Tibet "Der Dalai-Lama soll zurückkehren"

Nach dem massiven Einsatz der chinesischen Sicherheitskräften bleibt die Angst in der tibetischen Bevölkerung groß. Aus Lhasa berichtet Kristin Kupfer

Am Tag drei nach den gewalttätigen Protesten bemühen sich die Bewohner von Lhasa um Normalität. Die chinesische Militärpolizei hat die Straßensperren größtenteils aufgehoben und viele Geschäfte haben geöffnet. Doch bleibt der Jokhang Tempel im Osten Lhasas – neben den drei Klöstern Sera, Deprung und Ganden in der Nähe der Stadt – von der chinesischen Militärpolizei umzingelt.

Auf dessen Vorplatz steht eine Hundertschaft von Sicherheitskräften mit Gewehren zwischen Panzern und Militärlastwagen. “Separatismus ist eine Gefahr”, “Harmonie und Stabilität in Ehren halten” steht auf Plakaten. Wer sich dem Platz nähert, wird mit erhobenem Maschinengewehr zum sofortigen Rückzug aufgefordert.

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Eine alte Tibeterin in purpurner Tracht schaut den jungen Militärpolizisten fassungslos an. Sie hat Tränen in den Augen. “Warum können wir nicht zu unserem Tempel”, murmelt sie, “ich verstehe nichts mehr.” Eine Frau läuft vorbei. “Hier haben sie so viele von uns getötet”, ruft sie klagend in die hohen Gassenwände, “es ist schrecklich.” Sie legt die Hand auf die Augen und verschwindet hinter einer Hausecke.

Die Tibeter ringen um Fassung angesichts des Schreckens der vergangenen Tage. Etwa 100 Menschen sind nach Angaben der tibetischen Exilregierung ins nordindischen Dharamshala ums Leben gekommen. Von einem “kulturellen Genozid” spricht der Dalai Lama.

Die Bilanz der chinesischen Behörden fällt dagegen nüchtern aus. Tote stehen nicht mal an erster Stelle. “56 Autos sind ausgebrannt, 13 unschuldige Menschen sind verbrannt oder erschlagen worden, 14 Polizisten und 6 Militärpolizisten sind schwer verletzt, an 300 Stellen und in 214 Läden hat es gebrannt”, so zitiert die Nachrichtenagentur Xinhua den Vorsitzenden der autonomen Region Tibet, Xiang Baping, am Montag. Und es waren die Demonstranten, die äußerst brutale Maßnahmen angewendet haben, sagte Xiang.

Leser-Kommentare
  1. Noch vor einigen Tagen gab es eine Schlagzeile in zeit.de, dass "Die chin. Regierung macht die Grenze Tibets dicht" . Ich moechte besonders die Schlagzeile betonen: " Auslaender raus". Und jetzt kann ein Zeit-Journalist aus Tibet berichten. Ist das eigentlich nicht ein Widerspruch??? wie kann "die Zeit" ihre Glaubwuerdigkeit beweisen, BITTE???

  2. Lieber kiautschou,meiner Ansicht nach ist die deutsche Tagespresse nicht angetreten um täglich ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen. Offene Weltbürger sind froh über jede Meldung aus dem von Han-Chinesen mit Terror, Mord und Lügen überschwemmten Tibet. Also liebe ZEIT, bitte nehmt das Elend unserer tibetischen Freunde nicht von Seite eins. Dieses geschundene Volk hat nur wenige Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen und dem chinesischen Aggressor etwas entgegenzusetzen. Deswegen ist es gerade Aufgabe der "Freien Welt" diesem seit nahezu 50 Jahren unterdrücktem Volk durch intensive und nicht abbrechende Berichterstattung zu helfen.

  3. Tibet heute aktuell, Heiligendamm oder WEF in Davos in nicht all zu ferner Vergangenheit......geprügelt, mit Wasser und Reizgas bekämpft oder sogar getötet werden diejenigen die die herschenden Ungerechtigkeiten und/oder ein unliebsames Diktat von oben beenden oder verändern wollen......einfach, wer da ein Heer aus Kämpfern kommandieren kann um die ungeliebten Anfänge von Veränderung im Keim zu ersticken. Die macht über üblichen Propagandamittel sind der Einfacheit halber auch gleich unter der gleichen Kontrolle......leider geht das Hinterfragen und die darauf folgenden Aktionen oft einigen wenigen zu sehr an den Kragen. Verlust von Investitionen und Besitz und einigen anderen Dingen die, für viele Menschen nicht mittelbar, wichtig sind drohen... ...interessant das die meisten Länder "irgendeinen" Freiheitskämpfer erwähnen, der ewige Nationalheld aus mehr oder weniger ferner Vergangenheit ohne den das Land nicht exisitieren würde. Ausnahmslos wurde auch da gegen herrschende Ungerechtigkeiten einer Herrschenden Klasse gekämpft der man sich nicht mehr unterordnen wollte... und es wird gefeiert, zum Nationalfeiertag... Mir tun nicht nur die Tibeter leid... ... und, wir alle müss(t)en nicht unbedingt nur bei Tibet Fragen stellen...

  4. Konkretes Unrecht braucht konkrete Benennung. Leider gibt es viel zu viel Unrecht auf dieser Welt, aber genau deswegen sollte man das, was in gerade in Tibet passiert (und es wird in den nächsten Tagen sicherlich noch viel Schlimmeres geschehen !!) nicht durch solche "allgemeinen Weisheiten" verwässern. Tibet braucht die Aufmerksamkeit der westlichen Welt jetzt und das intensiv.Tashi delek!

  5. Eigentlich sind alle Menschen gleich, manche eben sind ein wenig gleicher. Der Herr Lamai spricht vom " kulturellen Völkermord", es wird von all unseren wenig erleuchteten Journalisten mit großen Augen weiter gegeben . In Afrika, ob Dafur oder anderswo wird auf einem ganzen Kontinent täglich gemordet und gebrandschatzt. Dafür interessiert sich bei uns wahrleich kein " Schwein". Wenn im Tibet 10 oder zwanzig Menschen getötet werden, was schlimm genug ist, geht in den USA und Europa ein Geheul los, das ist lächerlich.

  6. Sollte es den Han-Chinesen und der VRChina um die Freiheit und den Wohlstand in Tibet gehen, dann würden sie sofort Verhandlungen mit dem Dalai Lama aufnehmen und versuchen, die Tibeter durch eine sinnvolle Übergabe der von ihnen besetzten Kolonie Tibet wieder frei zu lassen. Aber wie kann man das von einem Land erwarten, in dem es selbst schwerste Repressionen gibt. Man denke an das Massaker auf dem Tienamen-Platz. Diktaturen sind einfach ekelhaft, auch wenn sie wirtschaftlich erfolgreich sind. Das eigentliche Desaster ist es aber, dieser ekelhaften Diktatur durch die olympischen Spiele eine Plattform zur Darstellung zu geben. Das erinnert fatal an 1936.

  7. http://www.reuters.com/news/video?videoId=78226&newsChannel=newsOne.A very special news report.Thank some UK media.German media ...No comments..

  8. @keentied: Wie würden Sie den die systematische Vergewaltigung und Zerstörung einer unserer Weltreligionen (wenn man den Buddhismus als Religion und nicht als Lebensphilosophie ansehen kann) benennen? Und wenn Ihnen dieser "kulturelle Genozid" so egal ist, dann tut es mir für Sie rechlich leid. Offenbar scheinen Sie keinerlei Vorstellungen davon zu haben, was in den letzten 50 Jahren in Tibet passierte und was zur Zeit da passiert. Welcher Tibeter nimmt denn - Ihrer Meinung nach - für sich in Anspruch "gleicher" zu sein? Wenn damit der Dalai Lama gemeint sein sollte, dann empfehle ich Ihnen einfach mal Interviews mit ihm zu lesen oder seine Bücher zu lesen. Ach so ich vergass, diese Interviews werden ja i.d.R. von  "... unseren wenig erleuchteten Journalisten mit (den) großen Augen ..." geführt ....

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