Datenschutz Google erfasst das ganze LebenSeite 3/3

Schaar: Der entscheidende Unterschied ist: Wir haben in Europa verbindliche Vorgaben für diejenigen, die Daten verarbeiten. Dazu gehört: Die Daten müssen zum frühest möglichen Zeitpunkt gelöscht werden. Der zweite Punkt ist, dass es in den USA keine unabhängige Datenschutzaufsicht gibt, sondern nur eine Handelsaufsicht, die FTC, die sich ab und zu auch Datenschutzfragen annimmt. Die FTC schreitet also ein, wenn Google ein Datenschutzversprechen nicht einhält. Wenn Google nichts verspricht, kann sie auch nicht sanktionieren. Der dritte Aspekt ist, dass der Nutzer kein Recht hat, Auskunft darüber zu erhalten, was für Daten über ihn gespeichert sind. Und er hat kein Recht auf Berichtigung.

ZEIT online: Die meisten Deutschen sind es ja gewohnt, freiwillig ihr Konsumverhalten zu offenbaren. Ich denke an die vielen Kundenkarten. Worin besteht da die neue Qualität?

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Schaar: Auf Kundenkarten kann ich verzichten. Anders im vorliegenden Fall. Ob DoubleClick mein Surfverhalten protokolliert, bekomme ich gar nicht mit. Und Google, die beste Suchmaschine der Welt, kann ich nur noch mit einigem Aufwand vermeiden. Zudem sind die Daten von denen, die häufig im Internet surfen, deutlich aussagekräftiger als die Daten, die mit Kundenkarten erhoben werden. Daten von Google und DoubleClick zusammen können viel mehr Facetten einer Persönlichkeit abbilden. Auch der Standort des Computers ist nachvollziehbar, und wenn ich mobil ins Internet gehe, wird sogar ein rudimentäres Bewegungsmuster erkennbar.

ZEIT online: Ist unter europäischen Fachleuten bekannt, ob es Datenlecks bei Google gegeben hat oder der Konzern seine Informationen aggressiv an Dritte vermarktet?

Schaar: Ein Leck ist mir nicht bekannt und bei der Vermarktung an Dritte ist Google sehr zurückhaltend. Ich habe auch den Eindruck, dass man sich dort der Gefahr für den eigenen Ruf sehr bewusst ist, falls so etwas passieren würde und bekannt würde. Aber wenn sich immer mehr Daten an einem Ort sammeln, steigt einfach die Gefährdung.

ZEIT online: Was kann man tun, um für sich selbst die Ansammlung persönlicher Daten bei Google zu begrenzen?

Schaar: Nutzen Sie eine Metasuchmaschine. Dann speichert die zwar Ihre Suchanfragen. Aber wenn man Datenbestände trennt, ist das schon ein erheblicher Schutz. Darüber hinaus können Sie noch Sicherheitseinstellungen in Ihrem Internet-Browser vornehmen. Also es so einrichten, dass alle Cookies nach einer bestimmten Zeit gelöscht werden und das einige Arten von Werbung gar nicht zu Ihnen durchkommen. Damit können Sie nicht alles verhindern, aber zumindest Ihre Spur ein bisschen unkenntlicher machen.

Das Gespräch führte Götz Hamann.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 11.03.2008 um 18:14 Uhr

    Derzeit wird alles in diesem Bereich zusammengeworfen und zu einem grauen Brei verkocht den man dann säuberlich mit "Big Brother" beschriftet und hasst. Ein Gutteil dieser sicherlich teils verständlichen Verunsicherung kommt daher das die meisten Menschen schlicht nicht mit diesen Technologien und Angeboten aufwuchsen und diese erstmal per se etwas suspekt und schwer durchschaubar sind dadurch. Diese "Cookies" sind aber z.B. keineswegs Programme sondern einfach kleine "Notizen" die in einem dafür vorgesehenen Verzeichnis des Internet-Programms (z.B. Internet Explorer) abgespeichert werden. Also keineswegs etwas unkontrolliertes, man kann z.B. alle Cookies kategorisch und ausnahmslos blockieren - nur dann hat man bei der Bedienung vieler Webseiten probleme, die können nämlich durchaus nützlich sein (gedacht sind Cookies nämlich eigentlich gar nicht dafür um Nutzern auszuspionieren ;-). Oder man macht es wie ich, aktiviert in den Einstellungen das sämtliche Cookies nach jedem Schließen des Browsers (ich nutze Firefox) gelöscht werden und man hat sich des Problems vollkommen entledigt. Wenn bei jedem Surfen im Netz wieder nur neue Cookies angelegt werden lässt sich auf keinen Fall ein detailiertes Nutzerverhalten und somit ein Profil anfertigen - dafür sind z.B. die 5 Suchbegriffe die ich am Tag in Google eingebe viel viel zu wenig. Außerdem nutze ich auch keinen Dienst von Google wie GMAIL zu dem man sich Registrieren muss, also ist die Verbindung zu mir keine Dauerhafte.Ein anderes und Ernsteres Thema ist der Komplex mit Vorratsdatenspeicherung. Da Politiker und die meisten die nicht mit dem Internet aufwuchsen die Vergleiche zur alten "Offline Welt" so lieben - die aber dennoch leider meist sehr hinken - vergleichen wir eben die Email mit dem Brief. Es gibt keinen Grund warum eine Email nicht den gleichen Schutz erhalten soll. Eine Email und ein Brief sind beide bei geringer krimineller Energie leicht abzufangen und unerlaubt zu lesen. In Briefen und Email wird viel belangloses geschrieben, viel persönliches, viel vertrauliches, Geschäftspost, Liebesbriefe, alles dabei. Auch kann man Briefe aufheben in einer Kiste, oder eben Emails in seiner Mailbox. Und so weiter. Aber man merkt leider oft das Gerichte und Poltiker wirklich dermaßen keine Ahnung vom Internet haben das man sich nur wundern kann das diese Leute sich überhaupt anmaßen so etwas wie die Vorratsdatenspeicherung zu beschließen! 

    • iDog
    • 11.03.2008 um 19:41 Uhr

    maboon hat zum teil recht : die email ist natuerlich nicht mit einem brief zu vergleichen , der immerhin dem briefgeheimniss theoretisch unterliegt, sondern sie kommt einer postkarte gleich - die darf von natur aus jeder lesen, und daher wird man damit keine staatsgeheimnisse versenden.

    was die cookies angeht : den browser immer so einstellen, dass hoechstens cookies von der web site empfangen werden, die tatsaechlich aufgerufen wurde, und so verhindern , dass auch alle moeglichen werbeflaechen auf dieser site einen cookie plazieren koennen.

    dieses plazieren wiederum ist der eigentliche knackpunkt , denn es ist durchaus denkbar , dass die daten ( der cookie) nicht direkt von der routine der website auf die lokale festplatte geschrieben, sondern ueber das net angefordet werden. dieser transfer wird wie alles im net protokoliert - die protokolle waeren auswertbar in bezug auf die IP adresse des users - netzugangs. (vielleicht koennte sich ja hier mal ein cookie spezialist zu wort melden.)

    die IP wechselt allerdings bei jeder neuen netzeinwahl des routers oder modems, solange man keine steady IP ( standleitung) benutzt.
    wer also mehr privacy will kann folgende maßnahmen ergreifen :
    1. nach jeder session im net einmal kurz den stecker des routers oder des modems ziehen - eine neue IP wird zugewiesen wenn der router sich wieder einwaehlt - die zeigt zwar in welcher gegend der welt man sich befindet, aber bleibt ansonsten ungenau.

    2. fuer den besuch wirklich wichtiger sites , die man immer wieder besucht und deren volle funktionalitaet zB identifizierung und security man braucht , und denen man auch vertrauen kann - zB online banking - einen zweiten browser instalieren (zB mozilla) und diesen exclusiv fuer diese sites benutzen.

    3. beim surfen in werbebeballerter umgebung das browserverhalten transparent einstellen : vor setzen eines jeden cookies erlaubniss erfragen bzw

    4. wer sich auskennt in den netzeinstellungen des betriebssystems eine weitere "Umgebung" zum surfen erstellen, die ueber einen anonymen Proxyserver lauft - da gibts zwar eine geschwindigkeits einbuße aber im heutigen highspeed dsl auch nicht wirklich gravierend.... voellig anonym. die IPs dieser proxyserver koennen in listen im net gefunden werden.

    vorratsdatenspeicherung von staatsseite halte ich fuer eine vorzuegliche illusion - ich weiss nicht wer sich davon mehr verspricht als imaginaere sicherheit ? in einer paradoxen welt des imaginaeren datenschutzes. Sind das nicht alles konzepte , um einer menge unuetzer beamten den stuhl warmzuhalten ? und den buerger weiter zur kasse zu bitten fuer einen haufen unsinn, den er noch nicht versteht.

    frohes surfen... und passt beim telefonieren auf!

  1. Cookies an sich waren als gute Sache gedacht, dienen aber inzwischen vielfach zum Verfolgen (Tracking) und Spionieren (Data Mining) - so wie es fast alle größeren Anbieter tun.Mit Firefox und den Erweiterungen Adblock (sperrt auch DoubleClick, FalkAG & Co. aus) + NoScript (verhindert die Ausführung von Javascripten) + NoFlash (verhindert das automatische Abspielen von Flash-Werbefilmchen) + CustomizeGoogle (damit wird auch Google weitgehend entschärft) werden Internetseiten wieder übersichtlich, man sieht die wichtigen Inhalte wieder - und vor allem - praktisch keine nervtötende Werbung.Damit wird Surfen auch mit ISDN wieder einigermassen erträglich, ohne diesen ganzen Werbemüll mit herunter laden zu müssen.Falls man das mal gelegentlich abschaltet, verändert sich das Aussehen mancher Webseiten oft in eine gruselige Werbelandschaft, in der man die interessierende Botschaft suchen muss.

    • Anonym
    • 12.03.2008 um 7:35 Uhr
    4. 2038

    google speichert jeden click bis 2038. jeden.
    auch für cookies gilt. einmal da immer da. auch nach löschung. vor gut 10 jahren hat das mal ein fachmann (der ich nicht bin) ET genannt.
    phone home.
     
     

    • Anonym
    • 12.03.2008 um 7:38 Uhr
    5. ach so

    google erfasst ca 30 % des netzes. der rest wird dark web genannt. darüber lese ich wenig.
    um nicht zu sagen garnichts. was passiert da eigentlich? und wie?

    • elm
    • 12.03.2008 um 9:37 Uhr

    Neben der Möglichkeit, Cookies generell zu deaktivieren - mit Ausnahmeregeln für bekannte Webshops, die darauf angewiesen sind - und Browser-Plugins wie Adblock Plus und Customize Google gibt es noch zu beachten: Dauerhafte Daten können auch anderweitig gesetzt werden. Die zwei mir noch bekannten Möglichkeiten sind:
    Flash Cookies
    DOM Storage, z.B. beim Firefox
    Flash Cookies wird man auf zwei Arten los: Das Flash-Plugin entfernen oder über http://www.macromedia.com/support/documentation/de/flashplayer/help/settings_manager03.html die bisher gesetzten Cookies löschen und neue verbieten (Speicherplatz auf Null setzen) - es ist wirklich so: Im Flash-Player selbst gibt es keinen Einstellungen-Dialog zum Deaktivieren.DOM storage wird deaktiviert über den URL about:config und Setzen von: dom.storage.enabled = falseMan ist stets darauf angewiesen, gut informiert zu sein, damit Webbrowser das Aufzeichnen von Spuren verhindern, Private Daten beim Beenden löschen des Firefox', das auch ich benutze, löscht nur die normalen Cookies. Auch die Benutzung von JavaScript und weiteren Plugins ist problematisch, wie man am Flash Plugin sieht: Was die Plugins speichern und ausliefern, darüber hat der Webbrowser keine Kontrolle. Sicher ist nur, wer alle suspekten Plugins deinstalliert.Panikmache ist unsinnig, Informationen zur Abhilfe sind nötig.

    • elm
    • 12.03.2008 um 9:41 Uhr

    @achso: Vermutlich meinst du "Deep Web". Eine Erklärung findest du auf http://de.wikipedia.org/w...

    • kenada
    • 12.03.2008 um 10:55 Uhr

    Oh, mann, mit Ausnahme von elm selten so viel Quark zum Thema anonymes surfen gelesen. Da ich sowas beruflich mache, weiss ich ziemlich genau wovon ich rede und es ist noch viel schlimmer als Herr Schaar befürchtet (jeder Pups wird getrackt-das Problem ist im Moment eher noch das die in ihren Datenmengen ertrinken). Da die Tracking Server in der Regel in USA stehen (z.B. von Omniture, einem der größten Web Analytics Anbieter), sind sie damit auch gleich aus dem Europäischen Rechtsbereich weg, EU-Datenschutzgesetze hin oder her - viel Spass beim Klage erheben in den USA.Es gibt sogar Anbieter die den Traffic aller Benutzer auf den Leitungen der großen ISPs "ablauschen" (Hitwise und Comscore) um dann "anonymisiert" Informationen für Werbetreibende abzuleiten. Da fragt niemand nach dem Einverständnis des Surfers mehr. In den USA alles legal.Zum Glück gibts einfache Lösungen für das Problem, leider werden die da nicht erwähnt sondern nur Panik gemacht.Gut: Cookies nach jeder Session (beim beenden des Browsers) löschenBesser: .hosts Datei installieren, damit landen Anfragen an die Tracking Server (Doubleclick, etc.) im Nirvana und ihr werdet für die tracking server komplett unsichtbar, siehe z.B. hier:http://www.mvps.org/winhe...Filtert auch gleich blöde Werbe-banner und macht das surfen schneller.Fertig.Auf Googlemail aus den genannten Gründen verzichten, da gibts zum Glück jede Menge Alternativen.Gut das Herr Schaar soviel kritisiert, erschreckend dass er das Ausmaß des Problems mangels technischem Hintergrundwissen gar nicht zu kennen scheint, schlimm dass den Leuten nicht einfache Lösungen erklärt werden.

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