Vorbei seien die Zeiten der Deregulierung, der Privatisierung, der Steuerkürzungen, des verstärkten Wettbewerbs und der „Reformen“ im Wirtschafts- und Sozialsystem (am umstrittensten war und ist die sogenannte „Hartz IV“-Reform mit der Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe). Fortan gehe es wieder um soziale Gerechtigkeit, Umverteilung, Steuererhöhungen, höhere Löhne und Renten, um ein „Ende der Zumutungen“ ganz allgemein.

Nach einem Jahrzehnt der steigenden Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und quälender Reformdebatten und Reformen ist der Aufschwung endlich da. Die Wirtschaft schreibt ein kräftiges Wachstum, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Steuereinnahmen sprudeln wieder. Jetzt muss der Aufschwung nur noch bei allen ankommen.

Nun sind höhere Renten und Löhne, ein mehr an Bildungsinvestitionen, mehr Geld für Kinder und deren Betreuung, für Arbeitslose und sozial Schwache, für eine modernere Infrastruktur und für den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft angesichts des aktuellen Bedarfs alles andere als unbillige Forderungen.

Und wer das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Spitzeneinkommen und dem durchschnittlichen Verdienst der Beschäftigten in Rechnung stellt, der wird sich zu Recht ernste Sorgen um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft machen.

Verstärkt wird diese Tendenz noch durch das eklatante Führungsversagen Einzelner in den Spitzen der Wirtschaft: Steuerhinterziehung und Steuerflucht, nach oben offene, zweiprozentige Einkommenssteigerungen für Unternehmensvorstände, Abfindungen in zweistelliger Millionenhöhe für teure Versager in den Chefetagen etc. tragen zu dieser desintegrativen Entwicklung noch weiter bei.

Es fühlen sich in Deutschland mehr und mehr Menschen trotz des Aufschwungs benachteiligt, ja bis weit hinein in die Mittelschicht, trotz Arbeit vom sozialen Abstieg bedroht.