Kinderbetreuung Ausverkauf von Bildung?
Familienministerin Ursula von der Leyen will die kommerzielle Kinderbetreuung stärken. Sinkt die Qualität, wird Bildung ausverkauft oder ist der Kita-Ausbau nur so zu schaffen? Diskutieren Sie mit!
Bis 2013 soll in Deutschland einem Drittel der Kinder bis drei Jahre ein Betreuungsangebot zur Verfügung stehen. Ein ehrgeiziges Ziel, für das die Familienministerin nun verstärkt auch private Anbieter
ins Boot holen will
.
Den Passus, dass nur solche Kindertagesstätten in den Genuss staatlicher Förderung kommen, die als gemeinnützig gelten, will die Familienministerin aus dem Gesetz streichen.
Aus der SPD regt sich Widerstand. Einige Sozialdemokraten fürchten den Ausverkauf von Bildung und eine soziale Selektion - ärmere Familien könnten sich bald keine gute Betreuung mehr für ihre Kinder leisten. Deutlichere Kritik kommt aus der Linkspartei: Die Kinder- und Jugendhilfe werde "dem Marktradikalismus zum Fraße vorgeworfen", schimpfte Diana Golze, Jugendpolitikerin der Linkspartei am Mittwoch in der
Frankfurter Rundschau
.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hingegen begrüßte den Vorstoß: Eine Gleichstellung der Träger von Betreuungseinrichtungen schaffe mehr Plätze und sorge durch den Wettbewerb für mehr Qualität, sagte er der
Passauer Neuen Presse
. Selbst die Grünen verteufeln den Vorstoß nicht. Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz sagte, private Kitas könnten einen Beitrag im Angebotsspektrum leisten, wenn das Qualitätsniveau angehoben und gesichert werde.
Die freien Träger, in deren Händen bisher in aller Regel die Betreuung von Kindern liegt, befürchten weniger die neue Konkurrenz als Einbußen in der Qualität in der Betreuung. "Die Angebote der privaten Anbieter dürfen nicht unter den Standards der Wohlfahrtsverbände liegen", sagte Georg Cremer, Generalsekretär der Deutschen Caritas zu
ZEIT online
. "Wenn der Ausbau unter klaren Qualitätsvorgaben erfolgt, kann er zu mehr Trägervielfalt und zu mehr Wahlfreiheit der Eltern führen." Auch jetzt seien die Elternbeiträge in einigen Kommunen so hoch, dass Kinder aus benachteiligten Familien faktisch ausgeschlossen seien.
Was meinen Sie? Lässt sich die Betreuungssituation nur durch eine Öffnung für private Anbieter verbessern? Könnte die Qualität sogar steigen, wenn Bewegung in den Markt kommt? Oder droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den betreuten Kindern?
Diskutieren Sie mit!
- Datum 11.07.2008 - 11:49 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Alle Kindergärten sollten privat betrieben werden, im Wettbewerb miteinander stehen und staatliche Zuschüsse pro betreutes Kind erhalten. In einigen US-Staaten ist man damit in Bezug auf Schulen gut gefahren. Die Eltern erhalten sog. Schulscheine vom Staat, geben sie in der Privatschule ihrer Wahl ab und bewirken dadurch, dass die Schulen sich durch gute Betreuungs- und Lehrangebote um Schüler bemühen.
...wenn man kommerziellen Anbietern und Eltern-Selbsthilfeorganisationen glauben darf, dann sind die Regelungen um eine Kindertagesstätte aufzumachen:1) sehr kompliziert, teilweise widersprüchlich und übergreifen mehrer Gesetze und Verordnungen (z.B. Bauordnung, Hygiene, etc.)2) teilweise sind sie sogar blockierend, da z.B. eine vorgeschriebene Gartenfläche in einer Großstadt einfach nicht bezahlbar ist3) durch diese Tatsache dauert eine Gründung unmöglich lange und wird unnötig teuer, am Ende gibt es statt einem bezahlbaren unperfekten Kindergarten uU. gar keinen oder nur einen sehr teuren. Wie sinnvoll!Um derartige Initiativen und Gründungen zu erleichtern, sollte deshalb ein verbindlicher und sinnvoll abgespeckter Leitfaden vom Bund herausgegeben werden. Insbesondere Kosten und Zeitaufwand sollten dabei im Auge behalten werden, denn diese verteuern am Ende nur den Preis für die Familien. Wenn man z.B. Garten-Grundstücke unbedingt als nötig erachtet, dann sollte Stadt/Land/Bund sich bemühen entsprechende zur Verfügung zu stellen oder die Ansprüche zurückschrauben, denn: ein Großteil der Kindergarten-Kosten besteht aus der Miete bzw. dem abzuzahlenden Grundstück.Im Gegenzug kann der Staat auch etwas fordern, z.B. dass die Beiträge sozial gestaffelt werden und gedeckelt sind oder dass eine Quote von Sozialkindern kostenlos in die Tagesstätte darf.Das fände ich eine sinnvolle UND sozialverträgliche Methode, jenseits des links-rechts Grabenkampfes der bereits wieder beginnt jeden sinnvollen Kompromiss im ideologischen Fahrwasser zu ersäufen.
Keine schlechte Idee, allerdings löst sich das Sozialproblem dadurch auch nicht auf, da sicher viele Familien zusätzlich zur Förderung noch Geld bezahlen, oder?Auch würde ich ungern gar keine Rahmenbedingungen vorschreiben, da sonst die Gefahr von "Problemkindergärten" mit Niedrigst-Niveau besteht, die auf die Not der Eltern vertrauen können. Besonders in Problemvierteln eine wahrscheinliche Entwicklung. Oder wie sieht es da in den USA aus?
Der Pferdefuß an jedem Betreuungskonzept ist die Finanzierung, ähnlich wie die bestehenden Angebote oder die Kindergärten, stellen solche Angebote wegen des unverzichtbaren Eigenanteils bei der Finanzierung ein zusätzliches Armutsrisiko dar. Damit wird tendentiell die eigentliche Zielgruppe eben eher nicht gefördert, sondern der Unterschied vergrößert.
Das Problem ist unauflöslich, vor allem wenn man weis, dass die alte Flächenbetreuung über ein Elternteil zumindest im Hinblick auf die Kinder die mit Abstand besseren Ergebnisse erzielte und zudem nicht monetär erzielt werden konnte.
Leider mußte das im Hinblick auf den gewählten Weg zur Gleichstellung der Frau geopfert werden, weil nur so die Gleichstellungsinteressen mit wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen waren.
Kinder die aus Familien kommen die es sich leisten können mit einem Einkommen auszukommen haben schon heute erheblich bessere Bildungschancen.
Vermutlich ist es nicht politisch opportun, diesbezüglich eine Statistik zu erstellen. Die Ergebnisse könnten sehr unbequem werden und unerwünscht sein.
Berthold Grabe
"Das Problem ist unauflöslich, vor allem wenn man weis, dass die alte Flächenbetreuung über ein Elternteil zumindest im Hinblick auf die Kinder die mit Abstand besseren Ergebnisse erzielte und zudem nicht monetär erzielt werden konnte."Hast du dafür Belege? Alle Spezialisten, die ich bisher so gehört habe, sind da sehr viel vorsichtiger. Demnach hängt sowohl beim Kindergarten, wie auch bei der Heimerziehung sehr viel von dem/der Betreuer/in ab. Oder mit anderen Worten: Kinder von unfähigen Eltern wären in einer Kindertagesstätte oft besser aufgehoben."Kinder die aus Familien kommen die es sich leisten können mit einem Einkommen auszukommen haben schon heute erheblich bessere Bildungschancen."ACK. Wobei das nicht zwingend auf die mütterliche Anwesenheit zurückgehen muss (wie du implizierst) sondern mit vielen anderen Gebieten wechselwirkt. Wohlhabende Familien sind statistisch idR besser gebildet, können ihre Kinder mehr fördern und ihnen mehr bieten und könnten durchaus auch einen besseren Kindergarten wählen."Vermutlich ist es nicht politisch opportun, diesbezüglich eine Statistik zu erstellen. Die Ergebnisse könnten sehr unbequem werden und unerwünscht sein."Wieso? Zur Bevorteilung wohlhabenderer Familien gibt es doch Statistiken. Im Bereich Vergleich von Heim- zu Kindertagesstättenerziehung wären Statistiken nur wenig aussagekräftig, da ein Kind eben von viel mehr als dem geprägt wird und jede Kindertagesstätte und jedes Elternpaar unterschiedlich fähig ist, auch ist der "Erfolg" eines Kindes und seine Ursachen nur sehr ungenau auszumachen. Hier helfen allenfalls Längsstudien und sozialpädagogische Untersuchungen an Kindern. Die gibt es sicher ebenfalls, auch wenn ich persönlich jetzt keine kenne.Imho muss die Lösung auch keine Rundum-Betreuung sein, 2-3 Tage in der Woche reichen oftmals schon, Hauptsache die Eltern gewinnen etwas zeitlichen Spielraum.
Ich bin seit 13 Jahren vollzeiterwerbstätige alleinerziehende Mutter.Wenn ich an die Jahre zurückdenke, in denen ich auf Kinderbetreuung angewiesen war, fällt mir dazu nur ein: zu selten, zu unqualifiziert und vor allem - zu teuer.Für zwei Kinder eine Halbtagsbetreuung nach der Schule für damals 700DM im Monat - das war sehr viel Geld. Qualitätsansprüche konnte man in der Kleinstadt ohnehin nicht stellen.Die Alternative wäre damals gewesen - nicht zu arbeiten und statt dessen zum Sozialamt zu gehen.Von daher begrüße ich den Vorstoß von Frau von der Leyen. Ein gewisser Standard sollte trotzdem - gerade auch bei privaten Anbietern - verbindlich sein. Damit meine ich nicht die vorgeschriebenen Quadratmeter und die Anzahl der Kinderklos - sondern vorzugsweise die Eignung und Ausbildung des Betreuungspersonals. (Was das Jugendamt so an Tagesmüttern vermittelt, spottet teilweise jeglicher Beschreibung)Wenn es jetzt noch einen Vorstoß gäbe in Richtung Ganztagsschulen und Mittagessen an Schulen, wenn man endlich aufhören würde, Alleinerziehende wie Singles zu besteuern - dann könnte ich meinen Kindern tatsächlich auch bei Familiengründung raten in Deutschland zu bleiben...
Kinder sind in einem Land the Hoffnung der Zukunft, daher ist der Staat verpflicht und gut beraten, bei Betreung der Kinder und Ausbildung vernünftige und akzeptable Rahmenbedingungen zu schaffen und nicht leere Worten bleiben. Die Investition der Gelder sind bei Kinder und jugendlichen genauso wichtig sogar mehr wie die Investitionen bei den Forschungen, die die Entwicklungen eines Landes vorantreibt, so wird auch ein Land die Stabilität der Wirtschaft, Wissenschat und Entwicklungen durch die bessere Gestaltung der Kinderbetreung und später deren Ausbildung gesichert sein. Es soll sowas keine Utopie werden, sondern Realität. Man sieht ja wie wichtig und Bedeutungsvoll die Rolle der Frauen in der Gesellschaft ist, es wäre wünschenswert und ungeheur von größer Bedeutung, wenn man für Frauen Sonderreglungen für finanzielle Unterstützung und für Wiederkehr an Arbeitsplatz noch mehr verbessern könnten, es ist der Frauen zu verdanken, dass sie nicht nur Kinder zu Welt bringen, sondern sind sie liebevoll und mit ganzen Herzen und mit voller Energie dahinter, die Kinder zukünftsorientiert heranzuwachsen, obwohl wir Männer sowas bis heute als Selbstverständlich empfunden haben. Wenn der Staat diese Fähigkeit und Enthusiasmus der Frauen ehrlich unterstützen würden, dann wird man keine Klassengesellschaft in Richtung der Betreung der Kinder und deren Ausbildung mehr zu befürchten haben. Die Frauen, lieber zu sagen, die Mütter haben wahrhaftig diese Sonderstellung und die Anerkennung der Mütterleistung mit gleichwertigem Einkommen mit Männer nicht nur verdient, sondern es steht denen voll zu und es gehört und es ist dringend erwünscht, von Politiker honoriert zu werden und praktische Akzenten zu setzen und nicht immer dies existiertes schleppendes Problem parteipolitisch an Quoten zu binden und in der Realität bei leeren Versprechungen zu belassen!
Kinder sind die Zukunft unseres Landes, da sollte definitiv nicht gespart, sondern investiert werden. Denn wenn unsere Gesellschaftsform, so wie sie sich heute darstellt, erwartet, dass Alleinerziehende und auch Ehepartner für ihre finanzielle Sicherheit zu sorgen haben, so ist der Staat verpflichtet auch die Basis dafür zu schaffen.Wäre der Staat ein privates Unternehmen, so würde regelmässig das Management gefeuert, aufgrund der jahrzehntelangen Unfähigkeit mit Steuergeldern umzugehen. Ein Blick zum Bund der Steuerzahler spricht Bände, somit zieht für mich das Argument fehlenden Geldes nicht.Eine Auslagerung zu privaten Anbietern ist ein Hilfeschrei der eigenen Unfähigkeit und kein Lösungsweg.
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