Finanzkrise Fed schaltet Turbo zu

Die US-Notenbank kämpft mit allen Mitteln gegen die Finanzkrise an und senkt die Zinsen. Doch das weckt auch Ängste: vor der Inflation und neuen Blasen

Er ist der Mann der Stunde. Auf Ben Bernanke lastet so viel Verantwortung wie auf kaum einem seiner Vorgänger. Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve soll die Finanzmärkten vor dem Absturz bewahren, eine gefährliche Kreditklemme entschärfen und eine Rezession in den USA bekämpfen, die droht, den Rest der Welt in die Konjunkturflaute zu treiben. Und das alles im Vorfeld einer aufgeheizten Präsidentschaftswahl .

Am Dienstagabend versuchte der 54-Jährige seinen jüngsten Befreiungsschlag. Bernanke und seine Notenbanker beschlossen, die Leitzinsen auf einen Schlag um weitere 75 Basispunkte zu senken. Damit liegt der Leitzinssatz jetzt bei 2,25 Prozent. Es war schon die sechste Zinssenkung der Fed seit September. So radikal und schnell hat kein US-Notenbankchef in der jüngeren Geschichte die Zinsschraube gelockert.

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"Die Fed hat den Turbo zugeschaltet", kommentierte David Rosenberg, Chef-Ökonom für Nordamerika bei Merrill Lynch, den Zinsschritt in seiner jüngsten Studie. Bernanke hat das abschreckende Beispiel Japans vor Augen. Eine Bankenkrise stürzte das Land in den neunziger Jahren in eine zehn Jahre andauernde Rezession. Deshalb hat der Notenbankchef es nicht bei Zinsschnitten bewenden lassen. Er hat Fed-Instrumente aus den dreißiger Jahren wiederbelebt und neue dazuerfunden.

Bernanke bot an, dass die Kreditinstitute ihre Hypothekenpapiere, für die es wegen der Immobilienkrise keinen funktionierenden Markt mehr gibt, bei der Zentralbank hinterlegen können und gegen US-Staatspapiere tauschen. Seine jüngste Kreation trat zu Wochenbeginn in Kraft - und hat historische Bedeutung. Erstmals dürfen Investmentbanken und Brokerhäuser direkt an das sogenannte Discount-Fenster der Fed herantreten und um Refinanzierung bitten. Bisher war das den Geschäftsbanken vorbehalten, deren finanzielle Gesundheit von der Fed direkt überwacht wird.

Für die Investmentbank Bear Stearns kam der Rettungsring jedoch zu spät. Spekulationen über die Zahlungsfähigkeit hatten das 85 Jahre alte Wall-Street-Haus vergangene Woche in die Schieflage rutschen lassen. Die Fed war besorgt, dass ein Kollaps von Bear Stearns als einem wichtigen Mitspieler auf den internationalen Derivatemärkten eine Kettenreaktion bei den Banken auslösen könnte. So fädelten die Zentralbanker eine indirekte Unterstützung durch die Großbank JP Morgan Chase ein. Keine 24 Stunden später übernahm JP Morgan das angeschlagene Brokerhaus schließlich für nur 2 Dollar pro Aktie.

Das Manöver hat der Fed heftige Kritik eingetragen: "Solche Deals zu machen ist nicht die Aufgabe der Fed. Das Ganze sieht nach einer Panikreaktion aus", rügt Robert Auerbach, Finanzprofessor an der University Austin Texas und einst beratender Ökonom des Bankenausschusses des Repräsentantenhauses. "Niemand weiß, welche Folgen diese Eingriffe langfristig haben werden."

Leser-Kommentare
  1. Anfänglich zögerte man, Bernankes kühle Kalkulationen ernst zu nehmen, die sich so drastisch von seinem wortreichen Vorgänger unterscheiden, durch dessen zu drastische Leitzinssenkung auf 1% die Hypothekenkrise eskalierte.  Bernanke, der sein Leben der Untersuchung solcher Krisen widmete, hat jetzt Gelegenheit, seine Erfahrungen anzuwenden. 
    Im Gegensatz zu unrichtigen deutschen Presseberichten brachte er es fertig, alle bisherigen Maßnahmen durchzuführen, ohne neues Geld zu drucken.

  2. Durch die in diesem Jahr eingeleiteten Maßnahmen um die Finanzkrise zu überwinden stellen sich bei mir die Fragen: Warum werden Investmentbanken ohne Rücksicht auf Verluste am Leben erhalten ? Warum dürfen(können?) diese Unternehmen nicht einfach wie in jeder anderen Branche Pleite gehen ?Warum bezahlt der einzelne Mitbürger(durch Leitzinssenkung) die Fehler der Finanzhäuser ?Die Finanzbranche erscheint mir aus der Sicht des Arbeitnehmers als interessante Branche bei der man mit sehr hohen Risiken spielen darf, aber jeder größere Fehler den man begeht durch die Gemeinschaft abgefangen wird.

  3. ... ein neues Beispiel für das Grundgesetz des Kapitalismus: Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste.Alle sind gleich, nur manche sind gleicher. Je reicher, desto gleicher."Wir können doch keine so große und wichtige Bank Pleite gehen lassen, das wird die Märkte erschüttern!"Daß viele Menschen in diesem Land (wie übrigens auch in den USA) jedes Jahr in die Pleite getrieben werden, das erschüttert keinen.Der Affe fällt nicht weit vom Stamm.

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