Tibet “China müsste den Dialog suchen”
Statt mit Gewalt auf die Proteste in Tibet zu reagieren, sollte Peking Gesprächsbereitschaft zeigen, sagt Robert Barnett, Direktor für Moderne Tibetische Studien an der Columbia Universität in New York. Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Ein Interview
ZEIT online: Wie bewerten Sie die Unruhen in Tibet?
Robert Barnett: Die Aufmerksamkeit richtet sich natürlich vor allem auf Lhasa, die schreckliche Gewalt dort am Freitag und die massiven Reaktionen der Sicherheitskräfte. Aber wirklich bedeutsam ist, dass die Unruhen Teil einer Protestwelle auf dem gesamten tibetischen Hochplateau sind. Demonstrationen gibt es nicht nur in der sogenannten „Autonomen Region Tibet“. Das ist ungewöhnlich und scheint darauf hinzudeuten, dass es den Tibetern nicht nur um religiöse und kulturelle Freiheiten geht, sondern um fundamentale Fragen der chinesischen Politik in den tibetischen Gebieten.
ZEIT online: Geht es um Unabhängigkeit?
Barnett: Viele der Demonstranten fordern die Unabhängigkeit und schwenken die tibetische Flagge. Das ist mutig und sehr riskant. Das letzte Mal, während der schweren Unruhen vor knapp 20 Jahren, wurden dafür Leute erschossen. Aber ich denke, wenn die chinesische Regierung ganz praktische Zugeständnisse machen würde, würden die Menschen das akzeptieren. Den Menschen in Tibet geht es nicht in erster Linie um ihren völkerrechtlichen Status. Sie möchten das Recht haben, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Die chinesische Regierung wird das Land nur zusammenhalten können, wenn sie dieses Problem angeht.
ZEIT online: Haben die Proteste Sie überrascht?
Barnett: Niemand hätte in seinen kühnsten Träumen geglaubt, dass die Menschen in Tibet dieses Risiko eingehen. Mich überrascht es überhaupt nicht, dass sie demonstrieren wollen, aber das Ausmaß der Gewalt kam völlig unerwartet. Sicher, es gab immer schon Ressentiments gegen den Zuzug von mehr und mehr Han-Chinesen nach Tibet. Aber Anzeichen für diese Art von persönlichem Hass waren nicht erkennbar. In der Vergangenheit richtete sich die Kritik immer ganz deutlich gegen die Regierung in Peking - wenn Leute überhaupt wagten, Kritik zu üben.
- Datum 01.04.2008 - 04:18 Uhr
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"Wenn man stattdessen den Dialog suchen würde, wäre das eine Chance für das neue China, international respektiert zu werden..."Werden sie doch auch jetzt schon (nur nicht geliebt, aber wer braucht das schon, wenn er MACHT hat?). Geld um "respektiert" zu werden, haben sie mittlerweile genug, noch dazu hat sich der Rest der Welt in freiwillige Abhängigkeit zur chinesischen Warenwirtschaft begeben und die militärische Aufrüstung läuft sicher auch bereits. Demnächst werden sie auch noch durch die Olympiade geadelt.Spätestens seit es in der deutschen Politik als faux pas gilt den allseits beliebten und friedlichen Dalai Lama zu empfangen, ist doch klar wie der Hase läuft. Die Büttel des internationalen Finanzkapitals haben auch sofort lauthals bestätigt, dass eine Absage der Olympiade nicht in Frage kommt, schon gar nicht einseitig (wo kämen wir da hin! Rückgrat zeigen, wozu?). Menschen gibt es schliesslich genug in China, da sind die Kollateralschäden an tibetischen Separatisten doch wirklich kaum der Rede wert. Immerhin verunglücken in China mehr Leute in der Stunde in internationalen Fabriken und kaum gesicherten Großbaustellen, als in Tibet an einem Tag niedergeschossen werden können...
wenngleich mich schon der Verdacht beschleicht das die Chinesen mit der westlichen Welt Katz und Maus spielen. Die Chinesische Führung nimmt uns ans Gängelband und scheint es nicht nötig zu haben einen Dialog zu führen der in etwa unseren Westlichen Werten entspricht (Gut eventuell müssen wir auch versuchen Sie und Ihr System besser zu verstehen), zu wollen scheint Sie es auch nicht. Wie gesagt es gibt keine Alternative zum friedlichen Dialog. Weltweite Brandherde haben wir schon genug. Und eben diese Brandherde scheinen ja auch zuweilen schon die Volkswirtschaften zu bedrohen oder sehe ich das falsch (Beispiel USA) ....
Der Dialog muss geführt werden aber bitte Konsequent und ohne Erpressungspotential ..... Nicht Umsatz und kurzfristiges Geschäft um jeden Preis mit dieser Volkswirtschaft China. Da ist den auch schon mal Verzicht und Beschränkung angesagt sonst lässt uns China weiterhin am Gängelband der hochbelasteten unter unmenschlichen Arbeitbedingen hergestellten Billigprodukte Zappeln .........
"..... Nicht Umsatz und kurzfristiges Geschäft um jeden Preis mit dieser Volkswirtschaft China."Was schert die Wirtschaft bzw das Kapital in Europa, der USA oder Russland die Tibeter oder Menschenrechte im allgemeinen. Das einzige was das Kapital interessiert ist die Vermehrung von Kapital, wie barbarisch auch immer. Das Internationale Olympische Komitee ist ja auch nicht mehr als ein verkommener Wirtschaftsverein das dem Geld nachlaeuft, anders ist es nicht zu erklaeren das die olympischen Spiele in China stattfinden, in einem Land in dem es noch nicht einmal eine freie Presse gibt, von der Besetzung Tibets und anderen Missstaenden ganz zu schweigen.Ich kann mir ausmalen was passieren wuerde wenn das Olympische Komitee Kuba oder Venezuela als Austragungsort der olympischen Spiele verkuendet haette. Der verlogene Westen wuerde auf die Barrikaden steigen wenngleich Kuba und Venezuela zusammen weit weniger am Kerbolz haben als China, die USA oder Russland.Aber das wird ohnehin nicht passieren, denn das IOC folgt ja bekanntlich der Kohle.
Bevor ein Dialog möglich ist, müßte erst einmal die gegenseitige Schuldzuweisung überwunden werden.-Die Chinesen beschweren sich ja darüber, dass ihnen die Schuld für den
aktuellen Gewaltausbruch in die Schuhe geschoben wird, obwohl diesmal
kein Demonstrant von der Polizei erschossen, sondern im Gegenteil
Chinesen von radikalen Tibetern verbrannt worden sind.
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Egal wie viele Fotobeweise es dafür geben mag, hier will ihnen das kaum jemand glauben.
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Also soll China doch bitte dem Vorschlag des Dalai Lama zustimmen: Ein
paar neutrale Leute sollen sich vor Ort schnell ein erstes Urteil
darüber bilden, was wirklich geschehen ist und die Weltöffentlichkeit
über die Wahrheit informieren. Wenn stimmt, was China sagt, kann China
dabei nur gewinnen.
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Gleichzeitig würde dadurch das Bewußtsein wachsen, dass gemäßtigte
Kräfte eine Lösung vorantreiben müssen, statt den Radikalen das Feld zu
überlassen.
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Für beide Seiten wäre es eine gute Gelegenheit, über ihren Schatten zu
springen und aufeinander zuzugehen. Wenn ich richtig informiert bin,
war ein Kopromiss schon mal ganz nah, bei dem Tibet eine lebenswerte
Autonomie innerhalb von China möglich geworden wäre.-Olympia wäre ein guter Anlass für neue Autonomiegespräche.-Martin Berger
Erschreckend ist, was man diese Tage jetzt in allen BLOGs liest, die Lagerbildung, die Entladung von Ängsten in fast schon agressiver Ablehnung. Das Problem ist klar und überall auf der Welt nun mal ein Problem: Überall dort wo eine "Zentralregierung" einer Bevölkerungsgruppe Tradition und Historie nehmen will, die Freiheit zur Selbstbestimmung verwehrt, über all dort gibt es Spannungen, Proteste, Gewalt. Tibet reiht sich in die bekannten Fälle - Kurdistan, Baskenland, oder ganz lokal in Deutschland das Deutsch-Dänsiche Grenzgebiet. Verwundert? Ja, denn Nordschleswig ist ruhig, kein Terror, keine Demos, trotz einer Minderheit, trotz Nachteilen (Sprache). Aber eben kein Problem, da Ihnen Rechte und Mitbestimmunggegeben wurde, sie dürfen eigene Schulen, eigene Partei, eigene Sprache haben. Darum ist es ruhig!
Was fehlt Tibet? Freiheit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmtheit. Schön wäre es, wenn China - mal der eigenen Weisheit (in zig Kalendersprüchen zu finden) folgen würde. Ruhe bewahren, Dialog suchen und klare Grenzen setzen, die Bevölkerung akzeptieren. Im Moment gibt es keine weiße, keine Schwarze Seite, sondern zwei Seiten die mit politischen Mitteln ihre Ziele durchsetzen wollen, auch Demonstranten führten Schlagstöcke auf beiden Seiten, beide Seiten kämpfen. Eine Seite ist uns sympathisch, die schwache, die aufbegehrende und unterdrückte Seite, die andere nicht.
Eine Lösung? Druck auf China und Tibet/Dalai Lama! Nicht Gewalt, sondern Dialog, eine Klärung. Wobei in einem Riesenstaat wie China es fraglich ist, ob zu viel "Sonderrechte" funktionieren, vielleicht braucht ein so großes Land wirklich weniger Freiheit um regierbar zu sein. Vielleicht sind deshalb "Riesenstaaten" auch immer zum Scheitern verurteilt, da sie zwangsweise unterdrücken und deshalb zwangsweise Unruhen heranziehen.
Was können wir tun? Druck auf China ausüben, mit allen Mitteln, das heißt kulturell, wirtschaftlich, politisch. Aber auch die Freiheit geben eine eigene Lösung zwischen Tibet und China zu entwickeln, denn diese beiden Parteien sollen eine tragfähige und akzeptierte Lösung finden. Denn nur eine solche Lösung verheißt das Ziel: Frieden!
Ja, eine neutrale Untersuchung waere dringend geboten, aber das wird das chinesische Regime wohl zu verhindern wissen."Für beide Seiten wäre es eine gute Gelegenheit, über ihren Schatten zu
springen und aufeinander zuzugehen."Sie sind scheinbar nicht auf dem Laufenden, denn sie brauchen den Tibetern wahrlich nicht zu erklaeren das sie ueber ihren eigenen Schatten springen sollen, das ist schon sehr zynisch was sie hier sagen. Die Tibeter und der Dalai Lama werden seit dem chinesischen Einmarsch in Tibet verarscht. China spielt auf Zeit, in der Hoffnung das sich das Tibet Problem mit dem Tod des Dalai Lama von selbst loest.Der Gewalttaeter in Tibet ist China. China als Opfer tibetischer Agression darzustellen entbehrt jeder Grundlage und ist einfach laecherlich!
Nach chinesischer Darstellung hat die dortige Polizei keinen Demonstranten erschossen, sondern sich zumindest am ersten Tage zurückgehalten, während radikale Tibeter stundenlang brandschatzend durch die Straßen zogen und Häuser anzündeten, in denen Menschen verbrannten.-Das Verbrennen von Menschen kann ich im Gegensatz zu @6 nicht 'lächerlich' nennen.-Nachdem nicht nur Chinesische Quellen, sondern auch ein Reporter des englischen Economist (http://www.economist.com/...), die Darstellung als Augenzeuge weitgehend bestätigt hat, bleibe dabei, dass eine neutrale Untersuchung dringend geboten ist.-Eine solche Untersuchung wäre sicher auch ein guter Anfang für einen Dialog, den ich durchaus für aussichtsreich halte.-Nur wenn Radikale die Oberhand gewinnen, welche Tibet gleich ganz herauslösen wollen aus dem Chinesischen Staat, was aussichtslos ist und von keinem Land dieser Welt unterstützt wird, dann wird es wohl leider weiter Mord und Totschlag geben.-Martin Berger
Ja, China ist ganz eindeutig der Aggressor in der Region, aber wir reden hier nicht von der Erstürmung von Parteizentralen und verprügelten Funktionären, sondern von misshandelten und zum Teil, zumindest angeblich, verbrannten ethnischen Chinesen, denen nur anzulasten ist, dass sie der Pekinger Aufforderung gefolgt sind, sich in Tibet eine Existenz aufzubauen.Die Tibeter haben Grund, wütend zu sein, aber es gibt keinen Grund, die Wut an Unschuldigen auzulassen. Man kann ein Joch auch anders abschütteln, die Geschichte beweist es. Es hat doch auch in Indien mal geklappt. Es hat nicht gehalten, aber immerhin... was hatte Gandhi, was dem Dalai Llama fehlt? Oder mangelt es den Tibetern an etwas? Fakt bleibt aber, dass die Chinesen in Lhasa so viel zu suchen haben wie die Deutschen in Paris, und dass die derzeitige Form tibetischen Widerstands nicht angemessen ist.
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