Tibet China will Proteste in Tibet «zerschmettern»

Die Führung in Peking verschärft die Propaganda gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen in der Unruheprovinz. In China wird aber auch Kritik am Vorgehen der Regierung laut

Als vorläufiger Höhepunkt der angelaufenen anti-tibetischen Propagandakampagne wurde am Sonntag ein Aufruf des kommunistischen Parteiorgans Renmin Ribao (Volkszeitung) über größere Zeitungen des Landes verbreitet. Darin rief die chinesische Führung zur Niederschlagung der «Verschwörung und Sabotage» durch die Unabhängigkeitskräfte in Tibet auf. Einigen internationalen Medien wurde vorgeworfen, Tatsachen zu verdrehen. Ausländische Kritiker mäßen die Gewaltakte der Randalierer bei den Ausschreitungen in Lhasa und das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte mit zweierlei Maß.

Allerdings meldeten sich in China auch kritische Stimmen zu Wort, die ihrerseits der Regierung «einseitige Propaganda» vorwarfen. Eine Gruppe chinesischer Autoren und Intellektueller bemängelte, dass im Staatsfernsehen vor allem tibetische Demonstranten gezeigt würden, wie sie chinesische Läden und Behörden angriffen. Die Berichterstattung heize die Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen zusätzlich an und verschärfe die ohnehin gespannte Situation, hieß es in einem offenen Brief von 29 Unterzeichnern, der im Internet veröffentlich wurde. Sie riefen die Regierung zum Dialog mit dem Dalai Lama auf, forderten ein Ende der «gewalttätigen Unterdrückung» und mahnten die Tibeter gleichzeitig zur Gewaltlosigkeit.

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Zu den 29 unterzeichnenden Autoren, Journalisten, Juristen und Akademikern gehören unter anderem der Vorsitzende des chinesischen Pen-Clubs, Liu Xiaobo, und der praktisch unter Hausarrest gestellte Schriftsteller Wang Lixiong. Sie forderten auch die Öffnung Tibets für die in- und ausländische Presse.

Die kommunistische Führung demonstrierte aber eine harte Linie. Die größeren staatlichen Zeitungen warfen dem Dalai Lama vor, er und die übrigen Exiltibeter hätten die Unruhen geplant und organisiert - «mit der bösartigen Absicht, die Olympischen Spiele untergraben und Tibet vom Vaterland abspalten zu wollen». Ein Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua übte scharfe Kritik an der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die sich am Freitag bei einem Besuch beim Dalai Lama im indischen Dharamsala gegen Chinas «Unterdrücung» in Tibet ausgesprochen hatte. «Als Verteidigerin von Brandstiftern, Plünderern und Mördern» habe Pelosi ihre eigene «moralische Autorität verloren, über Menschenrechte zu sprechen», hieß es.

Nachdem die Proteste von Lhasa auf andere Gebiete des alten Tibets in den Nachbarprovinzen Gansu, Qinghai und Sichuan übergegriffen hatten, sind große Truppenkontingente entsandt worden. Nach amtlichen Angaben sind bei Unruhen in dem Gebiet Gannan in Gansu insgesamt 94 Menschen verletzt worden. Auch in den Orten Xiahe, Machu, Luchu, Jone und Hezuo habe es Ausschreitungen gegeben, berichtete Xinhua. In Gannan sowie in der Region Aba in Sichuan herrsche jetzt Ruhe. Exiltibeter hatten von Dutzenden von Toten in den Gebieten berichtet.

Bei ihren Protesten in Deutschland werden Exil-Tibeter nach eigener Darstellung von chinesischer Seite ausspioniert. «Chinesische Spitzel aus Botschaft und Konsulaten mischen sich in Deutschland unter unsere Demonstranten. Sie versuchen uns auszuspionieren oder die Veranstaltungen zu stören», sagte der Mitbegründer des Vereins der Tibeter in Deutschland, Tsewang Norbu, der Bild am Sonntag . Nach einer Emnid-Umfrage befürworten 36 Prozent der Deutschen einen Olympia-Boykott. 58 Prozent wollten hingegen, dass Deutschland an den Olympischen Spielen in China teilnimmt.

Leser-Kommentare
  1. Also ich werd mir bestimmt keine Olympia Veranstaltungen ansehen.

  2. 2. @1

    ...und keine chinesischen Produkte kaufen, wo immer möglich. Und wie wäre es mit dem Verzicht auf China-Restaurants zu verzichten, die nicht die tibetische Flagge in ihrem Eingangsbereich präsentieren? Sicher sind dies nur kleine Dinge, aber...

  3. 3. @1

    sorry....Besuch auf China-Restaurants....

    • Anonym
    • 23.03.2008 um 13:43 Uhr

    kann man unter http://www.innovations-re...finden. Die grossen Sponsoren Coca Cola, Mac Donald und Addidas ueberlegen noch ob sie nicht aussteigen, da der Image Verlust zu gross sein wird. Sie wollen sich naechsten Monat entscheiden. Die deutschen Sponsoren setzen keine Bedingungen und wollen auch nichts zu der Menschenrechtslage in China sagen.Dort gibt es viele Moeglichkeiten und natuerlich auch nichts mehr Made in China kaufen.China Restaurants waeren auch noch eine Moeglichkeit, da ja die meisten Chinesen sowieso noch linientreu sind wie man das hier in den vielen Blogs sieht wollen die sich nicht aendern und diskutieren kann man ja auch nicht richtig.

  4. Die chinesische Propaganda ist dieses Wochenende dreist und atemberaubend nationalistisch.
    Die Chinese glauben tatsaechlich die Katze waere im Sack und die dummen Auslaender kaemen sowieso zu den Spielen. Wer koennte die Einladung der 1,4 Milliarden Chinesen mit ihren 6000 Jahren Hochkultur schon ablehnen? Immerhin hat uns die Partei den groessten Flughafen der Erde und 20.000 neue Sitzkloos hingestellt.

  5. Die chinesische Regierung glaubt, durch die einseitige Propaganda die Welt manipulieren zu können. Daran erkennt man, wie die Betonköpfe in Peking denken (oder auch nicht denken). Dabei ist es doch so einfach: wer nicht zu verbergen hat, soll ausländische Journalisten ins Land einreisen lassen.
    Ich leide mit der  tibetischen Bevölkerung und hoffe sehr, dass die Welt nicht wegschaut.

  6. Auf den beiden roten Spruchbändern (s. Foto zum Artikel) steht:
     
    (oben) "Flagge zeigen gegen nationale Spaltung, felsenfest die Einheit des Vaterlands verteidigen!"
     
    (unten) "Das ganze Volk macht mobil gegen Spaltung, auf zum Volkskrieg gegen die Separatistenbewegung 'Unabhängiges Tibet'!"

  7. Was soll denn dieser tumbe Boykott Reflex? Kaum hör ich China, schon schrei ich Boykott.
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    Ich weiß zwar nicht, wozu das gut sein soll. Aber da bekommen die Chinesen endlich mal ihre gerechte Strafe ... wofür? Blöde Frage, wofür Strafe - irgend was werden sie schon falsch gemacht haben, hab ich doch gerade erst im Internet gelesen, ja und außerdem wurde den Tibetern nicht vor 50 Jahren Böses angetan? Da ist im Jahre 2008 genau die richtige Zeit, dass sie jetzt dafür ihre Quittung kriegen! Warum mir das nicht schon früher eingefallen ist - woher soll ich das wissen? Ja, und dass es die Chinesen von vor 50 Jahren heute gar nicht mehr gibt - wer will denn gleich so kleinlich sein. Hauptsache Draufhauen!
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    Also auf Deutsch gesagt. Boykott ist zur Zeit Schwachsinn, solange er den Versuch des Dalai Lama stört, auf friedlichem Wege zu einer guten Autonomie-Vereinbarung mit China zu kommen.
    http://www.sueddeutsche.d...
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    Im Moment ist Kreativität gefragt, wie man China (egal ob mit Lächeln oder Druck) dazu bringen kann, unverzüglich Autonomie-Verhandlungen mit dem Dalai Lama zu beginnen.
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    Martin Berger

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