Jazz Ohne Geld keine Kunst

Die Zukunft der improvisierten Musik ist finster. Fördergelder werden gestrichen, Tantiemenforderungen ruinieren die Veranstalter. Die Szene wehrt sich mit Benefiz-Konzerten.

Die Gästeliste ist eindrucksvoll: Cecil Taylor , Sun Ra, Anthony Braxton , Butch Morris oder Alexander von Schlippenbach haben schon im kleinen österreichischen Nickelsdorf gespielt. Seit 1976 zieht der Ort die Großen der improvisierten Musik an. Hans Falb organisiert hier seit 32 Jahren das Festival Konfrontationen . Ein liebevolles und engagiertes Festival, eines der wichtigsten der Szene.

Aus aller Welt kommen einmal im Jahr Musiker, Journalisten und Zuhörer nach Nickelsdorf, um sich über aktuelle Strömungen innerhalb der improvisierten Musik zu informieren. So ist das Festival nicht nur ein bedeutender Aufführungsort, an dem Neues entsteht, sondern auch ein Ort des Austauschs und der Vernetzung.

Anzeige

Nun soll damit Schluss sein, denn Hans Falb hat kein Geld mehr. Bis vor zwei Jahren zahlte ihm das Burgenland noch jährlich 16.000 Euro. An diesen Betrag gekoppelt war eine ebenso hohe Förderung aus Wien. Nun fehlen ihm also 64.000 Euro, und ohne Förderung ist das Festival nicht zu unterhalten. Ein Schuldenberg ist gewachsen. Zu allem Überfluss fordert die AKM, die österreichische Gema, ihre Gebühren. Die Organisation vertritt die Urheberrechte der Musiker und hat Hans Falb wegen der Rückstände verklagt: zweimal drei Monate Haft, lautet das Urteil, dazu Veranstaltungsverbot.

Anfang der achtziger Jahre hatte die AKM einmal das Publikum gezählt, als Berechnungsgrundlage. Damals, sagt Hans Falb, habe der Free Jazz seine große Zeit gehabt, und tatsächlich seien bis zu 600 Besucher zu den Konzerten gekommen. Doch das habe sich in den letzten zwanzig Jahren verändert. Mittlerweile kommen nur noch rund 300 Gäste, die Berechnungsgrundlage ist geblieben.

Die staatliche Kulturförderung ist ein kompliziertes Geflecht. Zum Vergleich: Das österreichische Festival zu Haydns 200. Todestag im Jahr 2009 wird mit 10 Millionen Euro finanziert. Davon fließen allein 400.000 Euro in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Für das kleine Konfrontationen-Festival sind dann leider keine 16.000 Euro mehr übrig.

Doch die Musiker wollen Nickelsdorf nicht aufgeben. In ganz Europa haben sie Benefiz-Konzerte mit den Stars der improvisierten Musik organisiert. Die Einnahmen sollen Falb helfen, sein Gasthaus namens Jazzgalerie und das Festival weiterhin betreiben zu können.

Die Jazzer fühlen sich keineswegs angemessen von der AKM vertreten. Zu neu ist das Feld der improvisierten Musik, zu altmodisch die Richtlinien der Verwertungsgesellschaften, die nach der Komplexität notierter Musik ihre Gelder verteilen. Was ist Unterhaltung, was ist Kunst? Was ist Musik wert, die keine Noten braucht?

Leser-Kommentare
  1. Der Lobbyismus ist auch in der Kultur grausam. Wenn man die staatlichen Subventionen der Klassik sieht kann man als Pop oder Jazzmusiker nur staunen.
    Es ist an der Zeit die Förderungen gerechter zu verteilen und von der Unterscheidung in E und U Musik abzusehen.
    Diese Trennung ist mir sonst in keinem anderen Land bekannt?
    Auch in der Popmusik haben sich die Märkte geändert. Man muss das Subventionswesen dringend neu zu Gunsten aller Beteiligten Disziplinen verändern.
    Neuland

  2. ... ein uraltes Elend, dem anscheinend nicht beizukommen ist. Mit modernen Vermarktungsformen im Internet und Liveauftritten ließen sich völlig neue Geschäftmodelle für Künstler finden, als mit Rechteverwertung und Copyrights. Aber die alten Fesseln sind anscheinend schwer zu sprengen.

  3. Die Alternativen sind klar. Und die 10000.ste Zauberflöten-Aufführung ist Pop, nicht Kunst. Die Rembrands hängen in den Museen, Mozart&Co verbrennen derweil Zeit, Geld und Platz an subventionierten Openhäusern, während zeitgemässe Musikkunst nicht stattfindet oder, wenn, dann nur in Nischen. Das betrifft nicht nur den Jazz.es kann nicht sein, dass wir alle Steuergelder für Kultursubventionen aufbringen, damit die Gattinen von Politikern und Aufsichtsratsvorsitzenden ein Forumm haben, ihre Luxuskledage vorzuführen. Kein Geld für Mozart, Verdi & Co. Förtdert endlich die Kunst, statt Musikmuseen zu betreiben!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service