SPD

Beck-Bashing

Die Debatte über die Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten kann nur eines erreichen: den Parteivorsitzenden weiter beschädigen und zermürben. Ein Kommentar

Die Krise der SPD dauert an, der innerparteiliche Streit wird immer wieder angefacht. In diesen Tagen nun wurde ein neues Stichwort in die Auseinandersetzungen geworfen: die Urwahl des Kanzlerkandidaten. Das Thema wurde am Wochenende zunächst durch eine Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag aufgebracht , also von außen an die Partei herangetragen. Man darf davon ausgehen, dass für die Springer-Zeitung dabei nicht das Wohl der SPD und ihres Vorsitzenden Kurt Beck im Vordergrund stand.

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Nun hat als erster prominenter Sozialdemokrat Michael Naumann, der gescheiterte Spitzenkandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl, in einem Beitrag für die ZEIT, den er schon vor der Veröffentlichung der BamS -Umfrage verfasst hatte, ebenfalls eine Urwahl des Kanzlerkandidaten empfohlen . Weitere Wortmeldungen dürften folgen.

Bislang sieht das sozialdemokratische Szenario vor, dass Beck Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres entweder sein erstes Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur wahrnimmt oder der SPD-Vorsitzende einen anderen Sozialdemokraten für diese Aufgabe vorschlägt, mutmaßlich seinen Vize, Außenminister Frank-Walter Steinmeier .

Naumann fordert ein anders Szenario, aber der Vorschlag ist – so kollegial er daherkommt – vergiftet. Denn an eine Proklamation des Kanzlerkandidaten durch die Basis, wer immer es sein mag, denkt Naumann offenbar nicht. Denn, so schreibt er, eine Urwahl sei „nur sinnvoll, wenn sich ein Gegenkandidat meldet. So viel Demokratie muss in Willy Brandts SPD gewagt werden.“

Auf den ersten Blick mutet der Vorschlag sympathisch an. Eine Urwahl erscheint erstens demokratisch, weil nicht der Vorsitzende das letzte Wort hat. Zweitens lenkt sie, wie die Vorwahlen in den Vereinigten Staaten zeigen, die Aufmerksamkeit der Medien auf die Kandidaten-Kandidaten. Drittens verschafft sie dem Kanzlerkandidaten jene Legitimation, die dieser nicht besitzt, wenn er von einem innerparteilich angeschlagenen und beim Wähler unbeliebten Vorsitzenden ausgerufen wird.

Tatsächlich jedoch würde eine Urwahl die SPD noch tiefer in die Krise treiben. Die Lage der Partei ist schließlich schon jetzt einigermaßen aussichtslos. Sie verliert sowohl in der Mitte als auch am linken Rand Wähler, und sie zerfällt in zwei Flügel, die programmatisch und strategisch immer weniger miteinander zu tun haben. Zudem hat die SPD einen Vorsitzenden, der von der Parteibasis gestützt wird, aber bei den Wählern nicht beliebt ist. Daran wird sich auch bis 2009 nichts Grundlegendes mehr ändern.

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Leser-Kommentare

    • 26.03.2008 um 18:38 Uhr
    • hirmer

    Ist die SPD so etwas wie ein orientalischer Hofstaat, bestehend aus
    dem König und seinen Wesiren, und sonst so gut wie niemanden, sprich:
    Beck, Steinbrück, Steinmeier, Nahles und einige Wenige?Oderist sie demokratisch verfaßt, was ich doch sehr hoffe, dann machen die
    Mitglieder die Partei aus und es kann ihr nichts besseres geschehen,
    als den Kanzlerkandidaten unmittelbar, frei, gleich und geheim von der
    Basis wählen zu lassen.<Rhetorik>
    In welchen Zeiten leben wir eigentlich?!
    </Rhetorik>Eine ganz andere Frage und wegführend von
    Thema: "Sind Parteien heutzutage noch Teil der Lösung oder schon viel
    eher Teil des Problems?".

  1. sind die autokratischen Biotope einer Demokratie.

  2. Welcher Kandidat außer Steinmeier hätte denn Chancen gegen Merkel?

  3. Franziskarr38
    Ja, gut, vielleicht ist das nicht fair: aber vergleichen wir doch einmal Herrn Beck mit Herrn Obama - hat diese SPD wirklich keinen anderen Kandidaten (mehr) ? Und ob es denn jemand sein muss, dessen Karriere denn doch einige "merkwürdige" Flecken hat durch allerlei "Geheim(nis)(dienst)krämerei ?
    Armes Deutschland - Scharping läßt grüßen...

  4. Herr Naumann favorisiert anscheinend das Hamburger Modell für die Kür des SPD-Kanzlerkandidaten, mit dem er selbst Spitzenkandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl wurde:Bei der Mitgliederbefragung zur Wahl des Spitzenkandidaten verschwanden auf misteriöse Weise rund 1.000 Stimmzettel aus einem Tresor in der Parteizentrale. Die Wahl wurde gestoppt, der in Führung liegende Kandidat Mathias Petersen fühlte sich um den Sieg betrogen. Der Vorstand trat zurück und ein Parteitag wählte dann überraschend Naumann zum SpitzenkandidatenWie die Stimmzettel aus dem Tresor gekommen sind, konnten weder Staatsanwaltschaft noch parteiinterner Untersuchungsausschuss klären, da müsste die Bundes-SPD etwas improvisieren. Mein Rat wäre, die SPD sollte lieber gleich einen Bundesparteitag entscheiden lassen. Das ist wohl nicht so unterhaltsam und erzeugt auch nicht so hohe Medienpräsenz, sähe aber entschieden besser aus als eine vergurkte Urwahl

  5. kennt offensichtlich seinen Platz nicht. Wahlverlierer wie er, werden in der SPD normalerweise Bundesmininister, setzen sogleich die Vorstellungen der INSM und der Bertelsmann-Stiftung in Gesetze um, danken nach einer Weile ab, werden dann direkt von ihren Auftraggebern eingestellt und kolportieren Propaganda gegen alles was nicht Seeheimer Kreis heisst nur ueber Dritte.

    • 26.03.2008 um 20:49 Uhr
    • lindejung

    Es geht noch weiter als die nurkonservative Parteienkritik aus der Feder Carl Schmitts: Parteien sind die letzten Reste des Tribalismus in unserer Gesellschaft: hat man die Vorsitzenden im Griff, regiert man das Land.Die Parteien sollten im eigenen Interesse geordnet der direkten Demokratie weichen und den Menschen die Chance geben, Inhalte statt nur Frisuren zu wählen. Dann wäre es auch nicht so tragisch, wenn der einzige Mensch in der Arena so demoliert wird wie aktuell Kurt Beck.

    • 26.03.2008 um 20:57 Uhr
    • Lysandros

    Sieht alles nach einer Verabschiedung aus, dann sagen wir es doch mit Musike: http://www.youtube.com/watch?v=13HnYhiE7xU&feature=relatedSpes nostra in fide amicorum est!

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  • Von Christoph Seils
  • Datum 1.4.2008 - 07:52 Uhr
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