China IOC und Sportbund schließen Olympia-Boykott aus

In Tibet steigt die Zahl der Toten: 130 sollen gezählt worden sein. Doch die Sportverbände halten am alten Olympia-Plan fest. Und China verurteilt Dissidenten

Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) daran festhalten, dass die Olympischen Spiele in Peking wie geplant stattfinden sollen, steigt die Zahl der bekannt gewordenen Toten in den Unruheregionen von Tibet.

Das IOC verteidigte die Vergabe der Sommerspiele an Peking, zeigte sich aber besorgt über die Lage in Tibet. "Wir glauben, dass die Spiele ein hervorragender Katalysator für den Wandel sind", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge am Montag. So werde China schließlich in dem Mittelpunkt des Medieninteresses gerückt. Die Spiele könnten aber nicht in einer Atmosphäre der Gewalt stattfinden.

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"Wir sind besorgt über das, was in Tibet passiert", sagte Rogge im antiken Olympia, wo das Olympische Feuer entzündet wurde. Chinas hartes Vorgehen gegen Demonstranten hatte im Westen eine Debatte über einen Olympia-Boykott ausgelöst. In dieser Woche will das Europa-Parlament über das weitere Vorgehen debattieren, obwohl sich die EU bisher gegen einen Boykott ausgesprochen hat.

Rogge sagte weiter, mit den Spielen werde der olympische Gedanke einem Fünftel der Weltbevölkerung nahegebracht. Das IOC kenne aber seine Grenzen und werde sich nicht an einer politischen Diskussion beteiligen.

Das olympische Feuer wird entzündet

Das olympische Feuer wird entzündet

Menschenrechtler hatten das IOC dazu gedrängt, Druck auf die Regierung in Peking auszuüben. Demonstranten war es am Montagmorgen gelungen, die Zeremonie zum Start des Olympischen Fackellaufs in Griechenland kurzzeitig zu unterbrechen.

Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen gelang es einer Gruppe von Unbekannten, mit einer Flagge die Rede des chinesischen Olympia-Chefs Liu Qi zu stören. Sie wurden aber von Sicherheitskräften gestoppt, bevor sie das Podium in den Ruinen des antiken Sportstadions erreichten.

Anschließend wurde das Feuer entzündet, welches nun rund um die Erde zum Austragungsort gebracht wird. Es soll auch durch Tibet bis hinauf auf den Mount Everest getragen werden. Die Spiele in Peking beginnen am 8. August.

Leser-Kommentare
  1. Was mal wieder beweist: wenn man mächtig genug ist, kann man auf die Menschenrechte [...]. Ich hasse nur diese scheinheiligen Statements, Sport dürfe sich nicht in die Politik einmischen. Ich würde mir gerne die Reaktionen vorstellen, wenn - sagen wir - Israel die nächsten Olympischen Spiele ausrichten würde.[Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. /Die Redaktion pt.]

    • Anonym
    • 24.03.2008 um 16:09 Uhr
    2. Das...

    ... war nicht anders zu erwarten.isaac ben laurence weismann

  2. "Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen gelang es einer Gruppe von
    Unbekannten, mit einer Flagge die Rede des chinesischen Olympia-Chefs Liu Qi zu
    stören"Solche ähnlichen Storys haben wir in der Schule über die Nazizeit gelernt.

  3. Ich denke schon, daß die Sportler zu den Spielen reisen sollten, denn angenommen, der westen geht nicht hin, interessiert sich zumindest hier kein Mensch mehr, was in China passiert. Mir erscheint es eher so, daß chinesische Regierung mehr Probleme hat, die Spiele auszurichten und die ganze Welt samt Medienpulk ins Land zu lassen, als die Sportler, um die es eigentlich geht. Derzeit wird ja schon überlegt, ob auf dem Platz des hinlischen Friedens überhaupt gedreht werden darf.Die Nervosität ist schon da, wo sie zurecht auch hingehört.Mit Sicherheit wird ab August noch so einiges neben den Games zu berichten geben.

  4. „Der Sport ist nicht in der Lage, Probleme zu lösen, die
    weder die Vereinten Nationen noch einzelne Regierungen in jahrzehntelangen
    Anstrengungen bewältigen konnten“, teilte der DOSB mit. Soweit das aktuelle Zitat von offizieller Seite. Ich weiß, das ganze Geflecht aus Politik -Wirtschaft-Sport ist zu verzwickt als dass man schnelle
    und eineindeutige Handlungsstrategien daraus ableiten könnte. Hinzu kommt, dass
    man recht mutlos über sich, die Olympische Bewegung oder allgemein den Sport
    urteilt: Er sei nicht in der Lage, politische Probleme zu lösen, sagt man.Ich bin bisweilen gespalten: Auf der einen Seite möchte ich
    meinem politisch-humanistischen Reflex folgen und der chinesischen Regierung
    die rote Karte zeigen:  wegen der Gewalt
    in Tibet, wegen der Menschenrechtsverletzungen, wegen der augenfälligen
    Instrumentalisierung der Spiele. Auf der anderen Seite denke ich, dass man die
    Situation nur verändern kann, wenn man den Dialog sucht und den Anderen, das
    Andere, mit ins Boot holt. Genau eine solche Position verfolgen offenbar die
    Deutsche Regierung und der DOSB und andere Hilfsorganisationen. An anderer
    Stelle habe ich gelesen: „Wir brauchen keine Anti-China, sondern China-Strategie.“
    Soweit so gut.Mir ist dieser erste Einstieg, hop oder top, aber zu wenig.
    Eine solche „Argumentation“ verdeckt die Binnenkomplexität, die eine große
    internationale Kulturbewegung zu managen hat und vor allem wird dadurch nicht
    sichtbar, welche Handlungsalternativen es für die Olympische Bewegung gibt.
    Aber, wer ist denn die Olympische Bewegung? Ja, das sind wir, die Zuschauer,
    das sind die SportlerInnen, die Betreuer und Trainer/Innen, das sind die Journalisten,
    also all diejenigen, die die Freiheit dazu haben, die Stimme zu erheben, weil
    sie weder durch Gewalt bedroht, durch Lüge verblendet oder wie die führenden
    IOC-Mitglieder an diplomatische Zurückhaltung gebunden sind. Es geht also um
    beides und das ist wahrscheinlich so schwer zu verstehen: Es geht um die
    Sicherung eines internationalen Sportfestes der Jugend und es geht gleichzeitig
    um eine der größten Protestbewegungen gegen chinesische Gewalt im eigene Land
    und in Tibet! Genau in dieser GLEICHZEITIGKEIT von Ereignissen auf
    unterschiedlichen Bühnen liegt die besondere, d.h.  sportlich-kulturelle Macht der Olympischen
    Bewegung!Man muss sich in der Tat immer bewusst machen, dass das IOC
    und die Olympische Bewegung immer schon auf dünnem Eis gestanden hat, soll
    heißen: Einerseits ist sie angewiesen auf den Zuspruch aus Politik und
    Wirtschaft (vgl. hierzu Coubertins Erinnerungen 1936). Andererseits darf man
    diese materielle Machtlosigkeit nicht zu einer generellen Machtlosigkeit
    verallgemeinern! Die Erfinder der neuzeitlichen Olympischen Spiele haben eine
    sehr machtvolle Idee in die Welt gesetzt. Gut 100 Jahre nach dieser Erfindung
    erzeugen die Olympischen Spiele eine weltweite Aufmerksamkeit, bei allen
    Bevölkerungsschichten und damit ein „Gefühl von globaler Gemeinsamkeit“. Das
    ist der zentrale Friedensbeitrag der Spiele, der unmittelbar aus der
    sportlich-kulturellen Inszenierung hervorgeht. Man kann sagen: „Das ist zu
    wenig!“ Ich würde aber sagen: „Das ist alles, was der Sport als SPORT-Bewegung
    geben kann, aber genau das ist seine Pflicht.“Zusammen mit der oben erwähnten Gleichzeitigkeit (besonderes
    Fest + systematischer Protest) ergibt sich für mich eine China-Strategie, die
    sicherlich nicht einfach umzusetzen ist, die aber den Machthabern in China
    zeigt: „Wenn ihr mit im Boot der Zivilgesellschaft sein wollt, dann MÜSST ihr
    euch den Spiegel vorhalten lassen!“ Was definitiv nicht passieren darf  – und die Gefahr ist groß, weil dieser Weg
    nur eine Handbreit daneben liegt – ist, die Spiele zu spielen und im „vorauseilenden
    Gehorsam“, aus „strategischen Gründen“ oder „wirtschaftlichen Interessen“ still
    zu halten, nichts zu sagen, mit den Machthabern zu sympathisieren … wie 1936.
    Genau dann nämlich würde man das Kostbarste 
    der Olympischen Idee verspielen, die Hoffnung der Jugend, weil man die
    Botschaft vermitteln würde: Schaut weg!Die Botschaft sollte lauten: „Schaut hin, sagt was ihr
    denkt, tauscht euch aus, vor allem mit der chinesischen Jugend … und
    konzentriert euch auf euren Wettkampf! Ja, von der Jugend der Welt, von der
    Olympischen allemal, wird viel verlangt. Aber das war ganz im Sinne Pierre de Coubertins,
    denn er hat explizit neben der kraftlosen Formel der „Toleranz“ den
    „gegenseitigen Respekt“ (Le respect mutuel) gesetzt. Und Respekt ist bei ihm
    mit mindestens drei Imperativen verbunden: das Fremde (gerade auch die
    Geschichte Chinas) kennenlernen, die Überzeugungen der anderen achten aber auch
    … das eigene Gewissen nicht ruhen lassen!  Literaturhinweise: Coubertin, P. de: Die gegenseitige Achtung. Acadenia, 1988Güldenpfennig, S. : Sport: Kunst oder Leben. Academia, 1996

    • Anonym
    • 24.03.2008 um 18:01 Uhr

    verdient an den Spielen geschätzte 200 Mio. ist doch ganz einfach zu verstehen !

  5. Der Job "Dissidenten" ist eben auch nicht mehr, was er mal war ...

  6. Mal eine Frage: was bringen die Spiele für die Tibeter?

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