Olympische Spiele

Im Würgegriff der Politik

© IOC Olympic Museum/Allsport/Getty Images

Die Olympischen Spiele in Peking drohen ein Politikum zu werden. Aber war das nicht schon immer so? Ein Fackellauf durch die neuzeitliche Olympia-Geschichte. Vor 72 Jahren erlebte die Welt schon einmal eine heftige globale Boykott-Debatte. Vor allem in Amerika fragte sich die kritische Öffentlichkeit, ob man wirklich die Olympischen Spiele, dieses Fest der internationalen Völkerverständigung, in der Nazi-Metropole Berlin stattfinden lassen dürfe. Immerhin war das Deutsche Reich 1936 bereits aus dem Völkerbund ausgetreten, hatte den Versailler Vertrag gebrochen, die Wehrpflicht eingeführt und war ins entmilitarisierte Rheinland einmarschiert. Außerdem berichteten die Korrespondenten täglich von der Gleichschaltung und dem Terror gegen Juden. Heinrich Mann nannte in einem Boykottaufruf zwei Monate vor den Spielen Berlin „den ungeeignetesten Ort auf diesem Planeten, um die Olympiade abzuhalten“. Italien und Japan bewarben sich schon um die Ersatzausrichtung. Doch es half nichts: Die Welt fuhr nach Berlin, begeisterte sich an den Wettkämpfen auf dem Reichssportfeld, während nur wenige Kilometer entfernt das KZ Sachsenhausen gebaut wurde. Warum?
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 08.04.2008 um 15:15 Uhr

    kaum passiert was, finden sich sofort jede menge leute an die sofort alles nivellieren, weil schon mal dagewesen und dann zur diskussion auffordern. also echt.
    man erkennt diese leute daran, dass wenn sie nachts eine grossstadtstrasse runtergehen, dauernd auf den moment warten, in dem sie sagen können, das sieht jetzt aus wie bei edward hopper.
    die werden uns dann auch informieren, dass es in peking wie 1936 aussieht.
    es läuft immer auf's gleiche hinaus. geht es diesen leuten nicht schnell genug oder zu schnell oder vielleicht beantworten sie mal die frage
    auf was es hinausläuft.

  1. Die Deutschen hatten eine schwere Vergangenheit im dritten Reich. Die deutschen Politiker und die deutsche Bevölkerung haben jahrzehntelang mit dieser Geschichte auseinander gesetzt. Diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist lange nicht zu Ende, wie der Fall mit Eva Herman wieder deutlich macht. Dabei zeigte sich, dass das dritte Reich ein KO-Argument gegen alles sein kann, ohne dass eine nähere Differenzierung notwendig ist.
    Dass nun auch das Olympische Spiel ins Visier der politischen Korrekten geraten ist, ist wirklich verwunderlich. Es hört sich dann so an, als ob das dritte Reich in China war und noch ist. Was für ein Kunststück der politischen Argumentation.
    Dazu kann ich nur gratulieren, dass man die Verantwortung für die deutsche Vergangenheit nun endlich an die Chinesen abgeben kann.
     

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