Datenschutz

Google erfasst das ganze Leben

Google will das Werbeunternehmen DoubleClick übernehmen - mit Genehmigung der EU-Kommission. Es entsteht die wohl größte Datenbank der Welt, die menschliches Verhalten protokolliert. Ein Gespräch mit Bundesdatenschützer Schaar

An diesem Dienstag hat die EU-Kommission einer Fusion des Suchmaschinenbetreibers Google mit dem Internet-Werbeunternehmen DoubleClick zugestimmt. Datenschützer warnen jedoch vor einer übergroßen Datenkonzentration.

ZEIT online: Die EU-Kommission hat am Dienstag eine Übernahme genehmigt, die praktisch jeden Internetnutzer betrifft. Die Suchmaschine Google darf das Werbenetzwerk DoubleClick übernehmen. Warum ist das so wichtig?

Peter Schaar: Die beiden Unternehmen sammeln sehr viele Daten von privaten Internetnutzern. Damit verdienen sie Geld, Google sogar Milliarden. Durch das Zusammengehen entsteht eine Datenbank, die weltweit ihresgleichen sucht.

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ZEIT online: Google kennt praktisch jeder. Es ist die erfolgreichste Suchmaschine der Welt. In Deutschland werden 90 Prozent aller Suchanfragen im Internet an Google gerichtet. DoubleClick kennt dagegen beinahe niemand. Was machen die?

Schaar: DoubleClick vermittelt Werbung im Internet. Wenn Sie etwa elektronische Anzeigen bei Spiegel Online sehen, dann wurden viele von DoubleClick dort platziert. Gleichzeitig verteilt DoubleClick kleine Programme, Cookies genannt, an alle Computer, die sich eine Internetseite auch nur ansehen. Diese Cookies bleiben auf den Computern erhalten.

ZEIT online: Und weil jeder Computer eine eigene Nummer hat, speichert DoubleClick nach und nach, welche Internetseiten genutzt werden und sogar für welche Inhalte man sich interessiert.

Schaar: Ja, nehmen wir an, DoubleClick platziert eine Anzeige auf einer Internetseite der ZEIT , die sich mit Datenschutz beschäftigt. Wenn auf ihrem Computer nun ein Cookie von DoubleClick gespeichert ist und Sie die besagte Internetseite aufrufen, dann erfährt DoubleClick, welche Seite der Nutzer aufruft.

ZEIT online: Dafür muss ich die durch DoubleClick ausgelieferte Anzeige nicht einmal anklicken?

Schaar: Nein, es wird automatisch erfasst, welche Seiten sie aufrufen. Und da DoubleClick eben nicht nur bei ZEIT online Werbung schaltet, sondern auf vielen Internetseiten, kann das Unternehmen nachvollziehen, welche Seiten man sich wann angeschaut hat.

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Leser-Kommentare

    • 11.03.2008 um 18:14 Uhr
    • maboon

    Derzeit wird alles in diesem Bereich zusammengeworfen und zu einem grauen Brei verkocht den man dann säuberlich mit "Big Brother" beschriftet und hasst. Ein Gutteil dieser sicherlich teils verständlichen Verunsicherung kommt daher das die meisten Menschen schlicht nicht mit diesen Technologien und Angeboten aufwuchsen und diese erstmal per se etwas suspekt und schwer durchschaubar sind dadurch. Diese "Cookies" sind aber z.B. keineswegs Programme sondern einfach kleine "Notizen" die in einem dafür vorgesehenen Verzeichnis des Internet-Programms (z.B. Internet Explorer) abgespeichert werden. Also keineswegs etwas unkontrolliertes, man kann z.B. alle Cookies kategorisch und ausnahmslos blockieren - nur dann hat man bei der Bedienung vieler Webseiten probleme, die können nämlich durchaus nützlich sein (gedacht sind Cookies nämlich eigentlich gar nicht dafür um Nutzern auszuspionieren ;-). Oder man macht es wie ich, aktiviert in den Einstellungen das sämtliche Cookies nach jedem Schließen des Browsers (ich nutze Firefox) gelöscht werden und man hat sich des Problems vollkommen entledigt. Wenn bei jedem Surfen im Netz wieder nur neue Cookies angelegt werden lässt sich auf keinen Fall ein detailiertes Nutzerverhalten und somit ein Profil anfertigen - dafür sind z.B. die 5 Suchbegriffe die ich am Tag in Google eingebe viel viel zu wenig. Außerdem nutze ich auch keinen Dienst von Google wie GMAIL zu dem man sich Registrieren muss, also ist die Verbindung zu mir keine Dauerhafte.Ein anderes und Ernsteres Thema ist der Komplex mit Vorratsdatenspeicherung. Da Politiker und die meisten die nicht mit dem Internet aufwuchsen die Vergleiche zur alten "Offline Welt" so lieben - die aber dennoch leider meist sehr hinken - vergleichen wir eben die Email mit dem Brief. Es gibt keinen Grund warum eine Email nicht den gleichen Schutz erhalten soll. Eine Email und ein Brief sind beide bei geringer krimineller Energie leicht abzufangen und unerlaubt zu lesen. In Briefen und Email wird viel belangloses geschrieben, viel persönliches, viel vertrauliches, Geschäftspost, Liebesbriefe, alles dabei. Auch kann man Briefe aufheben in einer Kiste, oder eben Emails in seiner Mailbox. Und so weiter. Aber man merkt leider oft das Gerichte und Poltiker wirklich dermaßen keine Ahnung vom Internet haben das man sich nur wundern kann das diese Leute sich überhaupt anmaßen so etwas wie die Vorratsdatenspeicherung zu beschließen!

    • 11.03.2008 um 19:41 Uhr
    • iDog

    maboon hat zum teil recht : die email ist natuerlich nicht mit einem brief zu vergleichen , der immerhin dem briefgeheimniss theoretisch unterliegt, sondern sie kommt einer postkarte gleich - die darf von natur aus jeder lesen, und daher wird man damit keine staatsgeheimnisse versenden.

    was die cookies angeht : den browser immer so einstellen, dass hoechstens cookies von der web site empfangen werden, die tatsaechlich aufgerufen wurde, und so verhindern , dass auch alle moeglichen werbeflaechen auf dieser site einen cookie plazieren koennen.

    dieses plazieren wiederum ist der eigentliche knackpunkt , denn es ist durchaus denkbar , dass die daten ( der cookie) nicht direkt von der routine der website auf die lokale festplatte geschrieben, sondern ueber das net angefordet werden. dieser transfer wird wie alles im net protokoliert - die protokolle waeren auswertbar in bezug auf die IP adresse des users - netzugangs. (vielleicht koennte sich ja hier mal ein cookie spezialist zu wort melden.)

    die IP wechselt allerdings bei jeder neuen netzeinwahl des routers oder modems, solange man keine steady IP ( standleitung) benutzt.
    wer also mehr privacy will kann folgende maßnahmen ergreifen :
    1. nach jeder session im net einmal kurz den stecker des routers oder des modems ziehen - eine neue IP wird zugewiesen wenn der router sich wieder einwaehlt - die zeigt zwar in welcher gegend der welt man sich befindet, aber bleibt ansonsten ungenau.

    2. fuer den besuch wirklich wichtiger sites , die man immer wieder besucht und deren volle funktionalitaet zB identifizierung und security man braucht , und denen man auch vertrauen kann - zB online banking - einen zweiten browser instalieren (zB mozilla) und diesen exclusiv fuer diese sites benutzen.

    3. beim surfen in werbebeballerter umgebung das browserverhalten transparent einstellen : vor setzen eines jeden cookies erlaubniss erfragen bzw

    4. wer sich auskennt in den netzeinstellungen des betriebssystems eine weitere "Umgebung" zum surfen erstellen, die ueber einen anonymen Proxyserver lauft - da gibts zwar eine geschwindigkeits einbuße aber im heutigen highspeed dsl auch nicht wirklich gravierend.... voellig anonym. die IPs dieser proxyserver koennen in listen im net gefunden werden.

    vorratsdatenspeicherung von staatsseite halte ich fuer eine vorzuegliche illusion - ich weiss nicht wer sich davon mehr verspricht als imaginaere sicherheit ? in einer paradoxen welt des imaginaeren datenschutzes. Sind das nicht alles konzepte , um einer menge unuetzer beamten den stuhl warmzuhalten ? und den buerger weiter zur kasse zu bitten fuer einen haufen unsinn, den er noch nicht versteht.

    frohes surfen... und passt beim telefonieren auf!

  1. Cookies an sich waren als gute Sache gedacht, dienen aber inzwischen vielfach zum Verfolgen (Tracking) und Spionieren (Data Mining) - so wie es fast alle größeren Anbieter tun.Mit Firefox und den Erweiterungen Adblock (sperrt auch DoubleClick, FalkAG & Co. aus) + NoScript (verhindert die Ausführung von Javascripten) + NoFlash (verhindert das automatische Abspielen von Flash-Werbefilmchen) + CustomizeGoogle (damit wird auch Google weitgehend entschärft) werden Internetseiten wieder übersichtlich, man sieht die wichtigen Inhalte wieder - und vor allem - praktisch keine nervtötende Werbung.Damit wird Surfen auch mit ISDN wieder einigermassen erträglich, ohne diesen ganzen Werbemüll mit herunter laden zu müssen.Falls man das mal gelegentlich abschaltet, verändert sich das Aussehen mancher Webseiten oft in eine gruselige Werbelandschaft, in der man die interessierende Botschaft suchen muss.

  2. 4. 2038

    google speichert jeden click bis 2038. jeden.
    auch für cookies gilt. einmal da immer da. auch nach löschung. vor gut 10 jahren hat das mal ein fachmann (der ich nicht bin) ET genannt.
    phone home.

  3. 5. ach so

    google erfasst ca 30 % des netzes. der rest wird dark web genannt. darüber lese ich wenig.
    um nicht zu sagen garnichts. was passiert da eigentlich? und wie?

    • 12.03.2008 um 9:37 Uhr
    • elm

    Neben der Möglichkeit, Cookies generell zu deaktivieren - mit Ausnahmeregeln für bekannte Webshops, die darauf angewiesen sind - und Browser-Plugins wie Adblock Plus und Customize Google gibt es noch zu beachten: Dauerhafte Daten können auch anderweitig gesetzt werden. Die zwei mir noch bekannten Möglichkeiten sind:
    Flash Cookies
    DOM Storage, z.B. beim Firefox
    Flash Cookies wird man auf zwei Arten los: Das Flash-Plugin entfernen oder über http://www.macromedia.com/support/documentation/de/flashplayer/help/settings_manager03.html die bisher gesetzten Cookies löschen und neue verbieten (Speicherplatz auf Null setzen) - es ist wirklich so: Im Flash-Player selbst gibt es keinen Einstellungen-Dialog zum Deaktivieren.DOM storage wird deaktiviert über den URL about:config und Setzen von: dom.storage.enabled = falseMan ist stets darauf angewiesen, gut informiert zu sein, damit Webbrowser das Aufzeichnen von Spuren verhindern, Private Daten beim Beenden löschen des Firefox', das auch ich benutze, löscht nur die normalen Cookies. Auch die Benutzung von JavaScript und weiteren Plugins ist problematisch, wie man am Flash Plugin sieht: Was die Plugins speichern und ausliefern, darüber hat der Webbrowser keine Kontrolle. Sicher ist nur, wer alle suspekten Plugins deinstalliert.Panikmache ist unsinnig, Informationen zur Abhilfe sind nötig.

    • 12.03.2008 um 9:41 Uhr
    • elm

    @achso: Vermutlich meinst du "Deep Web". Eine Erklärung findest du auf http://de.wikipedia.org/w...

    • 12.03.2008 um 10:55 Uhr
    • kenada

    Oh, mann, mit Ausnahme von elm selten so viel Quark zum Thema anonymes surfen gelesen. Da ich sowas beruflich mache, weiss ich ziemlich genau wovon ich rede und es ist noch viel schlimmer als Herr Schaar befürchtet (jeder Pups wird getrackt-das Problem ist im Moment eher noch das die in ihren Datenmengen ertrinken). Da die Tracking Server in der Regel in USA stehen (z.B. von Omniture, einem der größten Web Analytics Anbieter), sind sie damit auch gleich aus dem Europäischen Rechtsbereich weg, EU-Datenschutzgesetze hin oder her - viel Spass beim Klage erheben in den USA.Es gibt sogar Anbieter die den Traffic aller Benutzer auf den Leitungen der großen ISPs "ablauschen" (Hitwise und Comscore) um dann "anonymisiert" Informationen für Werbetreibende abzuleiten. Da fragt niemand nach dem Einverständnis des Surfers mehr. In den USA alles legal.Zum Glück gibts einfache Lösungen für das Problem, leider werden die da nicht erwähnt sondern nur Panik gemacht.Gut: Cookies nach jeder Session (beim beenden des Browsers) löschenBesser: .hosts Datei installieren, damit landen Anfragen an die Tracking Server (Doubleclick, etc.) im Nirvana und ihr werdet für die tracking server komplett unsichtbar, siehe z.B. hier:http://www.mvps.org/winhelp2002/hosts.htmFiltert auch gleich blöde Werbe-banner und macht das surfen schneller.Fertig.Auf Googlemail aus den genannten Gründen verzichten, da gibts zum Glück jede Menge Alternativen.Gut das Herr Schaar soviel kritisiert, erschreckend dass er das Ausmaß des Problems mangels technischem Hintergrundwissen gar nicht zu kennen scheint, schlimm dass den Leuten nicht einfache Lösungen erklärt werden.

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