemandem auf? Nun konnte Ondracek während einer Pressekonferenz endlich einmal Dampf ablassen. "Wir haben einfach zu wenig Personal in den Finanzämtern", schimpfte er am Dienstag, "an der hohen Dunkelziffer von Steuerbetrügern ist die Steuerverwaltung schuldlos".
Tatsächlich zeigen die Zahlen Ondraceks, wie die Bundesländer in den vergangenen Jahren bei den Finanzbehörden gespart haben. So arbeiten heute neun Prozent weniger Beamte in der sogenannten "Innendienst-Veranlagung", wo die Steuererklärungen der Bürger überprüft werden. Die Finanzbeamten mussten dafür aber rund eine Million mehr Fälle bearbeiten. Auch die Fallzahlen der Betriebsprüfer stiegen: Während es in Deutschland immer mehr Unternehmen gibt, sinkt die Zahl der Beamten, die die Bücher derselben untersuchen. Heute muss sich rein rechnerisch ein Beamter um 691 Unternehmen kümmern. Eine Betriebsprüfung ist da mehr als unwahrscheinlich: Statistisch gesehen muss eine Firma eine solche alle 33 Jahre fürchten.
Ähnlich prekär ist die Lage bei den Fahndern. Rund 2100 gibt es nach Angaben der Steuergewerkschaft hierzulande. Im besten Falle sollen sie nicht nur Verdachtsanzeigen nachgehen, sondern aktiv nach Steuersündern suchen. Dafür aber, so der Tenor der Gewerkschaft, bliebe angesichts der gewaltigen Fallzahlen kaum Zeit. Statistisch kommen auf jeden Fahnder rund 18.000 Personen, zu viele, um jeder Spur folgen zu können. Pro Jahr schafft ein Beamter gerade einmal zehn Fälle – wenn es hochkommt.
Kein Wunder also, dass Ondracek nun mehr Personal fordert: Mindestens 10.000 Mitarbeiter mehr, 1000 davon für die Fahndung, 4000 für die Betriebsprüfungen. Der Gewerkschaftschef führt hierfür gute Argumente an. So bringe ein Fahnder dem Fiskus im Durchschnitt jedes Jahr rund eine Million Euro Mehreinnahmen, etwa weil er Steuersünder auffliegen lässt. Alle Fahnder zusammen erhöhen die Einnahmen des Staates also um zwei Milliarden Euro. Gern verweist Ondracek auch auf den größten Coup bislang: die Entdeckung einer Geldspur nach Luxemburg 1994. Damals deckten Fahnder aus Nordrhein-Westfalen ein System aus Nummernkonten und Fantasienamen auf und wiesen zahlreichen deutschen Banken eine Beteiligung an den Vorgängen nach. Mehrere 10.000 Personen flogen damals auf.
- Datum 11.03.2008 - 07:38 Uhr
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Kann eine weitere Intensivierung der staatlichen Überwachung hier die Antwort sein?Die Wurzel des Übels liegt doch im komplizierten und ungerechten "Steuersystem". Wie wäre es denn, wenn man sich nach Jahrzehnten endlich mal darum bemühte, ein Steuerrecht zu schaffen, das diese Bezeichnung auch verdient?Doch immer, wenn jemand dies versucht (siehe 2005), fangen gleich die Besitzstandswahrer an zu kreischen.Außerdem sollten gerade die deutschen Finanzbehörden mal schön ihre Klappe halten. Schließlich ist es deren "Formularkommission", die sich -- auch ohne die geringste Änderung der gesetzlichen Regeln -- Jahr für Jahr neue Formulare ausdenkt, die uns Normalsterbliche in den Wahnsinn treiben. Und das gehört noch zu den minderen Frechheiten.
Was rechnete die Bild Zeitung neulich vof 48% eines Euro wirtschaftet man in die eigene Tasche. Kein wunder ist es ein Volkssport Steuern zu stunden und möglichst viele "Sozial"(Umverteiluungs)Leistungen zu bekommen.--
seufz
Erst erschaffen irgendwelche DEBILEN STEUERJURISTEN in jahrzehntelanger Arbeit das GROTESK-KOMPLIZIERTE STEUERSYSTEM DER BRD, danach sollen die nicht nachzuvollziehenden Erträge dieses unüberschaubaren WAHNSINNSWERKES eine wachsende Anzahl von Kontrolleuren und Steuerfahndern ernähren. (Die Aussage, dass ein Kontrolleur nur maximal 10 Fälle im Jahr bearbeiten kann, sagt bereits alles über die zeitfressende Komplexizität dieses Bananenrepubliksystems aus!)Der absolute Albtraum wird in diesem Artikel beschrieben, und offenbar scheint es keiner zu durchschauen oder zu interessieren.Einzige Lösung: Das bestehende Wahnsinnssteuersystem radikal und gänzlich abschaffen, sowie durch ein total simples System ersetzen (so dass sämtliche Steuerberater und Steuerfahnder sich endlich eine sinnvolle und produktive Arbeit suchen können), sei es eine Art Kirchhoff Modell mit niedrigen aber leicht progressiven Steuersätzen oder aber eine Art bedingungsloses Grundeinkommen mit sehr niedrigen Sätzen. Beide Systeme könnten in 2 Pilotversuchen getestet werden, danach wählt man die bessere Version. Noch Fragen?
Dem Kommentar von japeko kann ich nichts sinnvolles hinzufügen. Das Steuersystem in der BRD ist der totale Irrsinn und letztendlich läuft alles doch nur auf eine weitere Stärkung des mafiösen Monopolsystems mit immer mehr Personal hinaus. Sehr schön passend dazu ist die BBC-Produktion 'Yes, Minister', die zeigt wie es wirklich läuft, nämlich bürokratisch. Leider ist diese Serie nur bei der BBC zu sehen. Die deutsche Version lagert nach einmaliger Sendung in den achtziger Jahren im Giftschrank des Bayrischen Rundfunks.Armes Deutschland.
Hier eine kleine, aber wie ich meine,nicht unbedeutende Richtigstellung.Im Durchschnitt sollen die Fahnder rund 80.000 Euro pro Jahr verdienen. Ein guter Teil davon geht aber wieder an den Staatund die Bundesländer zurück.a) ca. 20% Einkommensteuerb) von dem Rest noch mal 19% MwSt.Dem Bundesland kostet der Fahner dann also nur 65000 Euround nicht die im Artikel erwähnten 80000, da ca. 50%der Steuern im Bundesland bleiben.Abzüglich der o.a. 65000 Euro Kosten, kann jeder zusätzliche Fahner also mindestens 35000 EuroGewinn für sein Bundesland erzielen.Der Kölner Ökonom Fuest arbeitet auch für die neoliberaleInitiative Neue Soziale Marktwirtschaft.Logisch, dass gerade die Neoliberalen nicht mehr Fahnder wollen.Solange wir unser kompliziertes Steuersystem beibehalten,benötigen wir aber mehr Fahnder. Das Kirchhoffsche Einfach-Modell war leider auch nur eine neoliberale Missgeburt.
Nun, bei solchen Rechenkünsten und Steuerkenntnissen wie sie Ralpf S. offenbart, ist die der Kommentar echt fundiert."Ein guter Teil davon geht aber wieder an den Staatund die Bundesländer zurück.a) ca. 20% Einkommensteuer Bei einem Gehalt von 80.000 zahlt manb) von dem Rest noch mal 19% MwSt."Bei einem Gehalt/Sold von 80.000 zahlt man ca. € 27.000 Steuern (Single,Kirche), macht 33,7% Steuern Einkommenssteuer/Soli/KSt. Von dem Rest nochmal 19% MwSt? Ein Steuerfahnder gibt 100% seines Gehaltes für 19%-mehrwertsteuerpflichtige Güter aus? Keine Miete, keine Lebensmittel, Bücher, Zeitschriften? Und Lohnnebenkosten/Pensionslasten/Beihilfe etc entstehen dem Staat auch nicht?Und überhaupt bezweifele ich stark, dass ein Steuerfahnder wirklich 80.000 verdient, es ist eher so, dass er 80.000 p.a. kostet. Hallo Her Faigle, ist das sauber recherchiert?Aber in einer Steuerdebatte stören halt so kleinkarierte Fakten wie der Unterschied zwischen Verdienst und Kosten, Brutto-Netto, Mehrwertsteuersätze etc.Richtig ist, dass Deutschland unter einem völlig chaotischen und intransparenten System aus direkten, indirekten Steuern, Abgaben, Gebühren leidet.Salzsteuer ist eine LUXUSSTEUER! Hallo, Staat hörst Du mich? Die Sektsteuer wurde unter Wilhelm II. eingeführt, um die deutsche Flotte zu finanzieren. Die ist inzwischen 2x versenkt worden, aber die Steuer gibt es weiter. Soviel übrigens dazu, wie lange wir den Soli wahrscheinlich noch zahlen werden.Und unsere 80.000 Euro-Steuerfahnder jagen nicht nur Multimillioäre sondern gehen auch der Frage nach, ob Schweinsohren mit dem richtigen Umsatzsteuersatz berechnet wurden.Nein, wir brauchen nicht mehr Steuerfahnder/Beamte, die immer mehr Steuern kosten, sondern ein vernünftiges, vereinfachtes und transparenteres Steuerrecht..Herzlichsti-risor
Die BRD ist nicht demokratisch, sondern der Willkür des parlamentaristischen Systems und seiner dort agierenden Parteien ausgeliefert. Wer sich für ein einfaches Steuersystem, gerechtere Gesetze und die Vermeidung "politischen" Unfugs aller Art einsetzen will, möge seine Energie darauf konzentrieren: Direkte Demokratie. Bei allem Anderen werden wir uns nur weiter im Kreis drehen...
...gerade wird in unserem Parlament eine Vereinfachung der Erbschaftsteuer diskutiert. Reiche Erbonkel brauchen künftig nur noch eine Firma kaufen und nach deren Ableben müssen sich die Erben 10 Jahre (Wunsch der CDU) oder 15 Jahre (Wunsch der SPD) gedulden, dann bekommen sie den Erlös quasi erbsteuerfrei. All die Multimilliardäre und Multimillionäre in Deutschland reiben sich schon die Hände, auch so kann man Liechtensteinschen Steuersparmodellen das Wasser abgraben...Bitte nicht falsch verstehen, keine Firma soll wegen der Erbschaftssteuer verkauft oder gar zerschlagen werden müssen, aber warum die Erlöse aus einem Firmen-VERKAUF nur 10 Jahre rückwirkend besteuert werden sollen, verstehen wohl nur unsere Volksvertreter. Lebenslange Steuerschuld auf den ermittelten Firmenwert zu Erbantritt wäre genauso möglich gewesen und dabei ehrlicher und fairer gegenüber der Gesellschaft.
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