Börse Steinbrück fürchtet "große Krise"

Der Finanzminister warnt vor Auswirkungen der US-Bankenkrise auf "andere Teile der Welt". Derweil bekommen erste Bank-Manager Angst und rufen nach der Politik

Angesichts der dramatischen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) das Krisenmanagement der USA begrüßt. "Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte zu tun." Diese drohe auch andere Teile der Welt in Mitleidenschaft zu ziehen. Er sei froh, dass es in den USA zu Maßnahmen gekommen sei, um diese krisenhafte Zuspitzung einzudämmen, sagte Steinbrück am Dienstag in Potsdam.

"Wir in Deutschland sind sehr stark darauf angewiesen, die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, den jeweiligen Bankenverbänden und Bankeninstituten so dicht zu halten, dass wir die Folgewirkungen in Deutschland minimieren können", sagte Steinbrück. Es sei eine Frage des Krisenmanagements. "Ich bin froh, dass das bisher funktioniert hat."

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Auswirkungen auf die Realwirtschaft könnten nicht verleugnet werden, sagte Steinbrück, betonte aber auch, die ökonomischen Fundamentaldaten in Deutschland seien in Ordnung. Die wichtige Nachricht sei, dass die "deutsche Volkswirtschaft robuster aufgestellt ist, als die amerikanische". Es bestehe Anlass zu der Annahme, "dass wir aus der krisenhaften Zuspitzung besser hervorgehen, als es in den USA der Fall ist".

Zuvor hatte Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann gewarnt, er glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann in Frankfurt. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Ackermann rief zu gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen.

Nach Auffassung des Deutsche-Bank- Chefvolkswirts Norbert Walter wird die Finanzkrise bis weit ins Jahr 2009 anhalten. "Vor Ende 2009 werden die Turbulenzen nicht zu Ende sein", sagte Walter und fügte hinzu: "Wir brauchen die Neuordnung und eine Neubesinnung auch bei den Regulatoren der Finanzmärkte." Die Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise sei "verfrüht" gewesen. "Die Ereignisse in den USA und ihre Auswirkungen auf das Vertrauen der Anleger sind zu gewichtig."

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, rechnet damit, dass die anhaltende Krise zu einer tiefgreifenden Neustrukturierung des Finanzwesens führen wird. "Wir müssen damit rechnen, dass eine nachhaltige Bereinigung und Konsolidierung im Finanzsystem stattfindet", sagte Heise und verwies auf den Notverkauf der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns. "Die Kredithebel, die im Finanzsystem in den vergangenen Jahren entstanden sind, werden gewaltig zurückgefahren. Das ist eine notwendige Korrektur." Dieser Prozess werde länger dauern.

 
  • Quelle ZEIT online
  • Quelle dpa
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