Datenschutz: Schäubles Zeigefinger gehackt
Der Chaos Computer Club hat den Abdruck des rechten Zeigefingers des Innenministers veröffentlicht. Der sagt, „das lässt mich kalt“, er habe nichts zu befürchten
Innenminister Wolfgang Schäuble will eigentlich genau solche Unsicherheit verhindern: Immerhin heißt es im neuen Passgesetz zur Begründung, warum unbedingt Fingerabdrücke in Pässen gespeichert werden müssen, nur so könne „zukünftig zweifelsfrei überprüft werden, ob die Identität der betreffenden Person mit den im Dokument abgespeicherten Originaldaten übereinstimmt“. Zweifelsfrei? Was aber, wenn mehr als eine Person diese Fingerabdrücke besitzt oder darauf Zugriff hat? Kritiker warnen von Anfang an vor dieser Gefahr. Immerhin kann, wer einen fremden Fingerabdruck nutzt, sich künftig noch sehr viel leichter einer fremden Identität bemächtigen, schließlich gilt die Prüfung des Abdruckes als ultimative Zugangskontrolle.
Bisher war diese Debatte eine rein theoretische. Der Chaos Computer Club hat nun dafür gesorgt, dass sie am konkreten Beispiel diskutiert werden kann – er stahl einen Fingerabdruck von Innenminister Schäuble und veröffentlichte ihn . Jeder, der es wünscht, hat damit Zugriff auf dieses biometrische Merkmal. Für Schäuble selbst ist der Abdruck seines rechten Zeigefingers als Ausweis mithin wertlos. Denn „zweifelsfrei“ wird er nie mehr beweisen können, dass er selbst es ist, der ihn vorlegt.
In einer Erklärung des CCC dazu heißt es : „Jeder Mensch hat maximal zehn Fingerabdrücke, die er weder ersetzen noch schmerzfrei verändern kann. Doch der biometrische Identitätsdiebstahl erfordert lediglich den Zugriff auf einen brauchbaren Abdruck (z. B. an einem Glas), eine Digitalkamera und einen Laserdrucker zum Erstellen einer Folienvorlage und etwas Holzleim für die Fingerabdruck-Attrappen.“
Genau diese Methode nutzten die Mitglieder des Clubs für ihren „Hack“. Schon geraume Zeit hatten sie den Plan, Schäuble am eigenen Leib zu zeigen, welche Folgen die Eingriffe des Staates in die Privatsphäre haben können. Eine öffentliche Podiumsdiskussion bot die Möglichkeit. Ein „Sympathisant“, wie der CCC ihn nennt, ließ nach dieser ein von Schäuble benutztes Wasserglas mitgehen und übergab es dem Club. Ganz wie in der schon lange existierenden Anleitung beschrieben , wurde dann der darauf befindliche Fingerabdruck des Innenministers gesichert: Mittels Sekundenkleber und Digitalkamera.
Verbreitet hat man das Ergebnis dann in Form einer kleinen Folie, die der Clubzeitschrift, der Datenschleuder , am Wochenende beilag. Wer will, kann sich mit deren Hilfe eine Schäuble-Attrappe basteln: Holzleim auf die Folie auftragen, trocknen lassen, Leimschicht abziehen und auf die Fingerkuppe kleben. Der CCC verspricht, dass sich damit Fingerabdruckscanner täuschen lassen. Fehlt nur noch Schäubles Pass, ein Rollstuhl und ein Beamter, der den Unterschied nicht sieht...
Ganz so einfach ist der Diebstahl einer Identität nicht. Beim Innenministerium sieht man die Aktion daher auch betont gelassen. „Kann man machen“, heißt es achselzuckend. Und offiziell: Das sei kein Angriff auf den ePass, der die Abdrücke der Zeigefinger auf einem Chip speichert. Auch vor der Existenz des biometrischen Passes habe man Fingerabdrücke schon auf diese Art entwenden können, es ändere sich also nichts am Prinzip. Man habe den Pass noch sicherer machen wollen, als er schon war – immerhin sei das die Aufgabe des Ministeriums. Und mittels des Chips und den darauf gespeicherten Merkmalen sei es auch gelungen.





Ein Fingerabdruck ist nur ein anderes biometrisches Erklennungszeichen und kann das bisher übliche (das Foto) nur ergänzen.Wie auch beim Foto ist natürlich Fälschung möglich und erfordert im Zweifelsfall zusätzliche Kontrollmöglichkeiten.Was will der Chaos-Club also mit dieser Aktion aussagen?Dass Fingerabdrücke duplizierbar sind, ist doch nun wirklich ein alter Hut.Will der CCC zum großen Schlüsselbund des Mittelalters zurück, das nur aufgrund der Umständlichkeit fälschungserschwert ist?Mehr als Bestätigung und Verstärkung paranoiden Denkens wird mit dieser Aktion nicht erreicht, wirklich Konstruktives liefert der CCC schon lange nicht mehr. Alle Kontrollen basieren letztendlich auf beiderseitigem Vertrauen - und da vertraue ich wirklich lieber auf im Vorfeld programmierte Maschinen, als auf kontingente Paranoiker, derer Unberechenbarkeit ich im Zweifelsfall ausgeliefert bin.Was ich vom CCC erwarte, sind klar nachweisbare Vorfälle, die aufzeigen, dass die elektronische Kontrollmöglichkeiten tatsächlich zu vorher nicht möglicher Ungerechtigkeit führten.Eine solche Liste sehe ich bisher nicht - was bisher zum Thema geliefert wurde, sind nur paranoide Zwangsvorstellungen.
sie sagten: "Dass Fingerabdrücke duplizierbar sind, ist doch nun wirklich ein alter Hut."ja, das schon. das man aber über "bekannte" in der statdtverwaltung elektronisch an ALLE fingerabdrücke ALLER bürger in sekundenschnelle und in hoher auflösung kommt, ist eine neue qualität dieser fälschungsmöglichkeiten.da bekommt die alte leim-methode gleich ganz neue möglichkeiten.lef, um die schlecht geschützte und nach missbrauch schreiende datenbank geht es im kern - nicht darum eine "neue" fälschungsmethode zu zeigen. ist das so schwer zu erkennen?!
Lef, die Aktion ist nicht lächerlich, sondern Spitze.Erstmals bekommt unser Sicherheitsgesetzproduktionsautomat ein wenig von dem zu spüren, was er uns mit seiner Gesetzeslawine ständig antut.Vielleicht setzt sich ja doch noch die Erkenntnis durch, dass die Daten dem Menschen und nicht dem Staat gehören.
Der Kern des Artikels ist doch vorangestellt:"Immerhin heißt es im neuen Passgesetz zur Begründung, warum unbedingt
Fingerabdrücke in Pässen gespeichert werden müssen, nur so könne
„zukünftig zweifelsfrei überprüft werden, ob die Identität der
betreffenden Person mit den im Dokument abgespeicherten Originaldaten
übereinstimmt“."Wenn es früher nicht möglich war unnd heute nicht möglich ist, Personen mittels Fingerabruck einer erkennungsdienstlichen Maßnahme mit dem Zweck eindeutiger Personenidentitätsfeststellung zu unterziehen, weshalb dann die Pflicht zur Abgabe von Fingerabdrücken?Weshalb neue teuere Verfahren und Ausgaben für ein System das die Sicherheit nicht maßgeblich erhöht?Es ist doch schlicht unmöglich eine solch notwendige Ein-Eindeutigkeit zu erzielen. In terroristischen Kreisen geht es nicht zu wie auf Kinderspielplätzen, da schneidet man schon einmal eine Hand oder einen Finger ab, beschafft sich DNA der Person oder schneidet ein Auge aus den Augenhöhlen.Wir reden hier nicht von Kleindieben oder -kriminellen, dafür sind die Systeme zu aufwändig und teuer und dafür stehen auch nicht die Begründungen.Was also hat sich positiv verändert?Das weitere Problem: Man hierarchisiert die Merkmalsfeststellungsoptionen. Nicht mehr Passfoto, jetzt mindestens Fingerabdruck muss es sein. Besser noch einen DNA-Abdruck, wofür es aber absehbar keine Mehrheit geben dürfte.Genau diese unausgewogene Konzentration statt breite Diversifikation ist ein Problem.Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
man könnte sich auch von hernrn schäuble eine blutkonserve besorgen, einen rollstuhl mit seinem reifenprofil und damit an einem geeigneten tatort eindeutige spuren hinterlegen. bezieht man noch DiemoSchallers, wie ich finde präzise bezeichnet, hierachisierte merkmalsfeststellungsoptionen (der eigentliche kernpunkt der diskussion) mit ein, ist dies eine ideale ausgangsposition, nicht systemkonforme menschen (wer das ist, bestimmt im uebrigen die gleiche hierachieebene, die im besitzt der eindeutigen merkmale jedes einzelnen sein wird) kaltzustellen, durch erpressung oder fingierter verurteilung.
...könnten wir dem Schäuble jetzt jede Straftat - wenn wir nur seinen Fingerabdruck am Tatort hinterlassen. Und so wird es kommen. Nur ist Schäuble zu wenig attraktiv dafür, ich meine zu wenig verhasst. Es wird einige treffen, die mit Straftaten nichts zu tun haben - aber von der Regierung nicht erwünscht sind....
jetzt fehlt nicht mehr viel und scheuble kann endlich heimlich durch einen dummy ersetzt werden. ;-)
oder noch besser : studieren und dann probieren.Es ist seltsam, wieviele Laien von sich glauben, weiser zu sein, als die Experten von BND und Polizei. Ist es möglich, daß Tausende von Mitarbeitern im Innenministerium, sich keine Gedanken über Fälschungsmöglichkeiten von Fingerabdrücken gemacht haben ? Keine Risiko-Projektion über Entwendung von persönlichen Daten ? Keine Kosten-Nutzen-Rechnung ?Wer dies glaubt, geht von Sicherheitsexperten unter Abiturientenniveau aus.Und wer glaubt, daß die Entscheidungen zum biometrischen Pass und zur Datenspeicherung nur Mosaiksteine im Bauplan zum gläsernen Menschen sind, denkt auf dem Niveau der Verschwörungstheoretiker.Ich persönlich habe kein Vertrauen in privatwirtschaftliche Entscheidungen. Die Geschichte hat gezeigt, daß Gesundheit und Leben von Menschen weniger wiegen, als Profit. Im Agrar- und Industriesektor sind es einzelne Bauern und Handwerker bis hin zu internationalen Multis, die vergiften, verdrecken und tödliche Zeitbomben benutzen, installieren oder deponieren.Ich habe aber sehr wohl vertrauen, in die Absichten und Fähigkeiten (=Weisheit) des deutschen Innenministeriums. Kenne da kein Beispiel, wo GG, deutsche Werte oder deutsches Leben leichtfertig oder aus Geldgier aufs Spiel gesetzt wurden.Es erscheint mir im übrigen einfach logisch, den Erfolg der angekündigten Maßnahmen abzuwarten. Bei einem Reinfall hätten die Kritiker doch jede Menge Munition. Außerdem wird hier kein Krieg angezettelt. Zurückrudern ist jederzeit möglich, wenn wir "aus der Geschichte gelernt haben".
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