Merkel in Israel Merkel und die israelischen Erwartungen

Keine Frage: Bundeskanzlerin Merkel ist in Israel beliebt. Doch erwarten die Israelis von Deutschland mehr Handlungen als Worte - vor allem in der Iran-Frage

Als Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag den roten Teppich betrat, der für sie auf dem Flughafen Ben Gurion ausgerollt worden war, hatten die deutsch-israelischen Beziehungen bereits einen langen Weg hinter sich gebracht. Anlässlich ihres dreitägigen Besuchs erinnerten die hiesigen Medien an die einst starken Widerstände gegen die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen. „Nur über meine Leiche“, hatte sich in den fünfziger Jahren der Oppositionspolitiker Menachem Begin gegen Gespräche mit Deutschland über die sogenannten Wiedergutmachungszahlungen gewehrt, die Ministerpräsident David Ben Gurion dann aber doch führte.

Und genau jenem Ort, an dem diese ersten Kontakte dann trotz aller Proteste begannen, stattete Angela Merkel dann zum Auftakt einen Besuch ab. Gemeinsam mit Israels Präsidenten Shimon Peres flog sie in Ben Gurions Zuhause in der Negew-Wüste. Beide saßen sie in den Sesseln, in denen damals Ben Gurion und Konrad Adenauer miteinander gesprochen hatten. „Hier haben die Gespräche mit dem neuen Deutschland begonnen“, erinnerte Peres. „Ein anderes Deutschland.“

Anzeige

50 Jahre später wird Angela Merkel am Dienstag als erste deutsche Regierungschefin überhaupt eine Rede in der Knesset halten – auf Deutsch. Sie habe es nicht verlangt, wurde aber darum gebeten. Manchen Israelis, für den diese Sprache immer noch vor allem an den Holocaust erinnert, ist das durchaus zu viel des Guten. Klar sei Merkel heute eine gute Freundin, argumentieren sie höflich im Radio, aber deshalb hätte man dennoch auf diesen Auftritt verzichten können. Mehr Protest allerdings wird es diesmal wohl kaum geben. Denn es steht außer Frage, dass Angela Merkel in Israel populär ist.

Dass Ministerpräsident Ehud Olmert von ihr eingenommen ist, lässt sich unschwer an seiner Körpersprache erkennen – die persönliche Chemie stimme zwischen den beiden, heißt es immer wieder. „Merkel hat eine Biografie“, sagt der ehemalige israelische Botschafter in Berlin, Shimon Stein. Gemeint ist ihre DDR-Vergangenheit, ihr Kampf um Demokratie und Freiheit, der glaubwürdig ankommt, und ihr Blick auf den Holocaust.

Auf ihrem Programm am Montag steht ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, später führt sie politische Gespräche unter anderem mit Ehud Olmert. Ein Thema wird dabei einen zentralen Stellenwert einnehmen: die iranische Gefahr. In Israel ist man davon überzeugt, dass Berlin in dieser Sache ein zentrale Rolle spielen könne und sollte – denn ansonsten wären alle emphatischen Freundschaftsbeteuerungen ja nur Lippenbekenntnisse. „Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Deutschland der Angelpunkt sein könnte, an dem der Kampf zwischen dem iranischen Schurkenregime und der freien Welt entschieden wird“, schreibt die Jerusalem Post.

Leser-Kommentare
    • colca
    • 17.03.2008 um 13:23 Uhr

    Warum betreibt Frau Dachs hier derart penetrant Werbung für eine rechtslastige Zeitung wie die "Jerusalem Post"? Wenn in deren Redaktionsstuben von so einem Unsinn wie dem globalen Kampf des Freien Westens - zählt sich da das Besatzung betreibende Israel eigentlich dazu? - gegen das iranische Schurkenregime phantasiert wird ist es eine Sache. Diesen Quark aber auch noch unkommentiert in der ZEIT breitzutreten eine ganz andere.Zumal diese Sicht ebenso simpel wie falsch ist. Selbst in der JP kann man da diefferenzierte Töne wahrnehmen, z.B. wenn Frau Livni zitiert wird - http://www.jpost.com/serv...Zitat:"...Livni went on to say that this perceived weakness
    was liable to lead to a dramatic change in the region, with moderate
    Arab states trying to form closer ties with Iran..."ZitatendeMerke: Die Isolation des Irans ist längst nicht so fortgeschritten und unumstritten, wie sich die veröffentlichte Meinung im Westen das gern herbeischreibt. Außerhalb der NATO und ihrer engsten Verbündeten sieht man das Iranproblem sehr viel gelassener - also bei etwa 90% der Menschheit.

  1. Frau Merkel reist also nach Israel um den Israelis zum eingeschlagenen Weg zu gratulieren. Nun ist das ein Weg, der Israel in den letzten Wochen Dutzende unschuldige Palästinenser ermorden lies als Reaktion auf einen - weitestgehend wirkungslosen - Raketenbeschuss, der auch nur das Resultat israelischer Gewaltpolitik ist. Wie das so ist, erinnere ich mich - natürlich rein zufällig - an Merkels Grillabend mit Bush, ihre vielen Anbiederungsbesuche in Washington und auch Olmerts Besuch in Berlin, das er mit Taschen voll deutscher Steuergelder als 'Industrieförderung' verliess, um noch mehr Palästinenser töten zu können. Nun fragt man sich doch - woher kommt Merkels Affinität zu Kriegsverbrechern? Es ist ja schön, das Israel  Ahmadinedschad von Merkel als Aufhetzer zum Völkermord gegeiselt sehen möchte, aber während sich Ahmadinedschad der Aufhetzung zweifellos schuldig macht, BEGEHT Israel einen Völkermord und besitzt auch noch die Frechheit, diesen mit 'Sicherheitsinteressen' rechtfertigen zu vollen, obwohl die Sicherheit, nach der Israel strebt, von den Folgen der eigenen Vertreibungs- und Apartheitspolitik bedroht wird und es vorallem die Palästinenser sind, die darunter leiden. Ist Frau Merkel nun zu dumm und zu naiv, das zu verstehen, oder ist es ihr einfach völlig egal? Vielleicht findet man die Anwort ja in Merkels zum Glück gescheiterten Versuch, Deutschland als treuer Vasall der USA in Bushs Irakkrieg zu hetzen.Als die letzte Bundesregierung versuchte, sich bei den Israelis anzubiedern, hat es uns U-Boote im Preis von DREI MILLIARDEN Euro gekostet, mit den Israel nichts besseres zu tun hatten, als sie mit Atomraketen zu bewaffnen. Gleichzeit finanziert der deutsche Steuerzahler aber auf die humanitäre Unterstützung für die Palästinenser, um die schlimmsten Auswirkungen des israelischen Apartheitssystems abzufangen. Wieviel wird uns DIESER Besuch einer bundesregierung in Israel wohl kosten und welche Waffen wird Israel wohl davon kaufen?

  2. ... formuliert doch ein bisschen mainstreamtauglicher, sonst bin ich morgen wieder allein im Forum :-(Erlaubt sind z.B. so Formulierungen wie "...stehen uneingeschränkt zum Existenzrecht Israels (und jeglichen daraus abgeleiteten Aktionen)...".Das passt auch besser zur Politik des Westens:Politik gegen geltendes Rechtimmerhin steht internationale Diplomatie über so popeligen Sachen wie der Genver Konvention.

  3. Jüngst hatte der israelische Verteidigungsminister Interesse an weiteren zwei U-Booten bekundet, allerdings sofort eingeschränkt, daß man sich über die "Finanzierung werde einigen müssen". Ich habe so einen sehr konkreten Verdacht wie diese Einigung aussehen könnte und es würde mich kaum wundern, wenn diese Einigung mehr kostet als etwa die Erhöhung der Renten um 1,2% oder die Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Bürger über 55 usw.Es ist mir tatsächlich und auch sehr nachhaltig unverständlich, wieso wir Israel und seine mindestens fragwürdige Politik so bedingungslos unterstützen. Was haben wir von der "engen Freundschaft" zu einem Land, welches nichtmal die Wirtschaftskraft von Hamburg hat und ohne die jährliche Rüsungshilfe aus den USA und den unregelmäßigen Spenden deutscher Wehrtechnik überhaupt nicht überleben könnte? Was sollte das auch für eine "enge Freundschaft" sein, in der einer immer den moralischen Zeigefinger hebt und der andere in Demut sein Haupt senkt. Das hat nichts mit Freundschaft zu tun und ich bestreite mit Nachdruck, daß es aufgrund historischer Entwicklungen überhaupt etwas wie Freundschaft geben kann. Sei´s drum, wir brauchen Israel nicht und machen uns durch diese fortdauernde Anbiederung nur der Komplizenschaft in einem fragwürdigen Konflikt mitschuldig.

    • plamen
    • 17.03.2008 um 15:20 Uhr

    [Dieser Kommentar wurde geloescht. Bitte fangen Sie an, sachlich zu diskutieren. /Die Redaktion pt.]

  4. Geht´s noch, Plamen?

  5. ach HansJoachim44 ... lass Plamen doch plappern - jeder äussert sich halt, wie er kann und Plamens Grenzen sind offenkundig recht zügig erreicht. Wenn er Kritik an der israelischen Besatzungspolitik nutzen muss, um seine eigene kleine Abrechnung mit Ostdeutschland zu machen, weil auch er auf die Lügen der Kohlregierung hereingefallen ist, dann soll er das doch tun. Es ist natürlich erheiternd zu wissen, dass er den Ostdeutschen zwar die staatliche Notunterstützung missgönnt, aber dabei völlig ausblendet, dass es Kohl war, der die ostdeutschen Arbeitsplätze zum Nulltarif an seine Industriekumpels verschenkt hat, die selbstverständlich nichts besseres zu tun hatten, als diese zu vernichten, um ja keine Konkurrenz aufkommen zulassen. Es ist doch immer wieder herrlich, wie leicht der eingefleischte CDU-Mitläufer seine eigene Asozialität entlarvt, wenn er Ostdeutschland zwar raubtierkapitalistische Zustände zumutet, aber für die sozialen Folgen nicht mit aufkommen will.Das für ihn das Morden Israels bar jeder Kritik ist, verwundert da nicht wirklich ... und so wendet sich Plamen halt gegen jene, die er vermeindlich leicht treffen kann. Nicht etwa Israels Politik ist zu hinterfragen, sondern einfach dessen Kritiker zu diffamieren. Das dabei den ja immerhin muslimischen Palästinensern noch gleich mit eins ausgewischt wird, ist wohl zudem ein Schmankerl, das dass Plamens islamophobes Herz ein wenig höher schlagen lässt.[Auch an Sie: Bitte unterlassen Sie persoenliche Beleidigungen, bleiben Sie sachlich. /Die Redaktion pt.]

    • plamen
    • 17.03.2008 um 16:44 Uhr

    dann soll er die Statistik vor Augen führen, dass im Land der Kollektivgeschädigten nicht weniger Babys zum Opfer des beinahe zum Volkssport gewordenen Babytötens gefallen sind, als von den Folgen des Kindesmißbrauchs als menschliche Schutzschilder durch arabische Terrorbanden.Ja, und unter Kritik versteht man in der freien Welt was anderes als revolutionäres Komissar-Vokabular.Und wenn einem nichts weiteres einfällt, dann eignet sich der "islamophobe" Textbaustein besonders gut, obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass ich je gegen Muslime oder "dem Islam" was gesagt haben sollte.Aber vielleicht ist es jetzt die richtige Zeit, denn die Gemeinsamkeiten zw. Ostdeutschen und Islamisten sind so umfassend (kollektiv beleidigt, nichts aus der Geschichte gelernt, anfällig für Totalitarismus, etc.), dass es für Beiden gilt: Ihr habt verloren! Lernt aus der Geschichte, hört auf zu jammern (terrorisieren) und macht das beste aus der Gegenwart![Unterlassen Sie bitte diese haarstraeubenden Vergleiche. /Die Redaktion pt.]

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service