Bergbau Profit statt Entwicklung

Die großen Bergbaufirmen profitieren von den steigenden Rohstoffpreisen. Die Länder jedoch, in denen die Unternehmen schürfen, bekommen von den Gewinnen kaum etwas ab

Seit dem Jahr 2002 sind die Preise für Rohstoffe spiralartig gestiegen. Das hat der Bergbauindustrie, und zwar insbesondere den großen, internationalen Firmenkonsortien, die das Geschäft dominieren, erhebliche Profite beschert. Zwischen 2002 und 2006 stiegen die Reingewinne der Konzerne von fünf auf 27 Prozent ihres Umsatzes. Im Falle der 500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen war es ein Anstieg von 2,5 auf sieben Prozent. Angaben der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge wuchsen die Gesamtnettogewinne der 40 wichtigsten Bergbauunternehmen im gleichen Zeitraum von vier auf 67 Milliarden Dollar.

Ihre vollen Kassen ermöglichten es den Unternehmen, in die Suche nach neuen Abbaugebieten sowie deren Ausbeutung zu investieren und ihre am stärksten angeschlagenen Konkurrenten aufzukaufen. In den vergangenen drei Jahren fusionierten unter anderem Rio Tinto und Alcan sowie Phelps Dodge mit Inco und Falconbridge. Ihren Gipfel erreichten die Mega-Fusionen im November 2007 als Marktführer BHP Billiton ein umfangreiches Übernahmeangebot für die Nummer fünf Rio Tinto vorlegte.

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Eine derart große Vermögensbildung in so kurzer Zeit blieb in den Gastländern der Bergbaukonzerne nicht unbemerkt. BHP Billiton ist in zwölf Ländern vertreten, Anglo American in 23, Brazilian Vale in 16 und so fort. Meist liegen die Standorte in Entwicklungsländern, häufig gerade in den ärmsten.

Berechnet man die Erzausfuhren der jeweiligen Länder für die Jahre 2000 bis 2004 und setzt sie mit den gesamten Exporten ins Verhältnis, so zeigt sich eine große Abhängigkeit. In Botsuana, Guinea, Jamaika, Surinam und Sambia stellte die Erzausfuhr im Durchschnitt mehr als die Hälfte des Exports. In zehn weiteren Ländern waren es immerhin noch 30 bis 50 Prozent - in absteigender Reihenfolge waren das Nigeria, Chile, Mosambik, Papua, Kongo, Ghana, Kuba, Peru, Ruanda und Usbekistan. Mehr als 300 Millionen Menschen leben in Ländern, in denen der Bergbau die größte Einkommensquelle ist. Die Bergbaugeschäfte jedoch liegen in den meisten dieser Länder in den Händen großer ausländischer Firmen.

Der World Investment Report 2007 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme, UNDP) betont, welche Auswirkungen die Rohstoffindustrie auf die Entwicklung der Länder hat. Seine Autoren ermutigen Initiativen, welche die oft festgestellten negativen Folgen wie Umweltverschmutzung, Korruption und Abhängigkeit ins Positive wenden wollen, etwa in Investitionen, Infrastruktur, eine bessere Ausbildung und steigende Einkünfte für die Bevölkerung. Das UN-Entwicklungsprogramm geht davon aus, dass den ausländischen Unternehmen in dieser Hinsicht eine große Verantwortung zukommt, obgleich es Aufgabe der lokalen Verwaltungen sei, Entwicklungsprogramme einzuführen. Die Behörden müssten beispielsweise für stabile fiskalische und gesetzgeberische Rahmenbedingungen sorgen und Steuergelder in Infrastruktur, Ausbildungsmaßnahmen und die Diversifizierung der örtlichen Wirtschaft stecken.

Klicken Sie auf das Bild, um einen Überblick über die ausgewählten Nachhaltigkeitsindikatoren zu bekommen! Wie die Tabelle zeigt, sind sie nur zum Teil aussagekräftig - denn die Konzerne geben sehr zurückhaltend Auskunft über ihre Aktivitäten

Klicken Sie auf das Bild, um einen Überblick über die ausgewählten Nachhaltigkeitsindikatoren zu bekommen! Wie die Tabelle zeigt, sind sie nur zum Teil aussagekräftig - denn die Konzerne geben sehr zurückhaltend Auskunft über ihre Aktivitäten

Die Bergbauindustrie beeinflusst die Umwelt, etwa durch ihre Auswirkungen auf Artenvielfalt und Gewässer und die mögliche Regeneration der Abbaustellen. Sie hat soziale und politische Folgen, zum Beispiel wenn ihre Angestellten bei der Arbeit verunglücken, Gewerkschaftsrechte nicht ausreichend gewährleistet werden, wenn sie Korruption begünstigt und Konflikte finanziert. Doch jenseits all dessen sind heute vor allem ihre wirtschaftlichen Auswirkungen ein großes Thema. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Gastländer und lokalen Gemeinden an den erwirtschafteten Gewinnen beteiligt werden, sodass sie in Verkehrsmittel, Bildung und Gesundheit investieren können, es geht um die Beschäftigung Einheimischer und Aufträge für lokale Zulieferer. Die zwölfte Ausgabe der Nachhaltigkeitsindikatoren von Eurosif und Le Monde , herausgegeben zusammen mit La Stampa in Turin und El País in Madrid, konzentriert sich auf diese drei wirtschaftlichen Kriterien (vgl. Tabelle).

Leser-Kommentare
  1. Entwicklungsländer mit Bodenschätzen bekommen sehr wohl Milliarden von ausländischen Unternehmen für Schürfrechte und Öl/Gas-Lizenzen.Aber jetzt genau hinschauen : die Länder sind dort nicht das Volk, sondern eine Elite um den jeweiligen Staatslenker. Mal ist es ein Diktator, mal ein religiöses Oberhaupt, mal ein durch Unterdrückung "gewählter" Präsident. Das geht so von Lybien über Saudi Arabien und Iran zurück nach Nigeria. Das Geld wird an die Regierung gezahlt, die es unter sich aufteilt und großzügig für eigene Investments und eigenen Konsum ausgibt.Anders als in demokratischen Ländern gibt es weder Gesetze noch Transparenz darüber, wie mit Staatseinnahmen verfahren wird. Es gibt nicht einmal den Willen, Staatseinnahmen am Gesamtwohl orientiert zu investieren, z.B. in Bildung, medizinische Versorgung, Verkehr, Altersversorgung, Arbeitsmarkt und Wohnen.Klar : gebildete, gesunde Menschen, die mobil sind und privates Einkommen anhäufen können sind der GAU für jede Diktatur.Der Vorschlag dieses Artikels ist naiv und kann deshalb nicht funktionieren, weil es nicht auf die Summe ankommt, die gezahlt wird, sondern darauf in wessen Hände das Geld fließt. Und weil man nicht einfach Bargeld oder Schecks direkt an das Volk verteilen kann und darf, landen sämtliche Abgaben gleich oder über Umwege wieder auf den Konten der Elite. So wird auch der Bau von Krankenhäusern und Straßen nur ungern gesehen. Und weil jede Infrastruktur nach Fertigstellung sofort vom Regime "betreut" wird, hat das gemeine Volk von Anfang an wenig nutzen und die Strukturen verkümmern nach wenigen Jahren.Fazit : nur demokratische Länder haben das Allgemeinwohl zum Ziel und die nötigen Strukturen dieses zu erreichen (wenn auch das Allgemeinwohl aus verschiedenen Gründen nicht 100% der Bevölkerung bedeuten kann).Lösung : Warten. Jedes Investment, jede "Entwicklungshilfe" stärkt nur die Eliten und verschärft damit die Probleme und aktuellen Strukturen der Entwicklungsländer. Der Demokratiewunsch der Bevölkerung muß sich entfalten können und für den Regimesturz von innen sorgen. Druck oder sogar gewaltsamer Wechsel von außen sorgt nur für mehr Elend unter der Bevölkerung.

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