Tibet Niemand will Ärger mit China

Aber wenn die Regierung auf Mönche schießen lässt, dann ist ein Olympiaboykott unausweichlich. Ein Kommentar.

Wie halten wir’s mit China? Der Streit um den richtigen Umgang mit dem Riesenreich im Fernen Osten ist so alt wie die Volksrepublik, er begleitet die westliche Politik seit nunmehr sechzig Jahren – von Kurt-Georg Kiesingers Warnruf „Ich sage nur: China! China! China!“ bis zu Richard Nixons Ping-Pong-Diplomatie; vom entsetzten Aufschrei nach dem Blutbad am Platz des Himmlischen Friedens 1989 bis zum kollektiven Kotau der Wirtschaftseliten vor der ökonomischen Macht des Milliardenvolkes.

Die jetzige Kontroverse über die richtige Reaktion auf den Gewaltausbruch in Tibet hätten am liebsten alle vermieden. Die Koalition derer, die sich gegen einen Boykott der Olympischen Sommerspiele wenden, könnte größer nicht sein. Das Internationale Olympische Komitee zählt dazu ebenso wie amnesty international, Angela Merkel genauso wie der Dalai Lama. Die Sponsoren aus der Wirtschaft sowieso. Alle wollen die Spiele in Peking, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

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Die einen wegen der Sportler, die sich seit Jahren auf das größte Fest des Sportes vorbereiten; die anderen, weil sie glauben, China werde mit der Opposition im eigenen Land anständiger umgehen, wenn die ganze Welt mit Argusaugen auf das Land schaue. Die dritten aus Respekt vor der alten Kulturnation, die sich auf den langen Marsch der Modernisierung gemacht hat. Die vierten aus schlichtem kommerziellen Interesse.

Keiner will Ärger mit China – und kann ihm doch nicht aus dem Weg gehen. Nicht mehr nach der Gewaltorgie auf den Straßen von Lhasa und der brutalen Antwort von Militär und Polizei.

Die Mahnung des chinesischen Premiers, das Ausland möge die Spiele bitte nicht „politisieren“, ist zum Lachen. Die Spiele waren von Anfang an ein Politikum. Sie sollten die Rückkehr Chinas in die Staatengemeinschaft symbolisieren, eines Chinas, das mit der selbst gewählten Isolation der Mao-Jahre gebrochen hat, das sich in rasendem Tempo verändert. Und das vor Selbstbewusstsein nur so strotzt!

Für die Führung in Peking sind die Olympischen Spiele vor allem eins: Die denkbar spektakulärste Willkommensparty, welche die neue Weltmacht des 21. Jahrhunderts ausrichten kann. Und wenn die chinesischen Sportler bei dieser Party die Amerikaner im Medaillenspiegel hinter sich lassen – umso besser!

Aber nicht nur die chinesische Regierung hat die Spiele politisiert. Nichts anderes hatten auch ihre Gegner im Sinn. Seit als Austragungsort feststand, war klar, dass sie alle propagandistisch mobil machen würden: Die Streiter für ein unabhängiges Tibet; die Bürgerrechtler in der Volksrepublik und die Blogger im Internet.

Leser-Kommentare
    • rondo
    • 20.03.2008 um 16:31 Uhr
    1. Naiv

    Alle Argumente von Matthias Nass gegen einen Boykott wären hinfällig, wenn sich die Welt einmal einig wäre.

  1. Wie weit dürfen wir die Verhältnisse in China beurteilen?Unsere westliche Presse kann uns kein klares Bild vermitteln,dass uns die Situation realistisch beurteilen lässt.Mathiass Nass,schildert sehr schön ,wie schwierig eine von Abhängigkeit geführte Beziehungn sein kann\ist.FelixAnselm-http://home.fotocommunity.de/felixhuelskaemper

  2. Irgendwie fehlt mir bei diesen Betrachtungen immer etwas die Vorgeschichte. China ist in Tibet eine Besatzungsmacht und macht z. Zt. genau das, was Besatzer nunmal so machen: Siedlungen errichten und die traditionelle Lebensart zurückdrängen. Wie soll man in diesem Kontext schon mit Aufständen bzw. Revolten umgehen? Es geht dort um nicht weniger als den Erfolg der chinesischen Besatzungspolitik und nicht zuletzt auch um ein paar Milliarden Dollar, die China in dieser in vielerlei Hinsicht rückständigen Region bereits in Infrastruktur usw. investiert hat. Verstehe mich niemand falsch, denn natürlich ist der Einsatz von Gewalt nicht zu dulden. Im Kontext einer Besatzung bzw. Annektierung wohl eher durchaus gewöhnlich. Es gäbe übrigens auch andere Beispiele von Besatzungspolitik die regelmäßig sehr viel milder beurteilt werden. So what?

  3. Beim Radsport-Doping hat sich das Fernsehen entrüstet ausgeschaltet. Aber jetzt sollen wochenlang "schöne" Bilder von dieser verlogenen chinesischen Polit-Kommerz-Show über die Bildschirme flimmern!Ihr feigen Heuchler solltet euch schämen!

    • Ranjit
    • 20.03.2008 um 17:52 Uhr

    Ich finde den Artikel im Allgemeinen durchaus gelungen. Nur der Schluss, das die Olympischen Spiele in China nicht stattfinden werden, wenn das Militär die Proteste mit Gewalt erstickt, halte ich für fragwürdig. Wer sollte das dann abblasen? Oder genauer: Warum? Ich bin nicht überzeugt, das man sich über die wirtschaftlichen Interessen der Sponsoren hinwegsetzen wird. Olympia ist ein Unternehmen. Somit fürchte ich, das man sich auch durch ein paar hundert tote Mönche nicht die Freude verwehren wird, Olympia Merchandise und die obligatorische Sponsoren Werbewelle unters Volk zu bringen. Ob das nur Pessimismus ist? Nun, ich fürchte wir werden sehen...

  4. , aber, ist es nicht ratsam, sich die Mühe macht, um die Dinge besser zu verstehen, bevor man darüber redet? Wie zum Beispiel den Begriff "Mönch".
    Eigentlich sind es große Unterschiede zwischen dem ZEN Buddhismus und dem tibetischen. Nun, wenn man von tibetischen Mönch spricht während er das Bild eines thailändischen Mönch vor Augen hat, um nicht die Kapuziner auch noch dabei zu haben, soll man froh sein, wenn am Ende eine Komödie dabei raus kommt.
     

  5. aber er weiß von nichts.Als er die Erde schuf war sie noch nicht rund, sie war eine Scheibe. Seine Vertreter auf Erden, die Päpste und Kardinäle haben ihn schlicht und einfach in unkenntniss gelassen, Galileo haben sie nie erwähnt. Also sieht Gott nur das christliche Abendland und hat keine Ahnung das es noch ein Morgenland gibt. Der Papst der als einziger zum Hörer greifen könnte und ihn aufklären müsste das seine Schöpfung im Laufe der Zeit, rund geworden ist traut sich nicht mehr. Aus gutem Grunde meine ich, nehmen wir China ein von 1,3 Millarden Menschen bevölkertes Land, das und jetzt kommts Empfängnissverhütung, Geburtenkontrolle und sogar Abtreibungen gesetzlich durchführt um keine Überbevölkerung zu verursachen und damit eine Hungersnot verhindert. China ist klug genug das zu wissen.Geburtenkontrolle er wäre sauer, das sagt uns der Papst ja ständig, blos keine Verhütung, das bedeutet Verdammnis. Er kann, auf Grund der Vorgeschichte, bedauerlicher Weise Gott nicht sagen das dort auch noch Tibeter leben die, eben von diesem Volk der Chinesen besetzt wurden und die Tibeterinen unfruchtbar machen, damit sich auch das Volk der Tibeter nicht vermehren kann. Der Zorn Gottes, wen er wüsste wäre schlimmer als zu Zeiten, in der die Erde noch eine Scheibe war und er Sodom und Gomorra dem Erdboden gleich machte. 

  6. China ist brutal, und würde sicherlich nicht zimperlich mit dem einsatz von soldaten und ATOM waffen sein, wenn sich egal wer militärisch in Tibet für die tibeter engagieren würde..trotzdem ist genau DAS die aufgabe vor der unsere welt steht, und deswegen ist das thema china brisanter denn je.der umgang chinas mit tibet ist bezeichnend für das, und die art und weise wie china mit dem rest der welt am liebsten umgehen würde..wenn der westen in einer neuen generation von politischen führern nichts gegen die offensichtlichen sogar für politische laien erkennbaren eroberungs feldzüge chinas unternimmt, (taiwan und tibet) dann blüht der ganzen welt irgendwann der china krieg, davon bin ich überzeugt..niemand kann leugnen das die verzweiflung sehr sehr gross sein muss, wenn berittene mit stöcken bewaffnete unorganisierte horden tibeter ganze städte angreifen, und von modernem waffenarsenal zurück geschlagen werden, was sie voraus sehen konnten, also MUSS ihnen keine andere wahl geblieben sein, entweder im kampf sterben, oder von den chinesen "hinaus" gezüchtet werden...niemand wird sich vor der moralischen verantwortung drücken können, wenn olympische spiele, die ein symbol für frieden darstellen, genauso wie tibet ein symbol für frieden geworden ist, trotz dieser gewalt orgie stattfinden..die spiele dürfen jetzt schon nicht mehr stattfinden.

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