TibetBis zu Ende kämpfen

Die verschiedenen Gruppe von Exiltibetern organisieren aus Indien den Widerstand gegen China - manche beginnen, die gewaltlose Strategie des Dalai Lama zu kritisieren von Britta Petersen

Jeden Morgen ab neun Uhr versammeln sich an Delhis Jantar Mantar – einem astronomischen Observatorium aus dem 18. Jahrhundert – Hunderte junger Tibeter zum Hungerstreik. Ein stiller Protest, der lange unbemerkt blieb.

Doch seit einigen Tagen ist alles anders. Seit die chinesische Regierung vergangene Woche brutal gegen Demonstranten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa vorging und ein friedlicher Protestmarsch von der indischen Regierung gestoppt wurde, ist die Wut groß unter den Tibetern. 65 Mitglieder des „Tibetan Youth Congress“ wurden gestern in Delhi verhaftet, als sie bei einer Demonstration vor der chinesischen Botschaft Steine auf das Gebäude warfen.

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„Wir wissen nicht, wie viele Tibeter schon von den Chinesen getötet wurden, es können 150 sein oder mehr. Aber die Bewegung muss weitergehen. Jeder Tibeter hat die Pflicht, sich für die Freiheit seines Landes und den Erhalt unserer Kultur einzusetzen“, sagt Kunchok Yangpel, Sprecher des „Tibetan Youth Congress“ in Delhi. Die Jugendorganisation ist bekannt dafür, dass sie der Politik des Dalai Lama, die auf gewaltfreien Protest gegen die chinesische Herrschaft in Tibet und auf Autonomie statt Unabhängigkeit setzt, skeptisch gegenübersteht. Doch der „Youth Congress“ ist nicht mehr allein.

„Jeder hat großen Respekt vor dem Dalai Lama als geistigem Führer. Aber nach mehr als 50 Jahren Besatzung haben die Leute einfach genug. Seine Politik der Gewaltlosigkeit hat nichts gebracht“, sagt Tarini Mahta von der Organisation „Friends of Tibet“. Die Gruppe ist nur eine von zahlreichen Organisationen in Indien, die sich für die Sache Tibets starkmachen.

Im vergangenen Jahr beschlossen verschiedene Gruppen von Exiltibetern, darunter der „Tibetan Youth Congress“, die „Tibetan Women’s Organization“, die „Gu-Chu-Sum Movement“ für politische Gefangene, „Students for a Free Tibet“ und die „National Democratic Party of Tibet“ die bevorstehenden Olympischen Spiele in Beijing als Gelegenheit zu nutzen, gegen die Besatzung ihres Landes und die andauernden Menschenrechtsverletzungen in Tibet zu protestieren. Sie rufen deshalb zum Boykott der Spiele auf.

Mehr als 100.000 Tibeter leben im Exil in Indien. Die meisten von ihnen sind in der einen oder anderen Gruppe engagiert. In Delhis Tibeterviertel Maju Ka Tila haben seit einer Woche aus Protest gegen die chinesische Politik alle Geschäfte geschlossen und auch der Tibetische Markt am Janpath, einer beliebten Einkaufsmeile für Touristen, ist verweist. „Wir können nicht so tun, als sei nichts passiert. Das sind die größten Proteste seit 20 Jahren. Wir sollten erst aufhören, wenn wir unser Land zurückhaben“, sagt Neema, Betreiberin eines Reisebüros in Maju Ka Tila.

Leserkommentare
  1. 'Seit die chinesische Regierung vergangene Woche brutal gegen Demonstranten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa vorging' steht oben ohne Anführungszeichen.-Wie inzwischen immer klarer wird, ist diese Behauptung ein Propagandamärchen.  http://kommentare.zeit.de... Wirklichkeit war es umgekehrt. Die Chinesen versuchten es erstmals besser zu machen, haben nicht auf Demonstranten geschossen. Die Demonstranten aber haben sich in einen Gewaltexzess hineingesteigert, bei dem Menschen starben.http://www.stern.de/polit... aufgestaute, berechtigte Wut macht sich Luft in grenzenlosem Hass. Es wächst eine Protestgeneration heran, die auszuarten scheint in extremistische Gewalt, und mit ihren Aktionen jede Chance auf Verbesserung für Tibet zu zerstören droht.-Der Dalai Lama hat das sehr richtig erkannt und versucht mit aller Kraft gegenzusteuern: http://www.zeit.de/online... hoffe, dass ihm das gelingt. Behalten alle Seiten Augenmaß, dann hat Tibet angesichts von Olympia vielleicht gute Chancen auf Verbesserung.-Martin Berger

  2. .http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7302654.stm.1. Dalai Lama said:."Violence is against human nature,""We should not develop anti-Chinese feelings. We must live together side by side.""If you want to start investigating from here you are most welcome. Check our various offices.".I totally agree..2. Mr Wen Jiabo said the Dalai Lama's claim of "cultural genocide" in Tibet was "nothing but lies"..I also agree. Dalai Lama isn't always right..3. The Dalai Lama has called for an end to violent protests in Tibet,
    denying claims by China that he was responsible for the unrest..I believe he is innocent of the unrest..

  3. @2 danke Guinnungagap - ich versuche mal zu übersetzen:-1. Der Dalai Lama sagt:"Gewalt widerspricht der Natur des Menschen", "Wir sollten keine Anti-Chinesischen Gefühle entwickeln, denn wir müssen Seite an Seite zusammen leben."An China: "Wenn Sie sich vergewissern wollen, ob meine Absichten friedlich sind, dann sind Sie herzlich eingeladen in meinen Büros eine Untersuchung durchzuführen, ob es irgendwelche Belege für unfriedliche Aktivitäten gibt."...3.Der Dalai Lama hat seine Landsleute aufgerufen, gewalttätige Proteste in Tibet zu beenden,und weist darauf hin, dass er solche Proteste nie befürwortet hat und (mangels Einflussmöglichkeit) auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann.------Beim Punkt 'Cultural Genozide' = 'Kultureller Völkermord' geht es offenbar darum, dass die Tibeter sich teilweise einer derart starken Überfremdung ausgesetzt sehen, dass sie sich teilweise als Fremde im eigenen Land fühlen. Hierbei geht es natürlich nicht um 'Mord' im Wortsinn, sondern um das 'wieviel' des Fremdeinflusses. Da viele Chinesen nur durch 4x höheres Gehalt dazu bewegt werden können, in dem Hochland Tibet zu arbeiten, sollten aber bei Autonomieverhandlungen Kompromisse in dieser Frage möglich sein.

  4. Gewalt erzeugt eigentlich Gegengewalt, aber wie man im Falle der Palaestinenser sieht bekommen Sebstmordattentaeter mehr Unterstuetzung als friedliche Demonstranten. Anmerkungen zu 2@ : Wenn das so waere wieso werden dann alle auslaendischen Journalisten ausgewiesen und eine Zensur der Nachrichten verhaengt. Dies bestaetigen selbst die chinesischen Nachrichten. Nur wer was zu verbergen hat handelt im Geheimen und Verdeckten. Es ist gut das ihr nun handelt Tibeter und auch wenn die Welt versucht wegzuschauen, einige tuen es nicht und auf die kommt es an. In diesem Jahrhundert wird China fallen, ob mit Blut in der Welt oder ohne. Die Anhaenger der linientreuen Kommunisten werden fuer ihren Verat an den Menschen teuer bezahlen. Auch wenn viele Atheisten sind und nicht an etwas danach glauben heisst das noch lange nicht dass sie Recht haben. Die Opfer warten immer auf ihre Moerder und sterben muesst ihr alle irgendwann. Wir warten auf euch.

  5. Gewaltlosigkeit erreicht immer etwas, vielleicht ist es so leicht nicht erkennbar. Bist du Buddhist? Dann weißt du doch, dass Gewalt schlimmes Karma erzeugt, auch in diesem Leben. Also verschlechtern sich die Verhältnisse dadurch rapide. Außerdem legt man dem Gegner dadurch jedes Argument in die Hand. Wirf einen Stein, und dein Feind fängt zu lächeln an.@Martin142:Da du ja 142 Hände besitzt, um zu tippen, bist du vielleicht eine Inkarnation des Tausendarmigen Chenrezig, eine Form von Kuanyin?Guckst Du hier:http://www.tibet-hamburg.... Fakten, die vor ca. 20 Jahren von AI gesammelt wurden. Und in der Zwischenzeit hat sich kaum etwas verändert!

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  • Schlagworte Tibet | Indien | Besatzung | China | Exil | Lama
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