Olympiaboykott
"Millionen schauen auf uns"
Welche Macht hat ein Sportler? Sollten die Spiele in Peking boykottiert werden? Wir haben unsere Olympioniken gefragt. Eine Sammlung von Meinungen In der Olympischen Charta heißt es: Jegliche Art von Demonstration oder politischer, religiöser oder rassistischer Propaganda ist an olympischen Stätten verboten. Sportler sollen also Sport treiben, wenig reden und wenn, dann nicht über Politik. Dennoch hat nach den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Tibetern und chinesischen Soldaten eine rege Debatte begonnen: Sollen die Olympischen Spiele in Peking boykottiert werden - oder wenigstens die Eröffnungsfeier? Sollen Sportler den Mund aufmachen und Menschenrechtsverletzungen in China anprangern? Wir haben die deutschen Olympioniken gefragt. Heraus kam ein bunter Strauß an Meinungen.
- Datum 06.08.2008 - 11:25 Uhr
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Unglaublich von was für einem Haufen selbstgerechter EgomanInnen wir bei den Olympischen Spielen vertreten werden. Wenn man bedenkt das Sartre auf den Nobelpreis verzichtet hat, der ihm verliehen werden sollte und diese Leute gerade mal auf die Chance Blicke überhaupt was gewinnen zu können, ist das schon sehr traurig.Sind wir immer noch ein Volk das für den eigenen Vorteil weg schaut?
Den Ungerechtigkeiten dieser Welt sollte man entgegen Treten.Genau meiner Meinung Kikkoman. Ein Stueck gefaerbtes Metall ist den Sportlern wichtiger als Menschenleben.
Würden Sie auch genauso sagen, was Sie gesagt haben, wenn Sie sich vier Jahre lang oder mehr für das Spiel trainiert hätten?Vier Jahre lang! Wieso sollen die Sportler das Spiel boykottieren, sodass Sie sich gut fühlen können? Was haben Sie für das Volk in Tibet getan, außer einen Beitrag hier binnen vier Minuten geschrieben zu haben, wenn ich Sie fragen darf?
Sartre hat ein Leben lang gearbeitet und dann den Nobel Preis abgelehnt. Und: Ja, ich würde verzichten. Was sind schon 4 Jahre im Vergleich zu Tod, Folter und Vernichtung von Tausenden Menschen und ihrer Kultur.Gegenfrage: Könnten sie auf lächelnd auf dem Trebchen stehen und Gold annehmen, während im gleichen Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschehen?Und wenn ja: Welchen Wert hätte dann ihre Medalie?
Franziskarr38
Dass potentielle Olympiateilnehmer viele Jahre trainiert haben und nun die Früchte ihrer Arbeit ernten möchten, ist nur zu verständlich. Und dass andere, die nicht nach Peking wollen, womöglich auch nichts für Tibet tun, ist wohl klar. Warum also die Olympioniken gesondert "bestrafen" ?
Aber: China hat die Ausrichtung der Olympiade doch wohl deshalb übertragen bekommen, weil man vorausgesetzt hat, daß China für friedliche Spiele sorgen würde. Nun ist das alles nicht mehr so friedlich, und die Gefahr besteht, dass auch die eigentlichen Spiele nicht besonders friedlich verlaufen werden.
Was tun ? Nun, es gibt genügend Olympiastadien auf dieser Welt. Warum nicht die nutzen und eben nicht nach China fahren. Naiv ? Wirklich ?
Vielleicht wären die Spiele "anderswo" etwas kleiner, vielleicht würde man es auch nicht mehr schaffen, die Stadien auf höchstes Weltniveau zu bringen: aber stattfinden könnten die Spiele auch anderswo, und wenn "alle mitmachen", könnten die Chinesen in ihren Sportstätten versauern.
Das wäre ein Boykott, der den "friedlichen" Ländern und ihren Sportler vielleicht ein "gutes" Gewissen verschaffen könnte - andererseits: wie steht es in diesem Zusammenhang mit den Kriegen im Irak oder in Afganistan ?! Sollte China wirklich die einzige "Macht" sein, die Unheil stiftet ?
Hat Satre sein Leben lang FÜR DEN/WEGEN DEM Nobel Preis gearbeitet, wie die Sportler vier Jahren lang oder mehr FÜR DEN/WEGEN DEM Olympia? Ein Boykott zertört ihre Karrieren, ihre Leben, und ihre Träume. Satre brauchte den Preis aber nicht.Antwort zu Ihrer Frage: Nein. Deshalb ist es viel wichtiger, an das Spiel teilzunehmen und dann auf dem Trebchen die Meinung zu äußern. Das ist viel aussagekräftiger als ein Boykott. Die Anforderung von einem Boykott ist nichts anders als moralische Selbstbefriedigung. Es fühlt sich gut an, bringt aber gar nichts.
Waehrend ich die Aussagen dieser Sportler gelesen habe, wurde ich auch zunehmend unzufriedener mit diesen "Aushaengeschildern", die Deutschland vertreten. Die einzige Ausnahme in dieser Reihe war Anna Battke. Es ist voellig egal, was ich von ihrer Idee halte. Was wichtig ist, ist dass sie wohl der einzige kreative Kopf in dieser Reihe von Egozentrikern ist, der klar ist, dass Protest und Selbstverwirklichung (ein schoeneres Wort fuer die Siege der Teilnehmer um denen es diesen Sportlern schliesslich geht) zu vereinbaren ist. Das Motto von Olympia ist ja im Endeffekt ein bizarrer Witz: es soll um Voelkerverstaendigung gehen, aber die Politik aussen vor bleiben? Also, die Voelker anerkannter Staaten sollen sich in die Arme fallen, aber so ein paar Voelker dieser Erde, die nicht anerkannt werden (von China etwa) und so ein paar andere Voelker, die gerade ausgerottet werden (von Sudan etwa und von China's Wirtschaftsbeziehungen unterstuetzt), na ja, die haben eben Pech gehabt - es ist eben nicht drin alles drin, in dieser Voelkerverstaendigung. Ach ja, und dann das Argument der Sportler, dass man ja als Einzelner nix machen kann. Hm, diese alte Leier schon wieder. Deshalb soll man ja auch nicht waehlen (meine Stimme zaehlt nicht), nicht aufs Auto verzichten (ein Auto weniger hilft der Umwelt gar nichts), etc. Bla, bla, bla. Nun ja, das mal dahingestellt sind doch diese Hochleistungssportler schon welche, die sogar als Einzelne was bewirken koennen, eben weil ihre Aktionen in China von Millionen von Zuschauern gesehen werde (nun, ja, natuerlich nur, wenn man optimistisch ist und an die "faire" Fernsehuebertragung glaubt, die nicht zensiert wird). Und ja, wenn sich Anna Battke was auf ihren Bauch schreibt, dann - natuerlich - wird das auch wahrgenommen. Ich wuerde uns allen gerne empfehlen: mehr Mut! Auch der Frau Merkel uebrigens, um sich mit dem Dalai Lama zu treffen.
Respekt fuer Anna Battke. Der Rest it einfach nur enttaeuschend zu lesen. Ich weiss nicht ob es Wunschdenken ist sich als Sportler einzureden ein Boykott wuerde ja nichts bringen, oder reine Ignoranz. Von Voelkerverstaendigung sprechen und dabei hinzunehmen, dass eben einige Voelker dann doch irgendwie nicht dabei sind / abseits des schoenen Scheins ihrer Rechte beraubt werden - also in meinen Augen stimmt da was nicht. Und dies zu erkennen, koennen wir glaube ich auch von unseren Aushaengeschildern erwarten - ohne dass diese dazu Politik studieren muessten!Und: Athleten trainieren ja nicht nur fuer Olympia. Natuerlich waere der Verzicht fuer Sportler eine sehr sehr schwierige Entscheidung. Nur sollte sich jeder Sportler dann doch bitte auch die Frage stellen, was fuer ihn 'Olympia' bedeutet und ob sein/ ihre Teilnahme auch vereinbar mit den olypischen Idealen ist. Wer glauben moechte Olympia haette nichts mit Politik zu tun und im gleichen Moment etwas von Voelkerverstaendigung saeuselt hat leider nichts verstanden.
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