Zypern Neustart unter Freunden

Hoffnungsschimmer für Zypern: Die politischen Führer der griechischen und türkischen Seite haben die Gespräche zur Wiedervereinigung der Insel aufgenommen

"Wir sind Freunde", sagte am Donnerstag ein optimistischer Dimitris Christofias, Staatspräsident der griechischen Republik Zypern, nach seinem Treffen mit Mehmet Ali Talat, Präsident der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.

Zum ersten Mal seit 2004 ein Wiedervereinigungsplan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan an den Inselgriechen gescheitert ist, haben sich die Führer der beiden Volksgruppen in einem Niemandslandsstreifen der Mittelmeerinsel getroffen. "Bis Ende diesen Jahres sollen die Ecksteine für die Vereinigung gelegt sein", sagte Talat und gab bekannt, dass in den nächsten Tagen ein neuer Grenzübergang im Herzen der Altstadt von Nikosia eröffnet werden soll. Schon nächste Woche werden die Arbeitsgruppen ihre Sitzungen aufnehmen, und in spätestens drei Monaten steht das nächste Treffen auf höchster Ebene an.

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Denn die Zeit drängt. Sie drängt für die Türkei, welche bis nächstes Jahr die Zollunion mit der EU auf griechisch Zypern ausweiten muß, wenn sie ihre Chancen auf Mitgliedschaft nicht endgültig begraben will. Ankara will nur ein vereintes Zypern anerkennen und sperrt bislang seine Häfen und Flughäfen für Flugzeuge und Schiffe aus Südzypern.

Die Zeit drängt auch für die griechisch-zyprische Republik. Die Ablehnung des Annan-Plans hat viele Inseltürken zu Verfechtern der Unabhängigkeit gemacht und die türkische Minirepublik lavierte in den letzten Jahren erfolgreich zwischen Wiedervereinigungsrhetorik und Aufwertung des eigenen Status. Mitte des Monats hat die Organisation der Islamischen Konferenz ihre Mitglieder zur Aufhebung der Isolation Nordzyperns aufgerufen, das bereits in 15 Staaten über politische Büros verfügt. Im Streit um den Kosovo zog Vladimir Putin Parallelen zu Nordzypern, und die Türkei war unter den ersten Ländern, die den Kosovo anerkannten.

Aus Angst vor einer Unabhängigkeit des Nordens hat die zyperngriechische Republik bislang jede Initiative zur Lockerung des Embargos verhindert, dessen Aufhebung die EU nach dem Referendum über den Annan-Plan den Zyperntürken versprochen hat. Deshalb wird der zyperntürkische Flughafen Ercan nur von der Türkei aus angeflogen, und als Bürger der Türkischen Republik Nordzypern sind Zyperntürken von den Olympischen Spielen genauso ausgeschlossen wie von den Forschungs- und Bildungsprogrammen der EU. Nicht viel anders steht es um die 259 Millionen Euro, die Brüssel nach dem Referendum dem türkischen Norden für seine EU-Anpassung in Sachen Infrastruktur und Kapazitätenausbau zugesagt hat. Zyperngriechischer Widerstand hat bislang verhindert, dass in den vier Jahren seit Abgabe dieses Versprechens nicht mehr als 5 % der Summe ausgegeben werden konnten.

Die zyperngriechische Erstickungspolitik hat dem türkischen Norden Sympathien auch von Leuten eingebracht, die nicht als Fans der türkischen Zypernpolitik bekannt sind. Eine davon ist Claudia Roth, Bundestagsabgeordnete und Co-Vorsitzende der deutschen Grünen, die nur zwei Tagen vor dem historischen Treffen auf der Insel den türkischen Norden besucht und damit den Druck auf den griechischen Süden verstärkt hat.

Leser-Kommentare
    • WITCH
    • 21.03.2008 um 20:50 Uhr

    dass Talat und Christofias gut miteinander koennen. Zum Ausgang der Verhandlungen wird es jedoch nicht allzuviel beitragen. Wie immer liegt der Teufel im Detail und der heisst Annan Plan. Auch wenn man diesen Namen jetzt ad acta legen will, werden die tuerkischen Zyprioten bei den kuenftigen Gespraechen wenig Abstriche von dessen Inhalt machen. Immerhin ist dieses Werk das Ergebnis von Jahrzehnte langen Verhandlungen und hat die Zustimmung von UN und EU.  Dass sich die griechische Seite mit kosmetischen Aenderungen zufrieden geben wird, ist kaum moeglich. Vom Druck auf die Tuerkei sollte man nicht viel erwarten, nachdem die EU -Beitrittsverhandlungen auch ohne Zypern-Frage ziemlich festgefahren sind und und die tuerkische Bevoelkerung nicht mehr viel davon haelt. Es ist viel zu frueh von einem "Durchbruch" zu sprechen, von dem jetzt vielfach berichtet wurde. Auch der Grenzuebergang LEDRA ist keine neue Zutat (es gibt seit Jahren bereits einige andere), die Arbeiten daran dauern schon zwei Jahre und die Oeffnung wurde bisher immer wieder verschoben, im Zuge der alten tit-for-tat Politik. Optimismus ist immer gut, aber niemand sollte sich zu frueh freuen!

  1. davon haengt fuer die Tuerkei viel mehr ab als fuer die Cyprioten deshalb sollten sie bei den Verhandlungen auch nicht vor dem Druck den die Tuerkei sicherlich machen wird, einknicken.

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