CDU
Viel Spaß!
Der ehemalige Grünen-Politiker Oswald Metzger wechselt zur CDU – und da gehört er auch hin. Fraglich ist jedoch, ob er dort ebenso viel Wirbel erzeugen kann. Ein Kommentar
Jetzt ist es als raus:
Oswald Metzger geht zur CDU.
Der ehemalige Grünen- Bundestagsabgeordnete, -Finanzexperte und Talkshow-Dauergast hat im CDU-Kreisverband Biberach ein Beitrittsgesuch gestellt. Vor vier Monaten war der 54-Jährige nach fast 21 Jahren Mitgliedschaft unter großem Tamtam aus den Grünen ausgetreten, im Februar hatte er sein Landtagsmandat in Baden-Württemberg niedergelegt. Jetzt hat er also eine neue politische Heimat gefunden.
Die Schamfrist war kurz, und eigentlich hätte der Neu-Christdemokrat sie sich auch sparen können. Denn überraschend kommt Metzgers Bekenntnis zur Union nicht. In einer Erklärung zu seinem Parteiwechsel polemisiert er, wie gehabt, gegen linke „Volksbeglückungspolitik“, kritisiert die „unfinanzierbaren Leistungsversprechen des Staates“ und feiert Ludwig Erhard, den christdemokratischen Erfinder der sozialen Marktwirtschaft. Ähnlich hatte er sich häufig geäußert, als er noch bei den Grünen war und dort häufig große Teile der Partei mit solchen Positionen provozierte.
Man kann Metzgers Erklärung allerdings auch eine Anbiederung nennen. Denn kein Wort verliert er darin zum Thema Ökologie, kein kritisches Wort zur konservativen Familienpolitik, die ja gerade in der baden-württembergischen Union noch viele Anhänger hat. Auch die christdemokratische Energiepolitik ist ihm keine Erwähnung wert. Dabei war Metzger, anders als seine neuen Parteifreunde, zumindest bislang kein Freund der Atomkraft.
Und so zeigt sich: Oswald Metzger, der in jungen Jahren auch schon mal fünf Jahre Mitglied der SPD war, ist schließlich in der Partei angekommen, in die er gehört. Der Parteiwechsel ist insofern konsequent, die Grünen werden den Verlust verschmerzen können.
Die CDU lässt sich den prominenten Neuzugang etwas kosten: ein Bundestagsmandat. Im baden-württembergischen Biberach will Metzger 2009 für den Bundestag kandidieren. Der Wahlkreis ist fest in christdemokratischer Hand, die Rückkehr Metzgers nach Berlin und in die Bundespolitik ist also sicher.
Metzger braucht dieses Mandat, und dies nicht nur deshalb, weil es ihm die Voraussetzung für seine politische Selbstinszenierung bietet. Ein ehemaliger Abgeordneter ist schließlich für die Medien nur halb so interessant wie ein aktueller. Aber darüber hinaus sichert ihm das Mandat auch seine Zukunft als Berufspolitiker. Denn alle seine Versuche, sich jenseits der Politik eine berufliche Existenz aufzubauen, waren in den letzten Jahren nur mäßig erfolgreich.
Oswald Metzger wird es künftig allerdings nicht mehr so einfach haben wie bisher, Schlagzeilen zu machen und Talkshows zu beglücken. Bei den Grünen war er ein Quertreiber, der immer für eine Polemik gegen die eigenen Parteifreunde gut war. Die Provokation war sein Geschäftsmodell, und das kann man durchaus wörtlich nehmen; denn ihm verdankte er viele Engagements als Kolumnist, Referent oder Diskussionsteilnehmer.
In der Union hingegen ist er künftig nun ein Ordoliberaler von vielen, und er wird sich erst einmal hinten anstellen müssen. Zu dem wird er lernen müssen, dass auch in der Union die reine Lehre wenig wert ist, wenn es darum geht, die Macht zu sichern. Auch mit der CDU wird der selbsternannte „Überzeugungstäter“ also noch seinen Spaß haben.
Ein prominenter Grüner geht also zur CDU. Ein Signal für die Annäherung von Union und Grünen ist der Parteiwechsel trotzdem nicht. Dafür war Metzger in den letzten Jahren viel zu wenig ein Grüner und dafür hat er sich jetzt viel zu sehr an seine neue Partei rangeschmissen. Auch wenn die CDU davon träumt: Schwarz-Grün funktioniert nicht, wenn eine Seite dafür die alten Überzeugungen aufgibt.
- Datum 27.3.2008 - 02:13 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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der in keiner Weise würdigt, daß mit Oswald Metzger ein Politiker die richtige Partei für seine Überzeugungen in Sachfragen, die in jahrzehntelanger politischer Erfahrung reifen konnten, jeweils konsequent wählt. Stattdessen wird er fast wie ein Nestbeschmutzer dargestellt. Es gelingt dem Autor nicht, kühle Distanz zu dem Vorgang zu wahren.Dabei wäre es doch wünschenswert, und dies sollte die ZEIT beleuchten, wenn auch andere Politiker dem Beispiel folgen würden, umso weniger hätten Sachfragen unter dem Problem des Fraktionszwanges zu leiden, wie wir es unlängst in Hessen beobachten konnten.
Es mag ja sein, dass Oswald Metzgers Wechsel nicht uneigennützig ist und sicher leidet sein Ego nicht an Minderwertigkeitskomplexen. Doch mal ehrlich: Ist er wirklich so eine Ausnahme bei den Grünen gewesen? 1.) Joschka Fischer, Jürgen Trittin u.v.a. sind auch nicht eben bekannt dafür, zarte Gemüter zu besitzen. 2.)Welcher prominente Grüne ist schon kein Berufspolitker, sondern kann von sich behaupten, auch außerhalb der Politik, also im realen Leben, bestehen zu können? 3.) Tja und wer von den prominenten Grünen ist denn außer Metzger bereit gewesen, für seine inhaltlichen Positionen den Verlust der eigenen Macht in Kauf zu nehmen? 4.) Last but not least der Polemikvorwurf. Interviews von Frau Roth oder auch Herrn Bütikhofer sind an Inhaltsleere kaum zu überbieten! Kurzum: Der Kommentar ist undurchdacht, unbrauchbar und greift zu kurz.
Darf ich Ihnen ein Taschentuch reichen, Herr Seils?
in letzter zeit liest mensch ja viel übles über metzger.läßt mich nachdenken über allerdümmste kälber.und es geht denen ja auch immer um die wurst, besonders die extra-.lasst mir also die anständigen schlachter in ruhe!
Ein blassgrüner Tupfer tut den Schwarzen auch ganz gut.
Wäre er in die SPD eingetreten, hätte der Kommenatr genauso ausfallen können. Sogar inklusive der Atomkraft oder sind alle SPD`ler dagegen. Das Tam Tam haben übrigens seine eigenen Parteifreunde veranstaltet. Angeblich wegen Beleidigung der HartzIV Empfänger. Die Beleidigungen von Familienvätern- und Müttern als Kindergeld versaufende und verrauchende Individuen werden natürlich, dem Zeitgeist entsprechend, nicht gerügt. Der Kommentator hat recht: Formal muss sich ein Neuer immer hintenanstellen und programmatisch wird er nicht viel ändern müssen, vielleicht mal abgesehen von der Atomkraft. Und was seine Engagements angeht, vielleicht bekommt er, wenns nicht klappt, ja eine gute Position. Wie einige seiner ehemaligen Parteifreunde ja auch. Vielleicht in der Bierbranche. Da kann er dann für bierfreie Zeiten bei Arbeitslosen kämpfen.
Mit Wirtschaftskompetenz war es ja bei den Grünen nie weit her und die Linken hatten seit je ein Problem damit, dass aus ökonomischer Sicht weit mehr Liberalität geboten ist, als sie wahrhaben oder ertragen wollen.
An Metzgers Weggang zeigt sich einmal mehr das Scheitern einer Partei an den Realitäten. Sie hat es wie alle Parteien auf dem linken Spektrum nicht fertiggebracht, soziale, sowie grüne Belange und Aspekte mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten übereinzubringen.
Im Gegenteil hat sie sich der üblichen, undifferenzierten, beschränkten, neoliberalen Schlagwortschelte angeschlossen. Da versteht es sich von selbst das ein der Ökonomie nahestehender Vertreter bei dieser Entwicklung keine Perspektive mehr sieht.
Das linke Lager macht immer mehr den Eindruck, das sich dort Splittergruppen der verschiedensten "heile Welt" Fraktionen ohne Bezug zur ökonomischen Realität bilden.
Leider ist dieser Mangel an substantieller Opposition wesentlich weniger angenehm als mir das vielleicht lieb wäre, weil er gleichzeitig jegliche Herausforderung gegenüber dem rechten Parteispektrums vermissen läßt und dadurch Steigbügelhalter für eine rechte Politik wird, die nun auch niemand wirklich will.
Berthold Grabe
Die Partei und entsprehnde Programatik ist für diese Herren, Berufspolitiker, offensichtlich zweitrangig. Wichtig ist nur die eigene Karriere, Einkommen und mediale Wirkung: Also wichtig ist nur die Selbstinszenierung.
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