Dollarturbulenzen Ringen um Gleichgewicht
Die Regierungen der Welt müssen zusammenarbeiten, um den Dollar zu stützen, fordert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Doch eine Kooperation ist nicht in Sicht. Ein Interview
ZEIT online:
Die Notenbanken sollen Dollar kaufen, um die taumelnde US-Währung zu stützen, fordern Sie schon seit Langem. Warum?
Peter Bofinger:
Die Dollarschwäche schadet unserer Wirtschaft, weil die exportorientierten Firmen in Bedrängnis kommen. Die Bremsspuren spürt man ja schon seit einiger Zeit. Wenn etwa BMW als Unternehmen, für das der amerikanische Markt sehr wichtig ist, Tausende Personen entlässt, hat das mit dem schwachen Dollar zu tun.
ZEIT online:
Sie sagen aber auch, für die Verluste des Dollars sei hauptsächlich der große Unterschied zwischen den europäischen Leitzinsen und den US-Zinsen verantwortlich. Wäre es da nicht einfacher, die Europäische Zentralbank senkte ihre Zinsen, um den Dollar zu stabilisieren und zugleich unsere Konjunktur zu stützen?
Bofinger:
Dagegen spricht die herrschende Inflation. Zudem übersteigen solche Zinsschritte üblicherweise nicht das Maß von 0,5 Prozentpunkten – in der gegenwärtigen Situation hilft das nicht viel.
ZEIT online:
Aber es wäre ein Signal. Manchmal beruhigt schon das die Märkte.
Bofinger:
Ich frage umgekehrt: Am Devisenmarkt Dollars aufzukaufen ist kein unübliches Instrument einer Notenbank. Warum lässt man es ungenutzt?
ZEIT online: Der Dollar fällt wegen der hohen Zinsdifferenz zwischen den USA und Euroland, und weil die Anleger kein Vertrauen mehr in die amerikanische Wirtschaft haben. Er ist die Leitwährung der Welt; viele Notenbanken halten noch hohe Dollarreserven. Was würde geschehen, wenn beispielsweise China seine Bestände auf den Markt wirft, statt Dollars zu kaufen, wie Sie es fordern?
Bofinger:
Ich halte das für keine realistische Gefahr. China hat so hohe Dollarreserven, dass der von einem Verkauf ausgelöste Kursverfall dem Land selbst schaden würde. Das wissen die Chinesen auch. Viel wahrscheinlicher wäre, dass kleine Länder, etwa in Lateinamerika, Afrika oder Asien, ihre Dollars in eine härtere Währung umtauschen. Werfen sie ihre Devisen alle zugleich auf den Markt, stürzt der Dollar noch weiter ab. Die Politik müsste versuchen, mit diesen Ländern ein Abkommen zu treffen, damit das nicht passiert. Doch bislang gibt es keinerlei Anzeichen für eine solche Kooperation. Alle schauen nur auf die USA und hoffen, dass Amerika seine Schwierigkeiten selbst in den Griff bekommt. Einen eigenen Beitrag zur Stabilisierung der Lage aber möchte niemand leisten. Das ist fast schon pathologisch.
- Datum 17.03.2008 - 11:05 Uhr
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Die Initiative zur Stabilisierung des US-Dollars muß natürlich von der US-amerikanischen Politik ausgehen. Folgende Maßnahmen wären hilfreich:
1) Mehr Budgetdisziplin. Ende der exzessiven Ausgabenpolitik (Irak-Krieg, Militärausgaben, Raumfahrtprogramme, etc.), Ende der ideologischen Steuersenkungen. ("Voodoo-Ökonomie").
2) Weniger Konsum im Ausland, Abbau des Doppeldefizits
3) Rückkehr zu einer seriösen Zins- und Währungspolitik. Anstatt durch abstrus niedrige Zinsen eine potemkinsche Scheinwirtschaft aufzublasen (zuletzt die Immoblienblase), hätten die USA eben schon in den vergangenen Jahren lieber auf ein paar Wachstumsprozente verzichten müssen.
4) Verzicht auf zynische Politikeräußerungen, denen zufolge "Defizite keine Rolle spielen" (Reagan/Cheney), oder daß die "Notenbank Geld drucken kann, soviel sie will" (Als Antwort auf die Frage, wie lange es sich die Zentralbauch noch leisten kann, kollabierende Großbanken "gesundzuspritzen".
5) Verzicht auf eine Wachstumspolitik, die wesentlich auf Kapitalimport beruht.
Natürlich würde eine Rezession in den USA oder ein weiterer FAll des Dollarkurses auch der europäischen bzw. der Weltwirtschaft schaden.
Aber andererseits kann es ja auf Dauer nicht angehen, daß die übrige Welt mit ihren Steuergeldern die amerikanische Voodoo-Politik finanziern soll.
Wenn die Schwellenländer in Lateinamerika oder Ostasien Probleme haben, kriegen sie aus Washington ja auch immer ein knallhartes Maßnahmenpaket diktiert.
Anonsten gilt:
--- Auf der Welt ist halt nix umsonst ("There is no free lunch")
--- Das alles regelt der Markt.
--- In God we Trust.
dass $2=1Euro den Amerikanern nicht passt? Ich bin der Meinung, sie wuerden es begruessen (wie man es anderswo hier in der ZEIT lesen kann).
Sie, die Amerikaner, sind an ihren Arbeitsplaetzen interessiert und benuetzen den $Kurs, um Stellen zu behalten oder neu zu schaffen.
Im Freien Markt gehoert die Waehrungspolitik doch zu dem "erlaubten" Werkzeug des Staates. Nein?
Warum auch nicht?
Das Thema wird gerade salonfähig gemacht:http://www.worldnetdaily....Mit Stützungskäufen vergrößern wir höchstens noch die Profite von Firmenverästelungen der:1. Rothschildbanken in Paris und London2. Lazard Brothers Bank in Paris3. Israel Moses Seif Bank in Italien4. Warburg Bank in Amsterdam und Hamburg5. Lehmann Bank in New York6. Kuhn Loeb & Co. Bank in New York7. Rockefellers Chase Manhatten Bank in New York8. Goldman Sachs Bank in New York.den Anteilseignern der US-Notenbank. http://www.zeit-fragen.ch...______________________________________
Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
John Pilger's "War on Democracy"
http://youtube.com/result...
Was Sie da vorschlagen, ist wohl reines Wunschdenken. Glauben Sie im Ernst, die Bush Administration kommt jemals auf solche Ideen. In einem Artikel vom 14.3 las ich wieder einmal, wie Bush die Vitalität der USA preist, und wie groß sein Vertrauen in die Banken ist. Mehr kann man, glaube ich nicht von diesem Menschen erwarten. Für die Millionen seiner Landsleute hat er nur "mitfühlende Worte" parat. Seine Finanzspritze war auch nur ein Strohfeuer.Solitaire
Mein Beitrag (Nr.1, ganz oben) wurde bisher sehr schlecht bewertet.
Woran liegt das?
Was ist an meiner Argumentation falsch? Es geht mir nicht um gute Bewertungen -- ich möchte nur gerne mit den Vertretern der Gegenmeinung ein wenig diskutieren.
Zu Solitaire100: Von Bush ist so ein Kurswechsel natürlich nicht mehr zu erwarten. Aber bald sind ja Wahlen, und die USA haben in ihrer Geschichte schon öfter radikale Kurswechsel vollzogen.
Ich darf Sie aufklaeren, Herr Meier. Es gibt in diesem Forum eine clique von Amerikanern und Neo-Amerikanern, die alles Negative ueber die USA mit ihren Einser-Sternchen begluecken. Nicht einmal ignorieren!
Sie haben wohl noch nie von der Allianz, der Deutschen und Dresdner Bank gehoert?
Oder UBS?
Oder Societe Generale?
Oder den deutschen Landesbanken?
Das erklaert ueber Sie vieles.
Die EU könnte, wenn sie denn wollte, über den Ministerrat in der ECOFIN-Formation einen Bandbreiten-Wechselkurs zum US-Dollar festlegen. Da Stützungskäufe meist nur Spekulanten anziehen (s. die EWS-Krise 1992), sollte stattdessen auf die Annäherung der kurzfristigen Zinsen in den USA und der Eurozone hingewirkt werden. Die EZB ist zwar unabhängig, müsste sich aber einer Wechselkurspolitik der EU unterordnen.Eine internationale Verständigung, wie sie Herr Bofinger vorschlägt, sollte darauf abzielen, dass Länder wie China und Russland einen Teil ihrer Devisen in Infrastruktureinkäufe in den USA investieren. Damit würde die US-Binnenwirtschaft gestützt, China könnte einen Teil seiner Devisen wertneutral umtauschen und schließlich könnte sogar eine Aufwertung des USD dadurch unterstützt werden.
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