Comics Gegen den StrichSeite 2/2

Die Reprodukt-Verleger haben durchaus eine Vorliebe für das autobiografische Erzählen. „Wenn wir Robert Crumb als Vorreiter betrachten und danach etwa die Hernandez-Brüder mit Love & Rockets nennen, sind wir mit Mawil und Line Hoven mittlerweile schon bei der dritten Generation von Autoren angelangt, die dieses Genre betreibt. Es kann im Comic gut umgesetzt werden, weil sich Autobiografisches besonders dicht erzählen lässt.“

Trotz der guten Medienresonanz auf das Programm zieht der Markt noch nicht mit. Comics haben es schwer im konventionellen Buchgeschäft. So verdingt sich Rehm nebenbei immer noch bei größeren Verlagen als Beschrifter von Sprechblasen. „Weniger um den Verlag zu finanzieren, der trägt sich mittlerweile selbst, vielmehr um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir verkaufen von Jahr zu Jahr etwas mehr und zahlen mittlerweile 2000 Euro im Monat an Gehältern aus. Immerhin. Es ist noch Selbstausbeutung, aber in geringerem Maße als es mal war.“

Dennoch: Rehm sieht optimistisch in die Zukunft. Das Comic-Genre könnte von den sich wandelnden Wahrnehmungsgewohnheiten profitieren. „Ich glaube, dass sich die Gesellschaft durchs Internet auf das Visuelle ausrichten wird. Man lässt sich nicht mehr auf längere Texte ein, sondern wählt das Kurze, Präzise und den optischen Reiz.“ Möglicherweise wird die Graphic Novel das hohe Absatzzahlen verheißende Genre der Zukunft? Vielleicht ist es keine zufällige Koinzidenz, dass neuerdings auch klassische Literaturverlage wie Kiepenheuer & Witsch oder S. Fischer Comics in ihre Programme nehmen.

 
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