Blutiges Chaos in Lhasa

Ein weiterer Informant berichtete, es seien mehr als zehn Mönche festgenommen worden. Auf der Suche nach geflüchteten Mönchen durchkämme die Polizei Wohnhäuser. Am Potala-Palast, der einstigen Winterresidenz des Dalai Lama, seien Panzer aufgefahren. Chinesische Einwohner berichteten, die Proteste richteten sich gegen sie. Sie seien aufgefordert worden, ihre Häuser nicht zu verlassen. "Es ist sehr chaotisch, überall Rauch und Polizei", hieß es bei Chinesen in Lhasa. In anderen Berichten war davon die Rede, dass Tibeter und muslimische Händler mit Steinen und Messern aufeinander losgegangen seien.

Die Ausschreitungen konzentrierten sich auf den Platz vor dem berühmten Jokhang-Tempel und den Barkor genannten Pilgerweg. Neben Mönchen seien auch Studenten und andere Tibeter auf dem Platz gewesen, als die Gewalt eskalierte, berichtete eine Augenzeugin. Die Demonstranten hätten die dort gehisste chinesische Flagge eingeholt. »Sie trampelten mit den Füßen auf der Fahne herum.»

Um die Unruhen in den Griff zu bringen, wurde ein Großaufgebot von Sicherheitskräften mobilisiert. Der Flughafen von Lhasa stand nach Angaben von Reisenden unter Militärkontrolle. Es könnten keine Flugtickets gekauft werden, um Tibet zu verlassen, obwohl nicht alle Sitze in Maschinen ausgebucht seien, berichtete eine Reisende.

Die chinesische Zensur blockierte daneben alle Fernsehberichte über die Unruhen, die der amerikanische Nachrichtensender CNN und die britische BBC über Satellit nach China ausstrahlten. Sobald der Bericht anfing, wurde der Bildschirm schwarz und der Ton war weg.

Auch in der Stadt Sangchu sind anscheinend tausende Menschen auf die Straße gegangen. Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) mit Sitz im nordindischen Dharamsala teilte mit, zunächst hätten in Sangchu rund 50 buddhistische Mönche vom Labrang-Tashikyil-Kloster demonstriert. Sie hätten die verbotene tibetische Flagge gezeigt und Unabhängigkeit für Tibet gefordert.

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Leser-Kommentare

  1. wie lange muß dieses Volk in ihrer "Knechtung" durch die chinesischen Besetzer noch Leid und Unterdrückung ertragen?Wo ist die "demokratische" westliche Welt, die enormen wirtschaftlichen Handel unter dieser Schande im 21 JHd betreibt, wo?Wann endlich werden Personen in "Entscheiderpositionen" begreifen, dass es "im Namen der Menschlichkeit" einfach kein wegsehen und weghören geben darf.Wann, wenn nicht jetzt, insbesonders vor der Olympiade, die Zeit ist längst hierzu reif und überfällig.Warum begreifen die "skupellosen Unterdrücker der Welt" nicht, dass es noch nie eine langfristige Unterdrückung gab, auch in Tibet nicht, genauso wie anderswo.....Aber was sind Menschen?, was trennt?, was könnte verbinden?Nicht auszuhalten, der Gedanke, was für Synergien und Energien auch in der Wirtschaft möglich wären, gäbe es ein friedliches Neben und Miteinander:Wer wagt von unseren Politikern und Wirtschaftsbossen die "Stimme und Hand" zu erheben?....Alles Gute TibetKlaus Drescher

  2. 2. mmh

    ahh, endlich. ich dachte schon die alten betroffenheitswutzen müßten in ermangelung anderer möglichkeiten endlos durchs dorf getrieben werden. aber nein, endlich eine stattliche, wenn auch nicht ganz neue sau im galopp. die ganze nächste woche werden sich die medien gegenseitig mit berichten über das ach so große unrecht überschlagen. selbstverständlich werden auch unsere politiker pflichtgemäß entsetzt sein über das vorgehen des chinesischen gewaltmonopols und den östlichen regierungsvertretern entschieden ihr mißfallen ausdrücken. ein paar zermatschte tibeter weinen uns aus von der bbc gekauften fernsehbeiträgen entgegen (unsere medien sind garantiert mal wieder nicht vor ort, weil das geld schon zum polieren von bruces glatze oder dem einkauf für kerners kochshows oder anderen mummenschanz verplempert wurde) und das heulen und zähneklappern wird kein ende zu finden scheinen. ganz wagemutige drohen garantiert mit dem boykott der olymischen spiele. dann bittet ein zerknirscht wirkender wen jiabao zum tee, hände werden geschüttelt und die kameras abgeschaltet. das dann stattfindende donnerwetter mit der warnung verträge zu stornieren, keine airbusse, waffen oder gottweißwas nicht mehr einzukaufen in verbindung mit der drohung iran fortan mehr zu unterstützen läßt den geladenen demokratievertretern die ohren schlackern, bis alle dumm lächelnd vor die presse treten um eine einigung ohne verbindliche details zu verkünden.alle reisen stolz ob ihrer heldentaten zurück ins jeweilige hundsmiserabel regierte eigene land um sich feiern zu lassen, aber das ermorden und verschwinden lassen von dissidenten, menschenrechtlern, die unterdrückung freier presse geht ohne beobachtung oder unterbrechung weiter. von problemen in den eigenen ländern ist erfolgreich eine woche abgelenkt. mehr war überhaupt nicht sinn der übung.war da nicht irgendwas in birma (myanmar) vor kurzem?

    • 14.03.2008 um 18:33 Uhr
    • alezzo

    Dieser Bericht ist eine Schande für diese Zeitung, denn der Author beruft sich im Wesentlichen auf zwei Quellen: Radio Free Asia(ideologischer Radiobomber aus Washongton D.C.) und Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD), welches von National Endowment for Democracy (NED) massiv unterstützt wird. Objektiver Journalismus mit freundlicher Unterstützung von den USA...

  3. Konrad Hao

    Deutschland und China die durch den Empfang des Dalai Lama<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
    im Kanzleramt ausgelöste Eiszeit mittels Geheimdiplomatie war vor zwei Monaten beendet.
    Bedauerlicherweise weiß niemand, wie weit die Bundesregierung hinter den
    Kulissen der Regierung in China entgegenkommen musste.

    Bedauerlich ist auch , dass Steinmeier und seine Diplomaten gezwungen waren,
    sich ausdrücklich hinter Pekings Position der "Ein-China-Politik" zu
    stellen. Die Bundesregierung darf sich das Drängen auf Einhaltung der
    Menschenrechte freilich nicht abkaufen lassen.

    Leider zahlt Merkel einen hohen Preis für den "Ein-China-Politik" - der
    freien Menschen in Tibet sowie in Taiwan.

    Dennnoch Chinas Anti-Abspaltungsgesetz berechtigt die Regierung ausdrücklich „nicht friedvolle Mittel“ anzuwenden, wenn Taiwan oder Tibet Anspruch auf Unabhängigkeit erhebt.

    Heute, 14. März, ist gerade der dritte Jahrestag der Verabschiedung der sognannten „Anti-Abspaltungsgesetz“

    Was passiert heute, 14. März 2008, bei Aufruhe und Tote in Lahasa, wundern niemand ,und ist ein guter Beweis, dass deutsche “wertegebundenen Aussenpolitik“ mal realisieren und den Kotau sofort stoppen sollte.


    Mit freundlichen Grüßen

    Konrad Hao
    Hamburg






  4. Die Han-Chinesen sind einfach nur Besatzer und Opfer ihrer Gier. Dass sie nun im Jahr der Olympiade in Peking der Welt vorgeführt werden, ist ja fast schon ein Beleg für die karmische Wirkung ihres schlechten Verhaltens.
    Gesichtslos werden die Führer der VRChina bleiben und nie das fröhliche und wohlbekannte Gesicht des Dalai Lama haben.
    Die tibetische Kultur und der tibetische Buddhismus werden weltweit geachtet, geschätzt und auch gepflegt. Sicher wird die tibetische Kultur die Han-Chinesen-Tyrannei überdauern und im Schneeland wieder heimisch werden.

  5. Warum soll es eine Schande sein, Radio Free Asia zu zitieren?Es ist schließlich auch keine Schande, für gewöhnlich die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zu bringen...Guter Journalismus findet eben auch in ethischer Verantwortung vor dem eigenen Gewissen statt, eine "Objektivität" ist bei einem Thema so heiß wie diesem gleich so gut wie überhaupt nicht wahrbar. Nach unseren Maßstäben ist die VR China jedenfalls ein autoritärer, nicht-demokratischer Staat, und indem wir unsere hehren demokratischen Ideale wahren wollen heißt das auch, demokratische Gruppierungen und speziell das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu unterstützen.Es is eine Schande, dass dieses zugunsten wirtschaftlicher Vorteile mit Füßen getreten wird!Insofern kann ich alezzos höchst abwertende Einschätzung weder teilen noch nachvollziehen. Es ist nur recht und billig, dass politische Organisationen finanziell unterstützt werden, auch wenn das Geld aus den USA stammt - die VR finanziert ja ebenfalls massenhaft Propagandastudios.Dank auch an Konrad Hao für seine Einschätzung.Die Situationen Tibets und Taiwans unterscheiden sich jedoch in einem Punkte gravierend:Bei den tibetischen Unruhen handelt es sich um innerstaatliche Angelegenheiten (so bitter das ist), ein Eingriff von außen ist also ohne weiteres weder zu rechtfertigen noch zu ermöglichen. Taiwan, oder richtiger die Republik China, hingegen ist ein souveräner Staat und hat der VR niemals formal, auch nicht formal unterstanden. Die VR hat absolut kein moralisch verhandelbares Recht, sich in die inneren Angelegenheiten Taiwans einzumischen - etwa, was eine formelle Unabhängigkeitserklärung betrifft.Das Festhalten der Bundesregierung an der Ein-China-Politik und die jüngsten Aussagen Steinmeiers zeugen jedoch leider von einer rein ökonomisch diktierten, einseitigen und kurzsichtigen Politik und sind mit der beständigen Abmahnung Chinas ob seiner gravierenden Menschenrechtsverletzungen (die es natürlich gibt!) guten Gewissens nicht vereinbar, degradieren die Menschenrechtsthematik zu bloßen Worthülsen ohne konkrete Handlungsbasis. Dies ist eine moralisch verkommene und verlorene Politik und durch keine wirtschaftlichen Vorteile der Welt zu rechtfertigen!Vorhin habe ich mich mit einem Taiwaner über seine Jugend und der "Weißen Terror", den er selbst erlebt hat, gesprochen. Eine ähnliche Situation kennen wir Ostdeutschen noch aus eigener Erfahrung, und wir waren (und sind) uns einig, so einig wie man sich nur sein kann, in dem einen: Nie, nie wieder soll so etwas passieren!Um es zu verhindern, sind mir viele politische Mittel recht, - eine Politik aber, die stillschweigend eine ebensolche Diktatur stützt, macht sich mitschuldig an all denen (größtenteils Unschuldigen), die der Willkürherrschaft zum Opfer fallen!Das sollte unseren ("Real-")Politikern zu denken geben, und nicht als Kollateralschaden wirtschaftlicher Gelüste enden. Mit welchem Recht verlangen wir Demokratie und Menschenrechte für unseresgleichen und können dabei übersehen, dass sie anderswo mit Füßen getreten werden bzw. im taiwanischen Fall (laut Freedom House seit drei Jahren die freieste Demokratie Asiens - was mancher wieder eine "tendenziöse", von Amerika finanzierte Stiftung nennen mag) eine blühende, stetig im Entwickeln begriffene Demokratie durch eine kommenden "Roten Riesen" fatal in ihrer Existenz bedroht wird. Von den Auswirkungen, die beständige militärische Bedrohung (und damit Einflussnahme) auf die Psychologie eines demokratischen Landes, das dazu nicht von demokratischen "Brüdern" geschützt wird, soll hier gar nicht erst weiter gesprochen werden...Nicht nur müssen Tibet & Taiwan endlich frei werden dürfen, nein, China selbst muss den entscheidenden Schritt zur Freiheit wagen!Vor allem muss das Bewusstsein, dass dies durchaus möglich ist, endlich weitere Verbreitung finden und darf nicht fortwährund in kurzfristig gewinnorientierten ökonomisch-politischen Maximen unterminiert werden - ich sage all dieses aus Liebe und Respekt zu China und seiner Kultur.

  6. Lalibela, ich verstehe die Erwähnung des "weißen Terrors" nicht ganz. Steht dieser nicht für das Gebahren der von den USA unterstützten GMD während des chinesischen Bürgerkriegs und zu Beginn der Herrschaft auf Taiwan?

  7. Ja, natürlich steht der Begriff "Weißer Terror" führt die Unterdrückungspolitik der KMT auf Taiwan.In meinem Post ist es wohl zur Vermischung von zwei verschiedenen Themen gekommen. Eigentlich ging es in dem Zeit-Artikel ja um Tibet.Nichtsdestoweniger ähneln sich Diktaturen in vielerlei Hinsicht, und Unterdrückungsmechanismen eine davon. Ich halte daher Zustände wie in der DDR und den "Weißen Terror" auf Taiwan wenn nicht für gleich, so doch wenigstens für vergleichbar mit der Lage in der VR. Schließlich gewinnen wir über Vergleiche ein Verständnis von Situationen, das uns sonst oftmals im Dunkel fehlenden Bezuges verborgen bliebe.

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  • Datum 17.3.2008 - 06:13 Uhr
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  • Quelle ZEIT online, dpa 14.3.2008 - 17:05 Uhr
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