MusikgeschichteKlingt wie ein gewürgtes Küken

Die Originalaufnahme eines Liedes aus dem Jahre 1860 ist in aller Ohren. Patrick Feaster hat sie als Erster gehört. Wir haben mit dem Wissenschaftler gesprochen. von 

Es sind nur zehn Sekunden, sieben Worte, es ist nur eine Zeile einer Strophe, doch ging dieses Lied sofort um die Welt: Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler hat der Menschheit vor wenigen Tagen die älteste abhörbare Tonaufnahme der Geschichte ins Internet gestellt – und das ist kein Aprilscherz.

Es war am 8. April 1860 in Paris: Eine Frau singt "Au clair de la lune, Pierrot répondit" , die erste Zeile der zweiten Strophe des bekanntesten französischen Kinderlieds . Was auf Deutsch ungefähr hieße: "Im Schein des Mondes, antwortete Pierrot . " Oder singt sie die erste Zeile der ersten Strophe: "Au clair de la lune, mon ami Pierrot" ? Ganz sicher ist es nicht.

Die Frau, deren Name nicht überliefert ist, singt in einen Eimer mit einem Loch vor einer Walze mit Kurbel, genannt Phonautograph, die erste Schallaufzeichnungsmaschine je. Édouard-Léon Scott de Martinville, ein französischer Drucker englischer Abstammung, hatte sie nach dem Vorbild des menschlichen Ohrs zusammengebaut, um Gesagtes in Geschriebenes zu verwandeln. Kernstück des Apparats ist die Membran am Grunde des Eimers, auf der eine Schweinsborste den Gesang in rußgeschwärztes Papier kratzt.

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Was Scott nie im Sinne hatte: die Töne wiederzugeben. Er versuchte immerfort, die Schrift zu lesen, um daraus eine Grammatik des Klangs abzuleiten – was ihm versagt blieb. Immerhin bekam er am 25. März 1857 ein Patent auf sein Gerät. Es sollte erst dem Amerikaner Thomas Alva Edison gelingen, die menschliche Stimme aufzunehmen und wiederzugeben: Mary had a little Lamb , auch ein Kinderlied, krächzte im Dezember 1877 in Menlo Park, New Jersey, aus einem Phonographentrichter – zwei Jahrzehnte nach Scott.

So weit ist diese Geschichte jedenfalls jenen bekannt, die sich für die Ursprünge der Tonaufzeichnung interessieren – nicht zuletzt aus dem historischen Porträt über Édouard-Léon Scott de Martinville, das die Zeit im März 2007 aus Anlass des 150. Jahrestags der Patenterteilung veröffentlichte: Der Klangfotograf . Darin stand auch vom Ende des Erfinders zu lesen: Bebend vor Wut hatte er zusehen müssen, wie Edisons Phonograph auf der Pariser Weltausstellung 1878 als Sensation gehandelt wurde. Von Scott, dem Erfinder des Phonautographen, sprach niemand. Bald darauf traf den Unglücklichen der Schlag, und sein letzter Wunsch an die Lebenden war, „dass sie in dieser Geschichte meinen Namen nicht vergessen“.

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