Debütroman Wer ist Mandelkern?Seite 2/2

"Und wer genau ist Daniel Mandelkern?", bleibt die zentrale Frage, die er selbst sich genauso stellt wie letztlich auch der Autor Thomas Pletzinger.

Der Antwort ist Pletzinger mit Bestattung eines Hundes ein gutes Stück näher gekommen. Und auch der Erfahrung, wie es ist, den ersten Roman zu schreiben. Durch seine eigene Vermittlertätigkeit im Literaturbereich und durch sein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig mit den Funktionsweisen des Betriebs vertraut, stand er, für seinen Debütroman gleich mit mehreren Verlagen in Verhandlung –  begünstigt durch diverse Literaturpreise (wie etwa dem MDR-Literaturpreis 2006).

Doch auch trotz dieser für einen Debütanten optimalen Strukturen ist es eben doch nicht so leicht, einen guten Roman dann auch wirklich zu schreiben. So machte sich Thomas Pletzinger hingebungsvoll an die Arbeit: Seit Herbst 2006 habe er "sich dem Roman täglich vollkommen zur Verfügung gestellt", auch wenn das manchmal hieß, "zu Leiden wie ein Schwein", wie er es ausdrückt.

Die Komplexität seines Projekts habe er dabei total unterschätzt – besonders wegen des Netzes an Verweisen, Bezügen und Kontexten eines 352 Seiten starken Romans, der aus ineinander geschachtelten Geschichten besteht. Diese könnten einfach nicht mehr zugunsten einer simplen, leicht erzählten Handlung ausgeblendet werden. Und so musste dann ein genauer Plan her: Sein Arbeitszimmer habe er zur "Kommandozentrale" umgebaut, die Wände mit Packpapier beklebt, auf denen er die verschiedenen Erzählstränge, Motive und Figuren anordnete. Die Schauplätze waren ihm bekannt, Pletzinger hat sie selbst bereist. Und auch zu den beiden Ich-Perspektiven, so unterschiedlich sie sind, so verschieden ihre Schwierigkeiten, fand er irgendwann den richtigen, jeweils eigenen Ton.

Unterstützung fand er bei dieser Schreibarbeit jedoch weniger im Literaturinstitut – auch wenn Bestattung eines Hundes seine Diplomarbeit ist – als vielmehr in seiner Vernetzung mit anderen jungen Autoren. Nicht nur wie üblich der Lektor stand ihm zur Seite, sondern auch seine Freunde, etwa Saša Stanišić, Benjamin Lauterbach und Katharina Adler, mit denen Pletzinger in Berlin gerade die Autorengemeinschaft "Adler und Söhne" gegründet hat. Eine Zusammenarbeit mit großer Perspektive – und einem sehr spielerischen Zugang zur Literatur.

Auch "Astroland", der Freizeitpark auf Coney Island, ist ein großer Spielplatz – "the playground of the world" wurde er früher genannt. Das gleichnamige Manuskript Astroland ist Svenssons Spielplatz: Sein ganzes Leben. Was er davon retten konnte in die Gegenwart (nicht viel), das findet sich in seinem Kinderbuch Die Geschichte von Leo und dem Nichtviel . Mandelkern erkennt, dass Svensson in diesem Kinderbuch vollenden konnte, was das unabgeschlossene Astroland offen ließ: Die Verarbeitung der eigenen tragischen Lebensereignisse. Durch eine Mischung aus Erinnerung und Fantasie lässt sich die Trauer besiegen, stellt Mandelkern fest: "(Astroland funktioniert genauso, bemerke ich, das Haus am See funktioniert genauso)". Und Kiki, die Amerikanerin antwortet ihm: "Diese Geschichte müsse jetzt mal zu Ende gelesen werden."

Genau das lässt sich so nur als Empfehlung weitergeben: Dass eine so intensive Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Beobachtung und der Reflexion zu einem faszinierenden Roman werden kann, zeigt Bestattung eines Hundes auf eindrucksvolle Weise.

Thomas Pletzinger: Bestattung eines Hundes , Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 352 Seiten, 19,95 EUR. ISBN 978-3-462-03968-9

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service