Peking 2008 Habt Verständnis für die Sportler!

Wie hältst du es mit Olympia? Die deutschen Sportler stehen unter Erklärungszwang. Christof Siemes plädiert dafür, die Athleten nicht zu überfordern. Die Olympia-Kolumne

Eigentlich wollte ich ja beim Sport bleiben. Geht aber nicht. Das Feuer ist gelandet. Mit allem Bombast, zu dem ein autoritärer Staat fähig ist, wurde die Ankunft der olympischen Flamme in Peking begleitet. Ob sich die IOC-Gewaltigen das so vorgestellt haben, als sie die Spiele nach China vergaben? Auf dem gleichen Platz, dem des „Himmlischen Friedens“ nämlich, an dem vor nicht einmal 20 Jahren tausende Studenten niederkartätscht wurden, strahlen jetzt alle um die Wette.

Als ob einem dadurch allein nicht jede Sportbegeisterung verleidet wird, gehen die Gastgeber noch weiter. Damit es nicht zu einer Störung der Propagandaveranstaltung kommt wie noch bei der Entzündung der Flamme im alten Olympia, war der Platz weiträumig abgesperrt und Teile der internationalen Presse nicht zugelassen. Was sagt nochmal die Olympische Charta, auf deren angeblich so hohe Werte sich die Olympia-Funktionäre dieser Tage so gerne berufen? Kapitel 49, Absatz 1: „Das IOC unternimmt alle notwendigen Schritte um den Olympischen Spielen die größtmögliche Berichterstattung (fullest coverage) durch die unterschiedlichen Medien für das weltweit größtmögliche Publikum zu gewährleisten.“ Da hat man die Rechnung aber wohl ohne den chinesischen Wirt gemacht …

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Die staatliche Zeitung China Daily macht derweil gegen die Berichterstattung der westlichen Medien mobil. Nach der üblichen Gesundbeterei der Pekinger Atmosphäre (nahezu jede Woche werden neue Daten über die angeblich verbesserte Luftqualität lanciert) wird erzählt, wie falsch westliche Medien, allen voran CNN, über die Unruhen in Tibet berichtet hätten. Darüber regt sich nach dem Bericht von China Daily nun gar nicht so sehr die Regierung auf, vielmehr versuchen die chinesischen Netzbenutzer, die netizens, den Westmedien Fehler nachzuweisen. Sogar eine Anti-CNN-Website, anti-cnn.com, ist eigens zu diesem Zweck gegründet worden. Hier zeigt sich, was im Zuge der Boykott-Diskussion schon angeklungen ist: Dass Kritik von außen den chinesischen Nationalismus anspornen wird.

Was also tun? Schweigen? Schwerlich. Heute hat der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew die olympische Fackel getragen, noch so ein Herzchen der internationalen Politik, der sich seit 1990 mit Erich-Honecker-artigen Wahlergebnissen und diversen Verfassungsänderungen an der Macht behauptet. Darf eigentlich auch mal Ahmadineschad die Fackel tragen? Oder Castro sie im Krankenbett ein paar Minuten halten? Und wer vom IOC oder den deutschen Olympia-Funktionären noch einmal behauptet, der Sport sei politisch neutral, wird mit einem Marathon-Lauf in Peking bestraft.

Wer mir bei all dieser Verlogenheit am meisten leid tut, sind die Sportler. Sie sind, nicht zuletzt von den Olympiafunktionären, nachdrücklich aufgefordert, doch bitte eine Meinung zu den Vorgängen in China und Tibet und zur Frage eines Olympia-Boykotts zu haben. Aber was sollen sie sagen? Timo Boll, Deutschlands bester Tischtennisspieler, der in Peking eine Medaille gewinnen will, hat sich zusammen mit seinem Manager eine Formulierung zurechtgelegt, die er auch an mir ausprobiert hat: „Angela Merkel und der Dalai Lama haben gesagt, es soll keinen Boykott geben – warum soll ich, der viel weniger davon versteht, es besser wissen?“

Leser-Kommentare
  1. Herr Siemes
    Ich bin entsetzt, dass Sie auf dem Platz des Himmlischen Friedens so grinsen können. Ich habe mir vorgestellt, dass Sie mit einem roten Kopftuch oder Fahnen schwingend für Tibet demonstrieren würden. Haben Sie nicht auch Gelegenheiten, Chinesen mit Ihrer Wahrheit zu überzeugen? Wie ist Ihr Erfolg? Ich bin sehr gespannt.
    Alle Deutschen, die diese Tage nach China reisen, tun mir auch so leid. Diese Gewissensbisse, die frisst einen Mensch richtig auf. Nicht wahr? Auch Herr Siemes, jeden Tag trauernd im Innen, muss aber ein fröhliches Gesicht zeigen, mit wenigen Verbündeten im Feindsland. Die Chinesen haben Sie sicher nicht gut behandelt, weil Sie ja ein ausländischer Journalist sind. Sind Sie immer bedroht worden? Ich bewundere wirklich, dass Sie unter Lebensgefahr für uns über Sport berichten. Kommen Sie doch bitte wieder nach Deutschland, in den sicheren Hafen der Freiheit. Sie können sich auch von der schlechten Luft erholen, die ihre Lungen allmählich zersetzen.
    Der arme Tim Boll, der ansonst so selbstbewusst ist, hat sich ja total verändert. Hat er Ihnen gesagt, “Angela Merkel und der Dalai Lama haben gesagt, es soll keinen Boykott geben – warum soll ich, der viel weniger davon versteht, es besser wissen?“ Er redet ja wie ein braver Untertan. Angela Merkel würde sich freuen. Bei der nächsten Wahl sagt sie einfach: CDU wählen! Und gewinnt. Toll!!!
    Aha, diese chinesischen Nationalisten in www.anti-cnn.com. Darüber werde ich im nächsten Klagelied erzählen.
    Bis dann

  2. Herr Siemes
    Irgendwie kommt es mir komisch vor. Verdächtig, verdächtig. Ich habe einen Verdacht. Korrigieren Sie mich aber bitte, wenn es nicht stimmt.
    Auf Ihrem Foto habe ich gesehen, friedliche Menschen, blauen Himmel und im Hintergrund gar keine Polizei. Das kann doch einfach nicht wahr sein. Ich habe mir vorgestellt, dunkle Wolken, schwere Regentropfen (der Himmel weint um die Opfer), auf dem Platz menschenleer, im Hintergrund schimmert die weiße Farbe durch den schweren Regen, der Anzug der Polizei, will natürlich nicht so direkt in die Kamera, nicht wahr?
    Es kann doch nicht sein, darf doch nicht sein! Ich habe einen Verdacht, Manipulation, Desinformation, Spionen. Die Chinesen von anti-cnn.com, sind sie nicht die Profils am Komputer? Und über die chinesischen Haker wurde schon vor einiger Zeit bericht, nicht wahr? Wenn Sie Pentagon und Kanzleramt angreifen konnten, ist der Server von „der Zeit“ doch nur ein Kinderspiel. Da haben wir es. Es könnte so sein, dass die Haker den Hintergrund von Ihrem Foto verändert haben.
    Bitte sagen Sie mir, ob ich Recht habe. Oh Gott, nirgends ist man noch sicher. Die Weltsicherheit ist gefährdet.
    Aha, es gibt noch so viel zu klagen. Heute gehe ich aber erst schlafen, natürlich mit einer Schlaftablette.
    Gute Nacht

  3. (Überschrift gekürzt. Bitte versuchen Sie, Provokationen zu unterlassen. Die Redaktion/jk)schlafen nie. Kaum erscheint ein Artikel, schon ist so ein Troll da und geifert herum. Diskutieren Sie nicht mit denen - sie haben keine Argumente. In einem Land, in dem Menschen exekutiert werden, um die Organe zu verkaufen, gibt es keine Argumente. Die Tibet - Geschichte, egal, wie sie "in Wahrheit" gelaufen ist, ist vergleichsweise eine Marginalie, denn insgesamt macht das Pekinger Verbrecherregime 1,3 Mrd. Menschen zu rechtlosen Sklaven. Dieses China ist in allen Punkten das exakte Gegenteil von allem, was Menschen unter Zivilisation verstehen, es ist eine Brutstätte von Unmenschlichkeit und Barbarentum. Dieses China hätte niemals die Spiele ausrichten dürfen.2008 = 1936 in China...

  4. Soviel ich weiss, Nazis gab es nur in Deutschland. Heute entsteht noch Neo-Nazis, die in China nicht gibt.

  5. die sich national gebärden: Gab es zuert hier. Aber, wie jeder weiss, der Chinese kopiert halt gern... Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    • Anonym
    • 03.04.2008 um 2:25 Uhr

    Die Befuerworter der olympischen Spiele haben abgewartet und nun nutzt wie erwartet dieses Regime diese Spiele analog AH 1936. Wieso soll man sich darueber aufregen, der Zeitpunkt diese zu blockieren war da, nun ist es eigentlich zu spaet. Die Blutolympiade wird wie geplant durchgefuehrt. Die chinesischen Trolls hier haben doch gezeigt was an Propaganda moeglich ist und verfaelschen dabei regelmaessig die Geschichte Deutschlands, Tibets und natuerliche ihre eigene. Eines Tages (vielleicht werden wir das nicht mehr erleben) kommt der ganze Dreck der Vergangenheit hoch.Man konnte damals auch nicht mit den Nazis diskutieren warum soll man das mit diesen chinesischen Trolls machen koennen. Die beste Variante ist diese zu ignorieren, da sie im chinesischen Sinne ihr Gesicht schon lange verloren haben. Sie leben ja auch nicht wie die Deutschen in einer Demokratie, also gibt es auch nicht das gleich zu gleich. Die Olympiade steht nun im Bild macht Augen und Ohren zu und laechelt bloed in die Kamera. Hinterher kann man ja immer sagen: Wir haben nichts gewusst und wie sollten wir etwas machen.Die Verbraucher muessen eben diese Politiker nicht mehr waehlen die diese Olympiade gefoerdert haben und chinesische Produkte im eigenen Einkauf meiden. Auch eine bessere Kontrolle der chinesischen Studenten, vielleicht im Hinblick auf ihre KP Zugehoerigkeit sollte bei der Wahl dieser mit dem Privileg in Deutschland studieren zu duerfen getroffen werden.Ansonsten wird man zurueckblicken und sagen die Menschen haben in der Vergangenheit nichts dazu gelernt, insbesondere die Deutschen.

  6. Hallo Leute
    Die Aufregung ist groß. Wobei ich schon versprochen habe, zu jedem Artikel die ersten Kommentare zu schreiben, natürlich nur wenn Ihr beim nächsten Mal nicht versucht, mir zuvor zu kommen. Gut.
    Unsere Kommilitonen haben in 1989 Blut und Leben auf dem Platz des Himmlischen Frieden gelassen, damit die anderen, unter anderen auch Herr Siemes, so frei berichten kann. Es wäre nie im Sinnen unserer Kommilitonen, China als einem Land zu schaden. Wären Sie am Leben, würden Sie, wie ich und viele anderen (die Sie als Nationalisten hinstellen), Ihnen gegenüber stellen. Ich finde es abscheulich, dass man im Namen von unseren Freunden so über China spricht und ihren Willen so vergewaltigt. Ich hoffe, dass die Reporter dafür etwas mehr Sensibilität entwickeln. Dafür wäre ich sehr dankbar.
    Es ist wirklich bemerkenswert, was die deutschen Sportler durchmachen müssen. Wenn Tim Boll schon in so einer erzwungenen Form antworten muss, dann stimmt etwas nicht mit einer freien Meinungsäußerung in Deutschland. Oder haben Sie eine plausiblere Erkläerung? Darüber muss man nachdenken.
    Ich kann wirklich nicht mehr mit ansehen, wie man sich gegenseitig sinnlos beschimpft. Ich habe Euch zur Mäßigung und Verständigung geraten, ohne Erfolg. Daher die Ironie. Es war ein Versuch, die deutschen Klischees über China darzustellen. Selbstverständig sind die Fragen ernst gemeint. Ich gehe davon aus, dass Herr Siemes die Sache gelassener ansieht. Herr Siemes hat auch reichlich Gelegenheiten, Stellung in seinen wöchentlichen Berichten zu nehmen. Wenn Herr Siemes die Ironie nicht mag, soll er mir andeuten.
    In diesem Sinnen
    MfG

  7. haben Sie wohl noch nie blauen Himmel gesehen. Nehmen Sie den Artikel etwas lockerer, es ist nur eine Kolumne. Kolumnen sind nunmal polemisch.

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