Religion Die Novizenmeisterin

Auch für die Berufung als Nonne braucht man ein Bewerbungsschreiben. Schwester Rachel bildet Frauen aus, die sich für den Weg ins Kloster entschieden haben. Ein Gespräch

ZEIT online: Schwester Rachel, Sie sind 1986 den Missions-Benediktinerinnen in Tutzing beigetreten und bilden dort als Novizenmeisterin Schwestern aus. Was passiert, wenn eine Frau zu Ihnen kommt und sagt: "Ich möchte ins Kloster."

Schwester Rachel: Wir bieten als allererstes das "Kloster auf Zeit" an, das heißt, die Frau wohnt einige Wochen bei uns im Gästehaus, nimmt am Chorgebet und an unserem sonstigen Leben teil.

ZEIT online: Wie viele wollen danach der Gemeinschaft beitreten?

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Schwester Rachel: Von den 20 bis 30 Frauen, die pro Jahr bei uns reinschauen, wollen manchmal drei bleiben, manchmal auch keine. Entscheidet sich eine Frau für einen Beitritt, gibt es ein richtig formales Aufnahmegespräch, zu dem sie ihre Bewerbungsunterlagen mitbringt.

ZEIT online: Man bewirbt sich auf einen Platz im Kloster?

Schwester Rachel: Für eine andere Stelle schickt man ja auch Zeugnisse und Lebenslauf mit – diese Unterlagen verlangen wir ebenfalls.

ZEIT online: Und wer nur eine Fünf in Religion vorweisen kann, wird nicht genommen?

Schwester Rachel: Nein, das würde mich nur wenig erschüttern. Aber es gibt kirchenrechtliche Bestimmungen für einen Eintritt: Man muss Taufe sowie Firmung nachweisen und volljährig sein. Zudem darf man nicht verheiratet oder für jemanden verantwortlich sein, der nicht eigenständig leben kann.

ZEIT online: Man darf also keine Kinder haben, wenn man ins Kloster eintreten will?

Schwester Rachel: Doch, aber nur, wenn sie auf eigenen Beinen stehen. Das Gleiche gilt, wenn die Eltern der Frau von deren Pflege abhängen. Viele begleiten ihre Eltern erst bis zum Tod und treten dann bei uns ein.

ZEIT online: Eine Altersbegrenzung gibt es nicht?

Schwester Rachel: Offiziell nicht, aber es hat sich herauskristallisiert, dass man sich mit 40 Jahren oder älter nicht mehr gut einleben kann. Wir wohnen relativ eng aufeinander, das ist für den heutigen Single eine ziemliche Herausforderung. Es gibt Menschen, die brauchen mehr Freiraum. Meistens kommen Frauen mit Anfang 30 zu uns.

ZEIT online: Müssen diese dann ihren Beruf aufgeben?

Schwester Rachel: Erst einmal schon, denn während der Klosterausbildung, dem zweieinhalbjährigen Noviziat, arbeitet keine von uns. Danach wird geschaut, wo man mit seinen Fähigkeiten sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Frauen, die zu uns kommen, sind meist ziemlich gut ausgebildet. Gerade ist eine junge Juristin bei uns in der Ausbildung, die danach auch in einer Kanzlei arbeiten könnte. Als Ärztin wäre es möglich, eine eigene Praxis weiterzuführen – dieses Modell hatten wir allerdings noch nicht. Meist arbeiten die Ärztinnen in einem uns nahe stehenden Krankenhaus.

ZEIT online: Können auch Kontakte zu Freunden und Familie aufrechterhalten werden?

Leser-Kommentare
  1. Sehr interessantes Interview mit Schwester Rachel.
    Eine wahrhaft außergewöhnliche Lebensentscheidung ist das, in der klösterlichen Gemeinschaft zu leben. 

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